Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 63 (11.8.1898)
- Date
- 1898-08-11
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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XXXIX. Jahrgang. Zweite Beilage zu M 63 -es „Israelis. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Karlsruhe, 5. August. Der 20. v. Mts. war ein Ehrentag für die junge israelitische Gemeinde in Baden-Baden. Denn an diesem Tage fand die feierliche Grundsteinlegung ihres Synagogenbaues statt. Schon seit vielen Jahren empfand man das Ungenügende des räumlich beschränkten Belsaals. und inan trug sich daher mit dem Gedanken, ein der herrlichen Bäderstadt würdiges Gotteshaus zu errichten. Da die Zahl der in Baden-Baden ansässigen Israeliten eine geringe war, so mußte man an die Mithilfe wohlthätiger, daselbst weilender Kurgäste appelliren. Um die Beschaffung eines Synagoqenbaufonds machte sich nach dem Berichte der „Allg. Z. d. I." besonders verdient der verstorbene Herr Oberrath Willstädter von Karlsruhe, sowie die Gemeindevorsteher Herr Julius Mayer und Herr Rothschild. Nachdem die in Baden-Baden wohnenden Israeliten die Rechte einer Gemeinde erhalten hatten, ging man, dank der Thatkraft des Herrn Vorstehers Julius Mayer, an die Verwirklichung der längst gehegten Idee. Herr Profeffor Levy dahier, der bekannte Erbauer der Synagogen zu Kaiserslautern, Pforzheim, Barmen und Straßburg, wurde mit der Anfertigung des Synagogenbauplanes beauftragt. Am 20. v. Mts. fand nun unter der Theilnahme der Gemeindemitglieder, vieler Kurgäste und von auswärts erschienener Ehrengäste die feierliche Grundsteinlegung in einer herzerhebenden Weise statt. Unter den anwesenden Ehrengästen bemerkten wir Herrn Regierungsrath Dr. Mayer von hier als Vertreter des großherzoglichen Oberraths, sowie die Rabbiner Dr. Fürst von Mannheim, Dr. Appel von hier, Dr. Rawicz von Offenburg und den als Kurgast in Baden weilenden Herrn Dr. Stößer von Stuttgart. Herr Rabbiner Dr. Mayer von Bühl, zu dessen Bezirk die Stadt Baden gehört, hielt die feierliche Ansprache, und Herr Vorsteher Julius Mayer verlas die von ihm verfaßte Urkunde, die eine Geschichte der israelitischen Gemeinde Baden und des Synagogenbaues enthält. Bei Vollziehung der üblichen drei Hammerschläge, sprachen Herr Regierungsrath Dr. Mayer, sämmtliche anwesende Rabbiner, Herr Profeffor Levy und einzelne Ehrengäste (darunter auch Christen) erhebende Worte. Am Abend fand für die Festtheilnehmer ein von der Gemeinde Baden gegebenes Festmahl statt, das durch zahlreiche, geistvolle Reden seine Würze empfing. Die israelitische Gemeinde Baden darf auf das wohlgelungene, von ihr veranstaltete Fest mit Befriedigung blicken, sie hat bewiesen, daß, wenn sie auch die jüngste, doch nicht die geringste unter den Gemeinden Badens ist. Möge die opsersahige, kräftig emporstrebende Gemeinde, die sich die Sympathien weiter Kreise erworben hat, überall wirksame Unterstützung finden, daß sie das begonnene Werk würdig zu vollenden vermag. England.? London. Unter den Juden des Ostends herrscht eine lebhafte Bewegung gegen die Leiter der Gemeinde, die nach ihrer Auffassung keine Rücksicht ans die eingewanderten Juden nehmen und in ihnen nur Gegenstände ihres Mitleids sehen. Die Juden des Ostends sind aber müde immer nur Wohlthaten zu empfangen, sie wollen gleichberechtigt mit ihren reicheren Brüdern im Londoner Westend sein und verlangen mehr Rücksicht von diesen, als ihnen gegenwärtig erwiesen wird. Das Auftreten des Oberrabbiner Adler gegen das Cheder hat noch mehr verstimmt und in allen Synagogen des Ostends wettern die Maggidim und Rabbiner gegen die Bevormundung durch das Westend. Die große Gesellschaft Machsike Hadaß beabsichtigt von dieser Stimurung zu profitiren und sich aus einem Religionsverein in eine vollkommen konstituirte Gemeinde zu verwandeln. Vollkommen aus eigenen Mitteln hat diese Gesellschaft sich eine Svnagoge gebaut, die 2000 Plätze enthält und ein Gebäude für die Talmud- Thora-Klaffen, in dem 1200 Kinder unterrichtet werden können. Jetzt will die Machsike Hadaß noch einen Begräbnißplatz kaufen, ein Beth Din konstituiren und sich die Gemeinde der ausländischen Juden nennen. Sie hofft dadurch zum Mittelpunkt der eingewanderten Juden zu werden und diese von der Gnade der Westend-Juden unabhängig zu machen. Vielleicht ist diese Bewegung Veranlassung dazu, daß die Berathungen des East End Schema im Rath der United Synagogues ein schnelleres Tempo einschlagen, was sehr zu wünschen wäre. Uersonalien Gailingen, 8. Aug. Dieser Tage verschied Hierselbst nach langem, schweren Leiden Frau Sara Weil, geborene Harburger. Durch ihren Heimgang har unsere Gemeinde, deren Zierde und Stolz die Verblichene bildete, einen großen Verlust erlitten. Die Verstorbene, eine 7'."! ntiw im wahrsten Sinne des Wortes, war über sieben Jahre» bis zu ihrem Tode erste Vorsteherin des isr. Frauenvereins und hat sich durch die allzeit gewissenhafte und aufopfernde Verwaltung ihres Amtes große Verdienste erworben. Ebem'o zeichnete