Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 86 (31.10.1898)
- Date
- 1898-10-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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3U1SXX. Jahrgang. KMagr ju M 86 des Jtorofltt“. Leitender Artikel, Die Nahrung des gesnnflen i. kranken Magens. Zar Verhütung und Linderung von Magenkrankheiten. Mit besonderer Berücksichtigung der jüd. Speisegesetze. Von Dr. P. Münz, pract. Arz(, Nürnberg. (Fortsetzung.*) Im Allgemeinen wird der Nährwerth, der den Suppen zukommt, überschätzt und vielfach verkannt. Entsprechend ihrer Zusammensetzung kommen die Suppen (Bouillon) als eigentliches Nahrungsmittel das geronnene Eiweiss und das Fett wird ja abgeschöpft — gar nicht in Betracht; sie spielen nur vermöge ihres Gehaltes an Nährsalzen und Würzstoffen, welche die Eigenschaft haben, die Absonderung der Verdauungssäfte anzuregen und die Herz - und Nerventhätigkeit zu beleben, die Rolle eines Genussmittels. Die Suppen bilden darum bei Magenkranken, deren Verdauungskraft gesunken, ein beliebtes Genussmittel; es ist aber vollständig verfehlt, auf sie den Hauptwerth der Ernährung zu legen und sie Magenkranken in grösseren Quantitäten zu verabfolgen. In grösseren Mengen sind sie eher geeignet, den Appetit zu vertreiben und auf die Verdauung sogar schädlich einzuwirken, indem sie einerseits die Schleimhäute des Magens allzusehr reizen und andererseits die Magensäfte verdünnen und dadurch den Einfluss derselben auf die Speisen hemmen. Im Allgemeinen dürften etwa 160 Gramm Fleischbrühe — das sind ungefähr zehn Esslöffel — vollständig genügen, und diese sollen aus dem erwähnten Grunde, um den Magensaft nicht, zu verdünnen. die Mahlzeit nicht direkt einleiten, sondern etwa eine viertel Stunde vor Beginn derselben genommen werden. Dieselbe Bewandtnis wie mit der natürlichen, hat es mit der künstlichen Bouillon, mit jener, die nicht direkt aus Fleisch, sondern aus Fleischextract hergestellt wird. Die Fleischextracte stellen samt und sonders concentrirte. dickflüssige Auszüge aus dem Muskelfleiseh des Rindes dar. und die aus ihnen hergestellten Suppen haben infolge dessen gleich den gewöhnlichen Suppen mehr und minder nur die Bedeutung *) Vergl. Nr. 71 des „Israelit“. eines Genussmittels. Den Suppen der einen wie der anderen Art kann jedoch ein Nährwerth, den sie an und für sich nicht haben, durch entsprechende Zuthaten, wie Cacao. Eigelb, Fleischstückchen. Semmel oder Sago, Gries, Gerste, Hafer verliehen werden. Was die Fleischextraete selbst und ihre Beschaffenheit anbelangt, so kann als allgemein bekannt angenommen werden, dass die gewöhnlichen im Handel unter den verschiedensten Namen vorkommenden Fleischextraete (wie Liebig’s Fleischextract, Maggis Suppenwürze, Fleischsaft Puro und Valentines sowie Somatose) von nicht rituell geschlachteten Thieren stammen und daher religionsgesetzlich für den Genuss nicht zulässig sind.*) Wir besitzen jedoch auch ein rituell bereitetes und darum religionsgesetzlich zulässiges Fleischextract; es ist dieses das Feischextract von Dr. Papilski, dasselbe ist von so vorzüglicher Güte, dass es Ersatz für alle anderen Präparate dieser Art bietet und für unsere Zwecke vollkommen ausreicht. Uebrigens werden alle zu der Klasse der Fleischextraete gehörigen Präparate angesichts des Umstandes, dass ihnen ein grosser Nährwerth im Allgemeinen nicht zukommt, in der Ernährung Magenkranker nicht allzusehr vermisst. Gleich den obengenannten Fleischpräparaten ist auch die grosse Schaar der in die moderne Therapie eingeführten und so vielfach empfohlenen Heilmittel, welche rituell unzulässige Extractivstoffe von Thieren enthalten und hier und da auch bei Magenkranken zur Verwendung kommen, durch das Religionsgesetz dem Genüsse entzogen. Es iiguriren in dieser Gruppe vor Allem die aus dem Blute nicht rituell geschlachteter Thiere hergestellten Eisenpräparate (wie Hämalbumin, Hämatogen, Hämatin, Hämoglobin, Hämonöin, Sanguinal). ferner die immer mehr und mehr in Schwung kommenden Organprodukte, die unrituell geschlachteten Tliüren entnommen werden, (wie Cerebrin, Jodothyrin, Medulladen, Ovariin, Thyreodin, Thyrojodin, Thyraden) und alle anderen dergleichen Heilmittel, die aus thierischen Organsäften hergestellt werden. Doch für alle diese Präparate, deren Wirkung übrigens nicht über jeden Zweifel erhaben ist, wird durch verschiedene Medikamente, deren Anwendung das religiöse Speisegesetz zulässt, ein entsprechen- ) Das jetzt in (len Handel kommende Trojton besteht zum Theil aus pflanzlichem, zum Theil aus rituell unzulässigem Eiweiss,