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Der Israelit · 1898-09-13 · Heft 73 (13.9.1898) · page 36

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 73 (13.9.1898)
Date
1898-09-13
Page
– (sequence 36)
Language
German
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Die Meierei-Schule von Djedeida. (TV. Fortsetzung und Schluss.*) Einige Leute haben es für zu streng erachtet, dass ich den Zöglingen nicht gestattete, zwischen 12—2 Uhr einen Mittagsschlaf zu halten; ich war aber der Ansicht, dass es durchaus nicht nöthig sei, diese schlechte Gewohnheit, die, wie ich glaube, durch Europäer in Tunesien eingeführt wurde, den Kindern anzuerziehen. Wenn auch dieser Schlaf etwas stärkt und die physischen Krätte ersetzt, so fühlt man sich doch hernach wenig zur Arbeit aufgelegt. Unsere Kinder halten ihre Mittagsruhe, indem sie ihre Aufgaben machen und ihre Vorträge anhören. Ich bemerkte schon, dass es für unsere jungen Leute wichtig sei, sich an die einfache Kost unserer Pension zu gewöhnen. Es ist unumgänglich nöthig für einen Landwirth, dass er zu seiner Ernährung die Hilfsmittel seines Gutes zu verwerthen wisse: die grünen oder trockenen Gemüse, Milch, Eier etc, Alles Produkte, mit denen er sparsam leben soll und muss. Daher habe ich die Leichtigkeit, mit welcher unsere Zöglinge diese werthvolle Eigenschaft gewinnen, mit in Anrechnung gebracht und „die Frugal ität“ mit unter die „Nöten“ aufgenommen, so dass sie dazu beitragen wird, mit den Notizen über Betragen, Studium und praktische Arbeit, ein so korrektes TJrtheil wie möglich abzugeben über den Werth der Zöglinge als Kolonisten oder Ackerbauarbeiter. Der Gesundheitszustand in der Musterschule ist ein vorzüglicher geblieben; was man auch sagen mag, das Klima von Djedeida ist sehr gesund. Die Thatsachen und Erfahrungen beweisen es am besten; weder Zöglinge noch Lehrer, noch Handwerker, noch irgend ein Bewohner von Djedeida hatten auch nur im mindesten vom Fieber zu leiden. Uebrigens sprechen die Zahlen für sich selbst. Das Honorar des Arztes und der Ankauf von Medikamenten betragen zusammen 257.15 Francs; überdies sind dies zumeist Ausgaben, welche für die bald entlassenen Zöglinge gemacht wurden. Ich füge noch hinzu, dass sowohl die Handwerker und ihre Familien, als auch die vorüberziehenden Armen unentgeltlich Medikamente von uns erhalten haben. Vergrösserungen. Die Zahl der aufgenommenen Zöglinge zu Anfang des Schuljahres 1896/97 betrug 18. Diese zweite in Tunesien, Tripolis und Marrocco aufgenommene Kategorie bringt die Zahl unserer jungen Landwirthe auf 36. Angesichts der erlangten Er¬ *) 8. Nr. 672. folge und mit Rücksicht auf Anschauungen, die von grossem moralischen Einflüsse sind, hat sich das Central-Comit6 schon im Juni 1896 entschlossen, die Zahl unserer Zöglinge allmählich auf 120 zu bringen. Falls man die Mühle umgestaltet, würde man den gesummten erforderlichen Raum gewinnen; da indessen die Veränderungen in den italienisch - tunesischen Verträgen das tunesische Mtihlenwesen wahrscheinlich sehr verbessern dürften, und die Optimisten den Augenblick kommen sehen, wo wir unsere Mühlen sehr günstig verpachten können, hatten sie beschlossen, die Mühle als solche zu erhalten und eine Reihe von Gebäuden zu errichten, die für 120 Zöglinge, sowie für das dazu gehörige Personal, Unterkunft bieten. Diese Bauten waren im Februar 1897 beendet. Die dadurch verursachten Kosten von 70,000 Francs werden also nicht in den mit/olgenden Rechnungen über 18 96 figuriren Die Baulichkeiten haben, wie Sie wissen, eine Grundfläche von mehr als 1000 Meter Quadrat in zwei Etagen, und im Erdgeschoss befinden sich die Schul- und Toilettenräume, mehrere Säle und die Bureaux unserer Verwaltung. Was die Waterclosets betrifft, so sind dieselben Ihrem Wunsche gemäss ausserhalb des Hauptgebäudes angelegt worden. Die erste und zweite Etage nehmen zwei prachtvolle Schlafsäle ein, die nach den letzten Fortschrittsregeln der Hygiene angelegt sind, sehr hell und gut gelüftet. Ein jeder Schlafsaal, der eine Bodenfläche von 300 m Quadrat und 4.50 m Höhe einnimmt, kann mit 60 Betten belegt werden, so dass auf jeden Zögling etwa 22 bis 23 Kubikmeter Luft berechnet sind. Was die Esssäle und die Küche betrifft, die für 100 Zöglinge genügen, so sind sie nicht umgeändert worden. Der frühere Schlafsaal ist zu einer grossen Wäschekammer, und die frühere Wäschekammer zu einer Apotheke umgewandelt worden. Wir werden ausserdem noch einen Schulsaal bauen müssen, der zugleich als Bibliothek dienen wird für unsere künftigen Arbeiter- Schüler, wie auch einen Krankensaal, der auf gleicher Höhe mit dem Schlafsaal der ersten Etage und mit demselben in Verbindung stehen wird. Dieser Bericht wäre kein vollständiger, wollte ich Ihnen nicht von der Hingabe meiner Gehilfen sprechen. Diese sind: Herr B o u s k e 1 a, unser tüchtiger Kultur Vorsteher, der sein Handwerk in einer guten Schule in „Mikweh- J i s r a e 1“ erlernt, und der die guten Sitten und Gebräuche, die er dort vor sich gesehen, mit

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