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Der Israelit · 1899-01-05 · Heft 2 (5.1.1899) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 2 (5.1.1899)
Date
1899-01-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XI., Jahrgang. Erste Beilage jtt M 2 ftts Israelit". Leitender Artikel. cZuin 27. Tewetb. Von L. Sch. Zehn Jahre sind entschwunden, seitdem sich die Erde über den sterblichen Ueberresten eines Mannes geschloffen, der wie wenige für sein Volk gewirkt und ein Führer in Israel nach vollbrachtem Erdenwallen ins Jenseits hinübergegangen, dessen Freuden kein Mensch erwartungsfroher entgegensehen durfte, wie er. Die Abendschatten senkten sich bereits düster zur Erde, als die letzten Schollen auf das Grab Samson Raphael Hirsch's niedersielen; so war er denn heimgegangen der Meister, deffen Gedächtniß diese Zeilen gewidmet sind. Niemals jedoch hat er seine Freunde verlaffen, sein Tod hat die Bande, die uns mit ihm vereinigten, nur noch fester geknüpft. Denn, da feine mächtige Persönlichkeit uns fehlte, so umfaßten wir sein geistiges Vermächtniß um so inniger, und trotzdem ist es uns Herzensbedürfntß an dem 10jährigen Todestage dieser Großen in Israel, einen Rückblick auf sein Leben zu werfen, damit alle Diejenigen, die den Geist seiner Werke noch nicht in ihrer ganzen Bedeutung erfaßt, sich ermannen den Spuren dieses Heldenslebens nachzugehen und ihnen allen sein Lebenswerk Stab und Stütze werde in den Brandungen der Zeit. — Wenn wir nun im Rahmen einer Besprechung uns begnügen müssen, auch nur über eines seiner Meisterwerke einige schwache Andeutungen zu machen, so dürfte dies, als der gute Wille eines seiner jüngsten begeisterten Schüler, seinen Zweck nicht verfehlen. Die französische Revolution von 1792 einerseits und das Auftauchen jüdischer Geistesgrößen, wie Moses Mendelssohn andererseits, hatten im Judenthum einen bedeutenden Umschwung zuin Guten hervorgebracht. Zur endlich erlangten Freiheit und theilweisen Gleichberechtigung, sowie zur Emanzipation der Juden in Deutschland war die französische Revolution der kräftigste Anstoß gewesen. Diese soziale Befferung war aber leider nur für einen ganz kleinen Theil der Judenheit auch in religiöser Beziehung eine Befferung, oder sagen wir lieber eine Nichtverschlechterung. Ein kleiner Theil hatte sich Moses Mendelssohn zum Vorbild genommen, der, was zur damaligen Zeit zur größten Seltenheit gehörte, ein großer Religionsphilosoph und dabei ein treuer Bekenner der Thora war, sich aber auch in profanem Wiffen den tüchtigsten und gelehrtesten Köpfen Deutschland» an die Seite stellen konnte. Es war jedocb, wie erwähnt, nur ein kleiner Theil, der ihm nacheiserte oder bester gesagt, der ihn verstand und sogar von seinen Söhnen und Schülern sagten sich nach Mendelssohn's Tod manche völlig vom Glauben los und traten zum Chriftenthum über. Andere waren Thorastudirende, leider aber nur theoretisch, wollten da» praktische Judentbnm entweder reformiren, oder einfach außer Acht lassen; sie verstanden aber nicht Mendelssohn's Grundsätze im Leben richtig anzuwenden. Im Laufe der Zeit hatte das Judenthum im Großen und Ganzen in den meisten jüdischen Familien fast aufgehört. Der junge Mann, der ins Leben hinaustrat, hatte keinen Vorrath von jüdischen Waffen mitzunehmen, außer den meistens unverstandenen Gesetzesausführungen, die er gewohnheitsmäßig, wie sein Vater, übte. Da unverstanden, wurden sie sehr, sehr bald über Bord geworfen, weil die modernen Ideen sich unaufhaltsam Platz zu machen suchten und in den Köpfen mancher Juden zum Unheil der Judenheit Nachhall fanden. In keiner Zeit vielleicht sah es im Judenthum in Deutschland in religiöser Beziehung so trostlos aus, wie um das Jahr 1830. Es mußte eine Befferung eintreten, wenn nicht im Laufe der Zeit auch noch dieser letzte Rest von Orthodorie verschwinden sollte. Da erschienen im Jahre 1836, wie ein rettender Engel, die „Neunzehn Briefe über Judenthum von Ben Usiel". Heute ist allgemein bekannt, daß sich unter dem Pseudonym „Ben Usiel" in Bescheidenheit ein Mann verbarg, der durch dieses Werk und seine späteren Schriften dauernd für sein Volk gewirkt hat. Samson Raphael Hirsch wurde in Hamburg im Jahre 1808 geboren. Von seinen Eltern für den Kaufmannsstand bestimmt, fühlte er bald den Drang nach geistig Höherem in sich rege und entsagte der kaufmännischen Laufbahn, um sich dem Studium der Thora zu widmen. Außer bei anderen Lehrern genoß er auch bei Rabbi Jacob Ettlinger ran, der, damals Klausrabbiner inMannheim, durch seine Gelehrsamkeit weit und breit berühmt war. Unterricht int Talmud und besuchte später die Universität Bonn. Im Jahre 1830 wurde er zum Oldenburgischen Landesrabbiner gewählt und hier verfaßte er sein erstes Werk, das gar bald seinem Namen Hellen

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