Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-04-18 · Heft 29-30 (18.4.1898) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 29-30 (18.4.1898)
Date
1898-04-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448885--45805-2496135
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

.>. -M ^UWMflWMW 549 der Juden; er setzte in gewählten einleitenden Worten die Grundidee auseinander und hob besonders die aktuelle Seite hervor, Heuer, im Jubiläum-jahr des Völkersturmes, der damals über Europa dahingebraust. Die große französische Revolution, die in ihren Konsequenzen der Menschheit die Geistesfreiheit brachte, bereitete auch die Freiheit des Volkes vor, das Jahrhunderte nur Zurücksetzung und Unterdrückung gekannt. Vornehmlich waren es Dohm, Börne und Gabriel Nieser. Dohm als Philantrop behandelte die „Judenfrage" vom allgemeinen, rein menschlichen Standpunkte. Seine Schrift, 1783 unter der Regierung Friedrichs des Großen geschrieben, „Ueber die bürgerliche Verbesserung der Juden", trat warm für die Gleichberechtigung des VolkeS ein, das einen MoseS Mendelssohn sein eigen nannte. Ums Jahr 1815 agitierte Börne öffentlich für die Emanzipation der Juden. Der Volksfreund schrieb in seinem „Ewigen Juden", daß er nicht begreifen könne, wie man Menschen gleich Pferden nur nach Raffen abtheilen könne. Dohm sah die Erfahrungen einer späteren Zeit voraus, Börne zürnte, daß man zum Unsinn einer früheren Zeit zurückkehren wollte. In den 30er Jahren, der Epoche des FortschrittS, trat Gabriel Rieser, 1806 in Hamburg geboren, auf, verschieden von Dohm, der in der Zeit stiller Betrachtung, verschieden von Börne, der in der stürmischen Thatkraft gelebt. Riesers Schriften „Ueber die Stellung der Bekenner des mosaischen Glaubens in Deutschland", ferner „Der Jude" und „Börne und die Juden" waren meisterhaft mit großer Wärme und Ueberzeugungstreue geschrieben und verfehlten ihre Wirkung auf die damalige öffentliche Meinung nicht. Höher noch als die Gleichstellung seiner Glaubensgenossen stand Rieser sein liebes deutsches Vaterland. Der feurige Redner im Vorparlamente, der Vicepräsident der deutschen Nationalversammlung, Gabriel Rieser, war es, der wohl am meisten zu der Emancipation der Juden beitrug, die im großen und ganzen bereits in der Nationalversammlung, hauptsächlich aber erst in der Bundesversammlung des Norddeutschen Bundes und des neuerstandenen deutschen Reiches festgelegt wurde. Forbach i. Lothr., 15. April. Am ersten Tag Jomtof wurde ein Herr K., derdie Frau seines vor Jahren gestorbenen Bruders, aus deren erster Ehe zwei Knaben entsprossen, und aus dessen zweiter nach unseren Gesetzen unstatthaften Ehe ein Kind (Mädchen) vorhanden ist, zur heil. Thora aufgerufen. Nach dem Absagen der Schluß-Brochö, ließ K. Mi- Schobeirach machen, d. h. durch den Vorbeter nnd vor offenliegender heil. Thora Gottes Segen für sich, seine Frau und Kinder (letztere nicht namentlich) herabflehen. Ich gebe dies der Oeffentlichkeit bekannt und erbitte die Rabbinen Deutschlands, auch die Leser dieses Blattes, ihre Meinung hierüber kund zu geben. Ich betrachte diese Handlungsweise als ein Hohn auf unsere heil. Thora. Auch bin gerne bereit, denjenigen Herren, die näheren Aufschluß hierüber verlangen und sich fragen werden, „ja, wie ist es möglich, daß ein Mann, der in verbotener Ehe lebt und zugleich alle religiösen Rechte genießt, dessen Kinder als Mamserim zu betrachten sind, in einer Gemeinde Aufnahme gefunden hat" Erklärung zu geben, wie in Elsaß-Lothringen trotz heftigster Widerwehr vieler Gemeindemitglieder gegen eine solche Aufnahme, seitens der überstellten jüdischen Behörden verfahren wird. Leon Levy. Oe st er r. -Ungar. Monarchie. Stampfen (bei Preßburg). Am 1 hielt '"2 :$5nrn ine ^run -iiuvn am yidk, früher Rabbiner zu Deva seinen feierlichen Einzug. Schon nach Wien, wo Sr. Ehrw. bei seinen Verwandten vorher kurzen Aufenthalt nahm, fuhr ihm eine Deputation der hiesigen isr. CultuSgemeinde entgegen. In Devenpto, eine Station vor Stampfen, angelangt, erwarteten Sr. Ehrw. viele Deputationen der Rachbargemeinden, u. a. aus Malaczka, Ungereigen, Devenyujfalu u. s. w., welche an ihn herzliche Ansprachen richteten und nun fuhr man nach Stampfen zu. In Stampfen angelangt, wurde Sr. Ehrw. vom Präses H. Koch herzlichst und feierlichst begrüßt und Sr. Ehrw. dankte vielmals in kurzen Worten für den herzlichen Empfang. Von der Station fuhr man in einer langen Reihe von Wagen mit Musikbegleitung und mit berittenem Banderium voran, durch die feierlich beflaggte Stadt, wo alle Geschäfte geschlossen waren und unter Erdröhnen von Böllerschüssen dem Gemeindehause zu, wo ein schön dekorirter Triumphbogen errichtet war und Sr. Ehrw mit der nein erwartet wurde, hier hielt ein Mädchen eine Ungar. Ansprache, auf welcher Sr. Eyrw. in kurzen Worten erwiederte, dann ging man nach dem Tempel, wo Herr Lehrer Pollacsek an der Pforte de» Tempels eine gelungene Ansprache hielt; ein Mädchen übergab ein prachtvolles Bouquet mit einer herzlichen Begrüßungsansprache und nun ging man in den festlich dekorirten und hellbeleuchteten Tempel, wo Obercantor Körbel mit dem Chor ein »an -pm sang und wurde dann das .in»-Gebet verrichtet, nachdem bestieg Sr. Ehrw. die festlich dekorirte Kanzel und begeisterte die Zuhörer mit seinem besonderen Rednertalent und ergreifenden Worten, die rmn rrbv fimi und a^ o'djd: abn p vmLvn o^an waren. Nach der Rede wurde vom Cantor fron jnun gesungen und mit dem Gebet hatte die Feierlichkeit ihr Ende. Bemerkenswerth ist, daß auch die Andersgläubigen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.