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Der Israelit · 1898-09-29 · Heft 77-78 (29.9.1898) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 77-78 (29.9.1898)
Date
1898-09-29
Page
– (sequence 30)
Language
German
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1450 Lehren Andersgläubiger angeführt tverdett, während sie vielleicht nicht selbst einmal geistiges Eigenthum der Araber sind. Immerhin ist der Koran ein sehr eigenthümliches Buch, das natürlich unter dem Einfluß von Bibel und Talmud entstanden ist. Er ist von Aba—bekr, dem Nachfolger Mohammeds verfaßt nach Aussprüchen, welche er von den Propheten gehört hatte und wird von den Arabern alkuran ulasym, die hehre Lesung genannt. „Dieses Buch ist," sagt ein bekannter Orientalist (Ganttier), „in Rücksicht des Wohlklanges der Rede das bewundernswürdigste Denkmal der arabischen Literatur, weil alle Reichthümer ihrer Sprache darin entfaltet sind. Es ist in 114 Kapitel getheilt, welche zusammen 6666 Verse enthalten. Diese Kapitel werden nicht nach ihrem Inhalte, sondern nach ihrer Länge eingetheilt. In einigen findet man eine wahre und reine Sittenlehre und manche gesetzlichen Bestimmungen voll Weisheit; in vielen anderen aber eine wunderliche Mischung von lächerlichen Gesetzen, geschichtlichen Ucberliefcrungen, sinnlosen Märchen und Deklamationen in allerlei Formen gegen die Götzendiener, Christen imb Juden." Die Poesie, die nun zum Theil ihre Anlehnung an den Koran nicht verleugnen kann, bringt viele bedeutsame Erzeugnisse hervor, die aber — wiederum seltsamer Weise — auch vielfach schon von jüdischen Weisen ebenso gedacht worden sind. Die „Tausend und eine Nacht" weist eine ganz enorme Menge von Sentenzen, Sprüchen und Versen auf, die größtentheils Pendants in den Sprüchen Salomons, den Sprüchen der Väter oder anderen jüdischen Quellen haben. Selbst die hervorragendsten arabischen Dichter, wie der bekannte Lokman, der arabische Aesop bringt viele Sachen, die an das Judenthum erinnern. So zum Beispiel die Verse Lokman's: „Ich empfehle Dir die Wahrheit, sollte Dich auch ihre Offenbarung brennen wie das höllische Feuer." „Denn Dein höchster Zweck muß sein, Gott wohl zu gefallen; und wehe dem Menschen, der den Herrn erzürnt um den Beifall des Dieners zu erhalten." Daß indessen auch dou Juden verfaßte Gedichte sich der Anerkennung der Araber erfreuten, beweisen die von dem berühmten Lantenspieler Jsaac, der am Hofe des Kalifen Harun al Raschid lebte, gedichteten Strophen, die eine Sängerin dem Herrscher vortrug, und die in der 943. stacht also Vorkommen: „Sanfter Morgenwind, wenn du in das Land derer kommst, die ich liebe, so bcinge ihnen meinen besten Gruß. Sage ihnen, daß ich mich selbst als Unterpfand ihrer Liebe betrachte, und daß meine Sehnsucht nach ihnen jede andere Begierde iibersteigt. O, ihr, die ihr mein Herz, mein Auge, meine Sinne beschäftigt, täglich nimmt meine Sehnsucht nach euch zu, so wie mein Kummer. Mein Herz ist täglich deßhalb in großer Beklommenheit und mein Auge kennt keinen Schlaf." Das sind natürlich nur ganz wenige Beispiele von den vielen, die sich geben ließen, aber es würde hier viel zu weit führen, wenn ich alle diese Einzelheiten noch darlegen wollte. Es kam mir ja auch vor allen Dingen darauf an, nach meinen Anschauungen ein Bit) zu entwerfen von der Rolle, die die Juden in den merkwürdigen Erzählungen der „100 l Nacht" spielen. Mag diese mm auch manchmal eine etwas einseitige, oft auch unwürdige sein, so wird doch au dem Gesammteindrnck wenig geändert und rnan muß vor allem immer bedenken, daß diese scheinbaren Judenfeindlichkeiten weniger der Ausfluß wirklicher Gehässigkeit sind, sondern vielmehr nur die Angewohnheit der Bekenner des Islam den Anhängern anderer Bekenntnisse bei Gelegenheit etwas mitzuspielen; zu wirklicher Gegnerschaft gegen die Juden kam es deßhalb auch niemals, im Gegentheil, die Araber nahmen die Juden stets gastfreundlich auf und hatten allerdings auch ihrer Bildung uno ihrem Wissen viel zu verdanken. Die Schönheit der arabischen Dichtung der „Tausend und eine Nacht" wird dadurch auch nur wenig verdunkelt, gerade so wenig wie die Sonne durch ihre Flecken und wenn wir nach dem Lesen der abenteuerlichen Erfindungen einer ganz außergewöhnlich lebhaften Einbiloungskraft zurückkehren in das reale Leben, dann denken wir wohl auch mit den schönen Worten eines neuzeitlichen jüdischen Dichters, des talentvollen Uebersetzers der „Sprüche SalomonS" Löwe n ft ein: (L. H. Löwenfteiu, Prov. Sal. „Die Weihe.") Hingegangen seid ihr, hingeschwnnden'. oit das tieserMeer«versIoss' ncr Stunden, Sank des AlterthnmS ehrwürd'ge Seit! Hingestorben sind die groben Meister, Hingesniiken jene hohen Geister o'l den 'Abgrund der Vergangenheit! Iranrig steh' ich an der .leiten Stande, Schau hinüber nach dem sveenlandc, Wo der Weisheit reiche Quelle schänint. Wage nicht der 3'Itu!) mich zu vertrauen -.stur das Herz erkühm sich hinzuschaucn, Wenn cs sich in höhre Sphäre träumt. Wage nicht den dunklen 3lor 311.?lüften, chicht lunabznstcigen zu den Grüften, Bio der Borwclt licil gc Leichen sind; lim der Blick neruiistt in hehren Stunden, Qieh des vichtstroms Ursprung zu erkunden, Qer lebendig durch die Welten rinnt.

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