Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 47 (16.6.1898)
- Date
- 1898-06-16
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XUIX. Jahrgang. Imrite Mage ju M 47 ürs JferwlU“. Zeituttgsnachrichten und Correspottdenzen. Deutschland. V. Berlin, 10. Juni. Die israelitische Taubstummenanstalt in Neu-Weißensee bei Berlin feiert im Herbst d. I. ihr Lbjähriges Bestehen. Sie wurde 1873 von dem jetzigen Leiter, Direktor Reich, in Fürstenwalde an der Spree begründet. Jetzt wird sie von dem Verein „Freunde der Taubstummen, Jedide Jlmim" erhalten. Zur Zeit sind dort 40 Zöglinge, ^3 Knaben und 17 Mädchen, aus allen Theilen Deutschlands untergebracht. Die Kinder erhallen in allen Volksschulfächern und in Handarbeiten Unterricht. Sie werden angehalten, das gesprochene Wort vom Munde anderer abzusehen und auch selbst laut und deutlich zu sprechen. Die Anstalt, zu der auch ein schöner Park gehört, befindet sich seit 1890 in Neu- Weißensee bei Berlin, Parkstr. 18. 8. Potsdam, im Juni. (Zu jüdisch!) In der Engrosdestillation der Firma Gebrüder Richter hier, bewarb sich kürzlich ein junger Mann um eine eine Anstellung. Als er sich auf Wunsch des Chefs persönlich vorstellte, erhielt er den Bescheid: „Es thut mir leid, Sie nicht engagiren zu können; Sie sehen mir zu jüdisch aus." — Der Chei, der also sprach, heißt Cobu. X. Rawitfch, 10. Juni. Am Nüsttage des Wochenfeftes haben wir einen Mann zu Grabe getragen, durch dessen Heimgang unsere Gemeinde einen großen Verlust erlitten hat. Herr Wolfs Asch ist am l23. v. M. seinem langen, mit Geduld ertragenen Leiden im 71. Lebensjahre erlegen, und in ihm betrauert die Gemeinde ihr ältestes Vorstandsmitglied, welches nahe an vier Jahrzehnte sein Amt mit seltener Aufopferung und peinlicher Pflichttreue verwaltet hat. Das Leichenbegängnis legte Zeugniß von der allgemeinen Achtung ab, welche der Verblichene genoß, und wenn auch Herr Rabbiner Dr. Cohn, dem Wunsche der Hinterbliebenen entsprechend und gezwungen durch die Nähe des Festes, der allgemeinen Trauer nur mit wenigen Werten Ausdruck geben durfte, so konnte es ihn doch nicht hindern, die Vorzüge des Geistes, die außerordentliche Arbeitskraft und die nimmer ermüdende Thätigkeit, welche Herrn Asch so hervorragend auszeichneten, und nicht minder seinen großen, bis ans Ende bethätigten Wohlthätigkeitssinn rühmend und dankend hervorzuheben. Ein 86lf made man in des Wortes reinster Bedeutung, der die irdischen Güter nicht mühelos, sondern als Resultate angestrengtester Arbeit, als Früchte seines scharfen Geistes erntete, hatte er für Arme und Bedürftige stets ein warmes und fühlendes Herz. Aber auch in der Gemeindeverwaltung wird die Lücke, welche der Verblichene hinterlassen, schmerzlich empfunden werden. Sein Andenken wird gesegnet bleiben! O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. Neueren, 10. Juni. (Zu den antisemitischen Ex c essen in Galizien.) In jüngster Zeit haben sich gewaltthätige antisemitische Exzesse an verschiedenen Punkten Galiziens wiederholt. Die jüdischen Abgeordneten aus Galizien haben darüber ausführliche Berichte erhalten, welche auf einen gemeinsamen Herd dieser Hetzen Hinweisen und darüber Beschwerde führen, daß es an energischer Abwehr seitens der Lokalbehörden hie und da mangelt. Die genannten Abgeordneten sind zusammengetreten, um im Vereine mit Vertrauensmännern aus Galizien die Beschwörden zu prüfen njm scn mrm und über die dagegen einzuschlagenden Mittel zu berathen. Auf Antrag der Abgeordneten Dr Rappap o r l und Dr. B y k wurde dabei beschlossen, in erster Linie Abhilfe vom Statthalter Grafen P i ni us ki zu verlangen, was theilweise schon geschehen ist und nächster Tage vervollständigt werden wird. Außerdem werden diese Abgeordneten auch an die Centralregierung herantreten, um namentlich dem Minister Jedrzejowicz die Sachlage klarzustellen und die Aufmerksamkeit des Justizministers auf den Zusammenhang dieser antisemitischen Straßenexcesse mit der maß- und schrankenlosen Haltung eines gewissen Theiles der polnischen Presse in Krakau und Lemberg zu lenken. Bis zum Ausgange dieser Schritte wollen die genannten Abgeordneten von der Einbringung einer Interpellation oder eines Dringlichkeitsantrages im Abgeordnetenhause absehen. »6—"IN sin 'NN SN'L D'Mn D'twx Dsi inn! tr'K 'jbö mi M. Reis er, Rabbiner. Frankreich. '< Paris. Die französischen Juden werden aus ihren! Optimismus bezüglich der Wahlen rasch aufgerüttelt werden. Aus Algier kommen Nachrichten, die beweisen, daß die französische Regierung ebenso wie Generalgouverneur Löpine und die französischen Gerichte in Algier der antisemitischen Stimmung Rechnung zu tragen beginnen. Die antisemitischen Deputirten haben bekanntlich ein Gnadengesuch für die wegen Plünderung jüdischer Häuser :c.