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Der Israelit · 1898-05-05 · Heft 35 (5.5.1898) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 35 (5.5.1898)
Date
1898-05-05
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXIX, Jahrgang. Zweite Beilage M M 35 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland.?I! Berlin, 2«. April. Ein Handelsmann in der Gegend von Dnderstadt (Hannover) schrieb einem Berliner Kaufmann, er solle über einen Streitpunkt einen „jüdischen Eid" leisten. Vor dem Berliner Schöffengericht I, wegen Beleidigung angeklagt, machte er den Einwand, in seiner Gegend sei die Ansicht verbreitet, daß „die Juden nicht die gebräuchliche Form des Eides, sondern nur einen unter ihrem Ritus abgelegten Eid für verbindlich erachten"; er habe also mit dem Verlangen nach einem jüdischen Eide nur dem Wunsche einer größeren Bürgschaft für den Beweis Ausdruck verliehen und hierbei in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt. Daß die jüdischen Ritualien beim Eide überhaupt nicht mehr zugelassen werden, sei ihm nicht bekannt. Der Vertreter des Privatklägers, Herr Rechtsanwalt Dr. Broh, führte zunächst aus, daß die thatsächlichen Grundlagen dieser Interpretation — jene angeblich in der Duderstadter Gegend verbreitete Ansicht, sowie die Unkenntniß des Angeklagten — im Widerspruch ständen mit der Thatsache, daß schon seit ca. 20 Jahrcil der konfessionelle, also auch der „jüdische" Eid, wie ihn Angeklagter jetzt deuten wolle, völlig beseitigt sei. Jedenfalls aber berge auch die Interpretation des Angeklagten den Vorwurf in sich, daß die jüdischen Mitbürger unter llmständen, nämlich beim Fehlen der jüdischen Ritualien, allgemein fähig wären, den Richter zu belügen und dies sogar trotz der Anrufung Gottes und trotz der Androhung entehrender Strafen. Der Angeklagte wäre selbst unter Berücksichtigung berechtigter Interessen nicht befugt gewesen, einen derartigen Vorwurf dem Kläger auch nur durchblicken zu lassen. Das Gericht stimmte in seiner Entscheidung besonders diesen letzteren Ausführungen zu und verurtheilte den Angeklagten zu 30 Mark eventuell zu sechs Tagen Gefängniß. X. Hamburg, 26. April. Die Comnwsion für den Hanvfenigkeitsunlernchl israelitischer Knaben hatte an die Freunde und Gönner ihrer Bestrebungen sowie die Eltern der Zöglinge Einladungen ergehen lassen, um der Schlußseier des Semesters 1897/98 beizuwohnen. Herr Lehrer I. Feiner begrüßte die Erschienenen und wies daraus hin, daß die Commission nun schon seit fünf Jahren derartige Kurse veranstalte. Sie könne mit Befriedigung auf das verflosiene Semester zurückblicken, da die Arbeiten einen großen Fortschritt gegen die Vorjahre aufwiesen. Es sei dies tn erster Linie den beiden Lehrern Herren E. Möller und Barfaut, sowie den Damen und Herren zu verdanken, die das Comittz in allen seinen Bestrebungen auch materiell unterstützten. Der Redner ersucht die Anwesenden, die Sache ferner zu fördern, damit der Vorstand seine schon lange gehegte Absicht, während des Sommers Jugendspiele einzurichten, verwirklichen könne. Die Anwesenden nahmen dann die ausgestellten Arbeiten in Augenschein. Sie erregten durch saubere Ausführung allgemeiner Befriedigung. Dem Berichte der Commission ist zu entnehmen, daß an zwei Lehrkursen 37 Schüler theilnahmett. Tie Arbeiten bestanden aus Papparbeiten und Kerbholzschnitzereien. Die Zahl der Schüler war so groß, daß wegen ungenügender Lehrräume keine Schüler mehr ausgenommen werden konnten. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. X. Prag, 28. April. (Antisemitische Aufschriften.) Der Kohlenhändler Joieph Titera aus Nusle ließ über den Eingang in seinen Holzgarten drei Aufschriften anbringen, in welchen er unter Beschimpfung des Judenthums das Publikum warnte, bei Juden zu kaufen, und Juden den Eintritt in sein Geschäft verbot. Die Polizei konfiscirte diese Aufschriften und erstattete gegen Titera die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.? Serajewo, 27. April. Die österreichisch, ungarische Gemeinde (ment;rue) hier, hat nunmehr die Neuwahl ihres Cultusvorftandes vorgeuommen. Zum Präses wurde Dr. Moritz Rothkopf und zum Vicepräses wieder Dr. Josef Fischer und als Vorstandsmitglieder Jacob Steiner, I. Gerö, Eduard Leßlauer, Ignaz Königberger, Armino Birnbaum, Joses Neuer und Bernhard Buchwald gewählt. Dem zurückgetretenen Cultusvorsiand wurde für das letzte Finanzjahr das Absolutorium ertheilt. England. 8 Gibraltar, 25. April. Die Juden haben zwar mit dem Conflicte, der zwischen Spanien und Amerika ausgebrochen ist, nichts zu thun, aber nichtsdestoweniger haben zahlreiche marokkanische Juden, die sich jahraus jahrein in Spanien als Hausircr oder Handwerker (Schuh- und Kleiderflicker) fortbringeu. durch denselben viel zu leiden. Irgend eine antisemitische Zeitung hat das Märchen ausgesprengt, daß New-Aorker Börsenmatadore, die Juden sein sollen un>d die in Washington großen Einfluß besitzen, zum Kriege mit Spanien drängen und dieses

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