Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 63 (11.8.1898)
- Date
- 1898-08-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1155 der jüdischen Rekruten durch die ganze Armee zu bewirken. — In Nischnei Nowgorod hat der General- Gouverneur eine Kommission eingesetzt, die das Recht jedes einzelnen Juden, der zur Messe kommt, prüfen soll und die Nichtberechtigten ausweisen wird. Wieviel Geld wird diese neue Kommission wieder die Juden kosten!? Lodz. Eine arme Jüdin von hier, deren Mann vor einigen Jahren nach Amerika auswanderte, hat durch das Kriegssekretariat in Washington die Nachricht erhallen, daß ihr Mann als Freiwilliger in die Armee eingetreten war und auf Kuba gefallen ist. Der Wittwe ist eine Summe von lOoo Dollars statt einer Pension ausgezahlt worden.? Baku. Hierselbst hat der Polizeichef, der alle möglichen Chikanen gegen die Juden auSheckt, angeordnet, daß die jüdischen Koufleuten auf ihre Schilder, nicht nur ihren H^uplnamen, sondern auch ihre Vornamen schreiben müssen, p sogar auch die Namen ihrer Eltern. Zudem müssen sie die Jargonform nehmen, nicht etwa die russische oder hebräische Form z. B. Jankel nicht Jakob und Schrnul statt Samuel. Damit sollen die Juden recht kenntlich gemacht werden, um die Parole „Kauft nicht bei Juden" bequem durchführen zu können. Allein einige Juden weigerten sich dem Befehle nachzukommen und die Regierung gab ihnen Recht und erklärte die Polizeiordre für ungesetzlich. — Die jüdische technische Schule in Rossieny, Gouv. Kowno, hat auf der Landwirthschaftsausstellung dieses Gouvernements einen Ehrenpreis für agrikulturelle Leistungen erhalten. — Die jüdische Gemeinde in Perejaslaw ist um die Erlaubniß eingekommen eine Schule für Handwerk zu errichten. Die Mittel dazu ca. 8000 Rubel sollen aus der Koscherfleisck-Taxe genommen werden. In Berditschest dagegen hat die Stadtverwaltung aus demselben Fonds 5000 Rubel erhalten und in Kowno die dortige Feuerwehr 1500 Rubel. Griechenland. L. Larissa Vom Tage der Rückkehr der griechischen Verwaltung in Lariffa an, zeigte die Menge eine den Juden feindliche Gestnnung. Die, welche um ihren Muth zu zeigen, sich auf die Straße wagen und. ihre Läden öffnen, werden beleidigt und geschlagen. Ein uns befreundeter Apotheker wollte ein Beispiel geben. Er öffnete seinen Laden; es bekam ihm schlecht, er wurde sofort angegriffen und mußte wieder schließen. Ein anderer, der auf den Marktplatz ging, um einzukaufen, wurde windelweich geschlagen. Ein Hutmacher und ein Obsthändler, die den Versuch des Apothekers erneuerten, wurden unter den Augen der Behörden geplündert, die so thun, als ob sie die Ordnung wieder Herstellen wollen. deren böser Wille aber in Wahrheit die Uebelthäter ermuthigt. Sie misten, daß eins der Verbrechen, deren man die Juden, mit Unrecht natürlich, anschuldigt, ist, daß sie die Häuser, die die Christen bei Ankunft der Türken verlosten hatten, geplündert hätten, oder wenigstens das Eigenthum zu niedrigen Preisen gekauft hätten. Daher untersucht auch die Polizei jeden Augenblick die Häuser und die Läden der Juden, ohne daß man jemals etwas findet. Diese polizeilichen Untersuchungen haben verhängnißvolle Folgen; die Menge nimmt sie zum Vonvand, um auch in die Häuser einzudringen, die Kästen der armen Juden zu öffnen und sich ihren Inhalt anzueignen. Außerdem werden jeden Augenblick arme Juden denuncirt, verhaftet und ihre Läden versiegelt. Die Gemeinde von Volo, von dieser Lage bewegt, beauftragte zwei ihrer Mitglieder nach Lariffa zu gehen, um den wahren Stand der Dinge kennen zu lernen. Diese Herren sind von ihrer Sendung zurückgekehrt'. Sie ermuthigten unsere Glaubensgenoffen in Lariffa, veranlaßten sie ihre Läden wieder zu öffnen, und wandten sich mit zwei vornehmen Juden der Stadt an den General VaffoS, den Chef der Reoccupationsarmee. Der General hat sie sehr gut ausgenommen und versprach die Aufmerksamkeit der Lokalbehörden auf die Sicherheit zu lenken, die die Juden genießen müffen. Trotz des Versprechens hat sich die Lage in Lariffa nicht verbeffert. Unsere Glaubensbrüder werden mißhandelt und wagen nicht mehr die Straßen zu betreten. Bei dieser Lage beschloß die G.'m inde von Volo eine Gesandtschaft nach Athen zu schicken. Sie wird sich an Herrn Rothschild, den Vorsitzenden der Gemeinde von Athen anschließen, um dem Minister des Innern, eventuell dem König selbst, über die elende Lage der Juden in Lariffa zu berichten. Die Lage der Dinge ist dauernd unsicher; denn folgender Artikel stand im „Avenir de Salonique“: Unsere Glaubensbrüder in Theffalien können nicht mehr in Ruhe leben, der Pöbel will keine Vernunft annehmen. Die Regierung nimmt alle Reclamationen der Griechen an, ohne nach der Wahrheit zu forschen. Die Behörden sperren die Juden auf Grund der unglaubwürdigsten Anzeigen ein. Nutzer drei Mohamedaneru, sind acht Juden ins Gefängniß gesperrt worden, weil sie während des Krieges ihre Mitbürger bestohlen hätten; der eine Fall, der des Herrn Azevi, eines türkischen Unterthans, lohnt sich, mitgetheilt zu werden. Er ist sehr merkwürdig. Dieser ehrenwerthe Kaufmann, der mit mehreren Griechen in einem Hause wohnte, war so gefällig ihren Besitz bis zu ihrer Rückkehr aus dem Kriege aufzubewahren. Nach Friedensschluß gab er die Gegenstände ihren Besitzern zurück, unter denen ein