Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-06-13 · Heft 46 (13.6.1898) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 46 (13.6.1898)
Date
1898-06-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448900--46161-2496563
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

854 > Personalien. -<- Köln, 5. Juni. Ein unabsehbarer Leichenzug bewegte sich vor einigen Tagen von d»r Komödienstraße zu dem israelitischen Friedhofe in Deutz. Aus allen Schichten der Gesellschaft, auS allen Konfessionen bestand die Menge der Theilnehmenden, die einem Manne die letzte Ehre erwiesen, dessen Lebensabend nur guten und edlen Zwecken gewidmet war. Herr Simon Simon, geb. im Jahre 18iH, erreichte das hohe Lebensalter von 80 Jahren und nahm, umgeben von einer liebenden Kinder- und Enkelschaar, vom Leben Abschied. In Leckenich geboren, leklcidete er dort 12 Jahre mit Eifer und Pflichttreue das Amt eines Gemeindevorstehers. Als er 1869 nach Köln übersiedelte, sah man ihn nur sehr ungern scheiden. Hier widmete er seine freie Zeit nur den Angelegenheiten der Gemeinde und ihren Wohlthätigkeitseinrichtungen. Schon bald hatte man in Köln erkannt, welche tüchtige Kraft man an ihm gewonnen, und so wurde Herr Simon vor 27 Jahren zum Gemeindevorsteher ernannt, ein Amt, welches er bis an sein Lebensende mit der größten Aufopferung vertrat. Wohl keine Wo.lthätigkeitsanstalt der Gemeinde bestand, an deren Wirken er nicht vollen Antheil nahm, oder an deren Spitze er nicht stand. Das Scheiden des edlen Mannes reißt eine große Lücke in die Verwaltung der Gemeinde. Als Vorsitzender der Annenverwaltung. Vorsitzender der Baukominission für die neue Synagoge wirkte er unermüdlich. Das „Israel. Waisenftift' verliert in ihm seinen Vorsitzenden, die Ehcbra Gemilus Chassodim ihren langjährigen Vorsitzenden, das Kuratorium des Lehrerseminars ein eifriges Mitglied, ebenso daS Kuratorium des israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache. Seine aufopfernde Thätigkeit rudte nicht, bis in den letzten Wochen vor seinem Ableben körperliche Schwäche ihm ein Ziel setzte. Seine werkthätige Nächstenliebe erstreckte sich weit über den Kreis seiner Glaubensgenossen. Niemals bildete die Konfession der Hilfsbedürftigen eine Schranke für dieselbe. Einfachen, bescheidenen Sinnes, hinterließ er, daß an seinem Grabe nur die üblichen Sterbegebete gesprochen und keine Leichenrede gehalten werden solle. Sein Angedenken wird ein gesegnetes sein! Sprechsaal. Mainz, -s. Juni. In einer Redaktionsbemerkung in einer Ihrer jüngsten Nummern erwähnten Sie unter den Ihnen bekannten Heilanstalten für Geistes- und Nervenkranke eine in Sayn und eine in Bayreuth. In der Anstalt der letztgenannten Stadt (Dr. Würzburger) findet, wie ich nach zuverlässiger Information erfahre, rituelle Beköstigung nicht statt. Dagegen gestatten Sie mir wohl auf das rühmlichst bekannte und in diesen Blättern oft empfohlene Sanatorium »on Dr. Rosenbaum in Frankfurt - Bockenbeim aufmerksam zu machen. Die Zuverlässigkeit in Bezug auf Kaschrus ist in dieser Anstalt ebenso unbestritten wie die gute Qualität der Speisen. Es ist allbekannt wie sorgsam dort in Bezug auf Fleisch- und Milchspeisen umgcgangen wird. Ein orthodoxer jüd. Arzt ist stets im Hause