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Der Israelit · 1898-04-18 · Heft 29-30 (18.4.1898) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 29-30 (18.4.1898)
Date
1898-04-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XLLIX. Jahrga«g, Erste Keil. M M 29 & 30 ftt» Jtetariif*. Leitender Artikel. Htavviner Ar. Ktias pleßner b'"s'i- Während ganz Israel im Begriffe stand, sich zum Peßachfeste zu rüsten, die freie Natur nach eben begonnenem Frühlings zu neuem Leben erwacht war, wurde eine mächtige Säule des Judenthums, eine stämmige Eiche der Geisteswelt niedergeriffen, ein vorbildliches Leben als Mensch, als Lehrer und Seelsorger, ein in allen Kreisen, wohin sein Name gelangt war, hochverehrter Gelehrter in« Jenseits abgerufen. Am 30. März c. starb im Alter von 57 Jahren nach kurzem aber qualvollen Leiden zur Betrübniß seiner zahlreichen Anhänger und seiner großen Gemeinde Rabbiner Dr. Elia« Pleßner in Ostrowo. Auf seinem Krankenlager spiegelte sich seine ganze Größe wieder. Etwa 14 Tage vor seinem plötzlich eingetretenen Tode übermannte ihn ein seinen Körper längst vergiftendes, rheumatisches Leiden, das in seinem Verlaufe zu Complicationen führte. Geduldig und ergeben wie immer, zeigte er sich in der Ertragung heftigster Schmerzen bescheiden und zufrieden mit seinem Geschicke, wie allezeit war er auch in seinen Leidenstagen in dieser Beziehung ein Muster. Dabei bezogen sich feine Worte nur auf unsere Emunoh, fortwährend drückte er noch bis zu seinen letzten Lebenrstunden seine schwere Besorgniß für die Erhaltung religiöser Institutionen in seiner Gemeinde rc. aus. Sein ganzes Leben war gewissermaßen unseren Thoravorschriften geweiht, für Religion, für Wahrheit und Gerechtigkeit hat Dr. Pleßner gelebt, und diesen seinen felsenfesten Prinzipien ist er auch bis zu seinem letzten Athemzuge treu geblieben. Dr. Elias Pleßner ist der Sohn de« rühmlichst bekannten Rabbi Salomon Pleßner, am 10. Februar 1841 in Berlin geboren. Schon im Alter von zwei Jahren kam er mit seinem gelehrten Vater nach Posen, mit welcher Stadt er auch bis zum Lebensende in engster Beziehung stand. Nach seiner rro» schon war er ein eifriger Schüler des weithin bekannten Grätzer Rabbiners, R^bbi Elias Gutmacher. Von hier aukam Pleßner in gereifterem Jünglingsalter nach Altona, wo er zugleich bei Rabbi br«2D '2iiv Jaffe und Oberrabbiner I a c - b E1 t l i n g e r den talmudischen Studien oblag. Seine profanen Kenntnisse hat der Verstorbene auf autodidaktische Weise erlangt. Rabbinerdiplome wurden Pl. von seinen Lehrern in Altona, sowohl auch vom bekannten Rabb. Fei l ch ens e l d in Rogasen, sowie vom Posener sn n'2 twn ertheilr. Nach Absolvirung seiner talmudischen und wissenschaftlichen Studien (er promovirie 1871 in Tübingen) wurde Dr. Pleßner im Jahre 1871 Stiftsrabbiner in Hannover, verblieb hier nur zwei Jahre, um im Jahre 1873 einem Rufe als Rabbiner in die alte Gemeinde Rogasen zu folgen. In dieser Gemeinde wirkte Pleßner circa 13 Jahre und vertauschte sein Rabbinat mit dem im Jahre 1882 durch den Tod des hochverehrten Rabbiner« und Gelehrten Dr. M. I. Freimann erledigten Sitz in der Gemeinde Ostrowo. In den nächsten Wochen sollte der Entschlafene sein 25jähriges AmtSjubiläum als Rabbiner, sowie auch sein silbernes Ehejubiläum feiern; doch war es ihm nicht vergönnt, diese Zeit zu erreichen und seine Gemeinde steht schmerzerfüllt inmitten ihrer Vorbereitungsarbeiten zur Feier dieser Feste, ohne sie beendigen zu dürfen. — Dr. Elias Pleßner war kein Mann mit prahlerischer Natur. Er war ein ungewöhnlicher Talmudkenner, ein vorzüglich veranlagter Redner und überaus gewandter Schriftsteller und Poet. Dabei hatte er ein herzgewinnende« Wesen, war überall, wohin er kam, in allen Kreisen, die ihn kannten und hörten, sehr geliebt und geehrt. Er war geradezu ein seltener Mensch, der unerschütterlich in seiner Gesinnung, bei seiner großartig angelegten Natur und bei seinem umfassenden Wissen, selbst deu Fernstehenden an sich zu ziehen wußte, ohne auch nur den Schein eine« Verdachtes der Intoleranz gegen Andersdenkende und Ander«handelnde auf sich zu lenken. Wie segensreich war sein Wirken als Seelsorger. Unaufhörlich war er um die Erhaltung de« Friedens in seiner Gemeinde bemüht, und wenn er noth that, denselben auch herbeizuführen. Wo e« ein bedrängtes Herz gab, wandte man sich an ihn und er war allezeit bereit, hilfreich seine Hand zu bieten. Mit besonderem Eifer hat Pleßner sich der Hebung resp. Gründung solcher Vereine hingegeben, die zur Betätigung gottgefälliger und gemeinnütziger Werke dienen und zur Verbreitung jüdischer Wahrheiten bestimmt sind. Gr war Mitbegründer de« Provinzialverbandes zur Unterstützung hilfsbedürftiger Kinder in Schlesien mit dem Sitze in Bre»lan, Hai vor zwei Jahren erst in Ostrowo ein jetzt in reicher Blüthe dastehenden Geschichtsunn Literaturverein gegründet und in dessen Dienste seine ganze Kraft gestellt. Insbesondere hat sich der Dahingeschiedene den Interessen der „Chewra Kadischa" zugewandt. Vor einigen Jahren hat er in nachahmenswertster Weise für die Vereinigung der npoyna einen Lehrkursu« eingerichtet, in welchem er den Mitgliedern in theoretischer Weise alle für ihre Handlungen in

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