Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 63 (11.8.1898)
- Date
- 1898-08-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1154 empor. In dem kleinen Körper aber lebte ein starker, nie gänzlich niederzudrückender, ewig regsamer Geist. Noch heute erfüllen ihn die Ideale seiner Jugend. Er nennt sich mit Stolz einen Juden. Die ersten Preise aufzuzählen, welche Altmeister Steinitz errungen, würde einen viel zu großen Theil des Raumes in Anspruch nehmen, tvelcher diesem Aussatze gegönnt ist. Doktor Siegbcrt Tarrasch, der deutsche Vorkämpfer, welcher mit seinen Concurrenten Pillsbory bis zur letzten Stunde um die Palme des ersten Siegers ringen mußte, ist in Breslau am 5. März 18fW geboren und heute ein vielbeschäftigter Arzt zu Nürnberg. Seine Spielweise zeichnet sich durch Gedankentiefe und scharfsinnige Gründlichkeit aus. Den dritten Preis holte sich der Russischpole, David Janowski, welcher gegenwärtig in Paris domieilirt. Bei seiner großen Jugend er zählt kaum 30 Jahre — werden ihm noch viele schöne Erfolge auf den 64 schwarz-weißen Feldern erblühen. In zweiter Reihe standen diesmal der deutsch-englische Meister Horatio Caro aus London, der Wiener Alerander Halprin und der Russe Simon Alapiu, welcher gegenwärtig in Berlin lebt, wo er die Zeitung, den „Schachfreund" herausgiebt. Noch wären, da wir vollständig fein wollen, der um die Turnierleituug hochverdiente Fähndrich aus Budapest sowie die beiden ausgezeichneten Schachjournalisten L. Hoffer aus London und Jacob Mieses aus Berlin, letzterer der getreue und unzertrennliche Adlatus des Dr. Tarrasch, gu nennen. England.? London. Hier ist ein heftiger Zwiespalt unter den Zionisten ausgebrochen, der zu einer scharfen Trennung der alten Choveve Zion unter Führung deS Oberst Goldfmid und I. Prag von den Herzlisten unter L itung von Bentwich und de HaaS geführt hat. Im März hatte eine Versammlung stattgesunden, an der alle zionistischen Vereine theilgenommen hatte. In dieser Versammlung hatte man eine Federation os English Z onistS konstituirt und ein ComitH gewählt, das die Statuten ausarbeiten sollte. In dem neuen Verein sollten alle bestehenden, auch die große Gesellschaft der Choveve Zion mit ihren vielen Zweigvereinen, Fents genannt, völlig aufgehcn. Die Statuten der neuen Federation sielen aber so vollkommen Herzlistisch aus, daß Goldfmid und Prag, die die Kolonisation Palästinas von den Herzlisten angeseindet sahen, aus der Kommission der Federation austrateu und der Vorstand, das Hauptquartier der Choveve Zion, energisch die Annahme der Statuten ablehnten. Gleichzeitig wählten dieselben den Obersten Goldfmid einhellig wieder zum Chief, während Bentwich, der Führer der Herzlisten austrat. Die letzteren versuchten nun den Kampf in die Zweigvereine zu verlegen, aber mit wenig Erfolg, denn nur zwei, Leeds und der kleine Verein in Portsmouth faßten Resolutionen zu ihren Gunsten, während die Londoner und der Verein in Birmingham energisch für die Resolution Golvsm.d und Prag eintraten. Nun tobt der Kampf in der Press', Jewish Chron-cle unterstützt die Kolonisatoren, Jewish EWorld tritt für die Herzlisten ein. Im allgemeinen kann man aber s >gen, daß für diese nur diejenigen Vereine eintreten, welche auch bisher schon sich auf das Schreien beschränkt haben, ohne eiwa' für die Kolonisation zu leisten.? London. Am Sonntag, 24. Juli hatte unser berühmter Klub „die Makkabäer" einen besonders glänzenden Abend. Eine ganze Reihe hochangesehener Gäste aus Amerika waren anwesend, darunter CyruS Adler und Judge Snlzberger und außerdem der bevollmächtigte Minister der Republik Libera E. W. Blyden. Aus den vielen Reden, mit denen die Gäste gefeiert wurden und dankten, soll eine besonders hervorgehoben werden, die von Exccllenz B.'yden. Ec lud die Juden ein nach Afrika zu kominen und dieses civil,streu zu helfen. Noch seien die größten Bezirke Afrikas ganz ohne jüdische Einwohner und an dem großen Werke diesen ganzen Wetuheil der Kultur zu erschließen, arbeiteten die Juden nur an wenigen Stellen init, hier sti noch viel Raum für sie, hierhin möchten sie gehe«! und vielleicht führe sie Herzl selbst noch dorthin. R u ß l a n d. 'i Petersburg. Der Senat hat eine höchst wichtige Entscheidung getroffen. Er hat nämlich bestimmt, daß alle Juden resp. Jüdinnen, die ein Diplom als Feldscheer, Zahnarzt resp. Hebamme besitzen, das Recht haben, überall in Rußland nach freier Wahl zu wohnen und sogar, wenn sie in ihrem Berirse nicht Nahrung genug finden, einen Nebenberuf zu treiben. Besonders die letztere Klausel ist höchst wichtig. — Der Fonds für jüdische Bauern und Handwerker veröffentlicht seinen Jahresbericht. Er hat 24 343 Rubel verausgabt und mit diesem Gelbe ailßer einer Reihe von Einzelpersonen unterstützt: 3 Elementarschulen in den jüdischen Bauerndörfern im Gouv. Jekaterinoslaw, 16 Gewerbeschulen, 30 tcchllische Klaffen für Mädchen, endlich einige Ackerbauschulen. Dieser Fonds erhält keinerlei Unterstützung aus dem Ausland, auch nicht von der Jewish Colonisaüon Affociation. — Der Kriegsminister, der beobachtet hat, daß die Juden in manchen Regimentern der Armee sehr zahlreich, in anderen dagegen gar nicht vertreten sind, hat Maßregeln getroffen, um die Vertheilung