und die mit allem Eomfort eingerichtete Anstalt, am Fuße des Taunus, in der Nähe eines hübschen Waldes gelegen, bietet den Patienten einen Aufenthalt, wie er nicht besser und schöner gedacht werden kann. A. > Vermischtes. »4 Metz, 6. Juni. Gestern starb hier im israelitischen Hospize der l 04 Jahre alte Lion E i s e n b e r g, genannt Rabbi Leib, eine in der Stadt sehr bekannte Persönlichkeit. Als Leib 100 Jahre alt wurde, dachte er daran, daß eS an der Zeit sei, ein Testament zu machen, was er auch vor 4 Jahren bei einem Notar besorgte. Leib war vermögend und kam vor 65 Jahren nach Metz. Paris. Als in der gestr. Stadtrathsitzung die 200000 Fr.-Spende der Rothschilds für die Pariser Armen angekündigt wurde, riefen einige Stadträthe: „Was werden die Antisemiten dazu sagend" Alpy erwiderte ohne Zögern: »Sie werden sagen, daß diese Gabe ein Blitzableiter sein soll!" Letzte Nachrichten. Frankfurt a. M., 12. Juni. Gestern verschieb in hohem Alter Herr Rabbiner Fromm dahier. Derselbe verwaltete eine lange Reihe von Jahren das Amt eines Rabbiners in der Israelitischen Gemeinde zu Homburg v. d. Höhe; später übernahin er die Stelle eines Hausrabbiners bei Freiherrn W i l h. Carl v. Rothschild n, welch letzterer ihn seiner hohen Gelehrsamkeit halber zu diesem Amte bestimmte. Viele Jahre hindurch gaben sich die beiden Herren n'ncfr v"n pa ^narfc gemeinsam täglich einigen Stunden der Forschung in der heiligen Lehre hin. In den sechziger Jahren war Herr Rabbiner Fromm ein muthvoller und eifriger Verfechter des gesetzestreuen Judenthums, und ihm ist es hauptsächlich zu danken, daß die Gemeinde Homburg noch heute dem Väterglauben, so wie er uns überliefert wurde, erbalten geblieben ist. n"natJD Bialtzstok, 12. Juni. Oberrabbiner Rabbi Samuel Mohilewer, der bereits seit einigen Wochen lebensgefährlich erkrankt war, hat heute Nacht das Zeitliche gesegnet. sM ohilewer, seit dem Tode des Kownoer Rabbiners Rabbi Jizchak Elchanan's wohl der berühmteste und am Meisten Genannte Rabbiner Rußlands hat sich in. jüngster Zeit besonders dadurch hervorgethan, daß er dem Zionismus seine Sympathieen schenkte. L>o hat er an den vorjährigen Baseler Eongrcß ein Begrüßungsschreiben entsendet, das daselbst mit umso größerer Begeisterung verlesen wurde, als ja bekanntlich eine sehr große Zahl russischer Rabbiner dieser jungen Bewegung feindlich gegenüber siebt. <_ Briefkasten der Redaetion. Plant Almont, Würzbnrg: Freundlich gesandte Arbeit eignet sich nicht für den „Israelit". Theilen Sic uns gefl. mit, wohin wir Ihnen solche zurückschicken sollen. Briefkasten der Expedition. Herr Joseph Jnng Alsoknbin: Einverstanden, bitten um Uebersendung Sl. B C." : Betrag von fl 2 55 dankend emipailgeii L. C. in R: Wir entsprechen gerne Ihrem Wunsche. A H. a. G: Annonce Nr. 2744 kostet (laut erth. Nechnung.) Mk 4.05. ES ging uns ein Inseraten-Auftrag zu, unterzeichnet Leser Adler, jedoch ohne Angabe des Wohnortes (Post Jtempel unleserlich) ilnd bitten wir denselben gefl. nachholen zu wollen. 8ootbaä Harzburg, Park-Haus. Etablissimcnt I. Rang :S mit. Aufsicht Sr. Ehrw. dr« Rabb. Dr. All erb ach Halbe stadr. Ich. Samstag GotteSdiensii Hanse. . Pension von M 6.50 an. —. ■,M. Hecht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.