Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 20 (10.3.1898)
- Date
- 1898-03-10
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Ad die wohin. Herren Vorstände und israel. Herren Lehrer im deutschen Reiche! Aufruf zu Purim-Spenden für Gründung eines Deutseh-Israelitisehen Lehrerheims. Vielfach macht sich in unserem deutschen Vaterlande das Bestreben geltend, den Invaliden des Lehramts, die ihie greisen Tage nicht im eigenen Hause oder bei ihren Kindern zubringen können, ein Heim zu gründen, in dein sie ohne Sorge um das Brod und im Verkehr mit einstigen Berufsgenossen die wohlverdiente Müsse gemessen sollen. Solch ein Lehrerheim kann hohen Segen stiften; weit wichtiger noch als die Bewahrung vor Noth und Mangel ist die seelische Freude, die aus dem Zusammensein mit Genossen von verwandten Erfahrungen und Lebensschicksalen entspringt. Diese gegenseitige Aussprache, der Austausch der Meinungen und der Erlebnisse, kann den Lebensabend dieser in der edelsten Arbeit müde gewordenen Greise verklären und verschönen. Aber alle diese Bestrebungen, denen wir den besten Erfolg gönnen, werden den jüdischen Lehrern nicht zu Gute kommen, weil diese natürlich in ihren alten Tagen nicht die Speisevorschriften werden übertreten wollen, die sie so lange treu beobachtet haben. Dazu kommt, dass, abgesehen von einigen wenigen Theilen des Reichs, unsere Rabbiner und Lehrer keinen Anspruch auf staatliche Pension besitzen, und meist nur Gross-Gemeinden in der Lage sind, Pension zu gewähren. Die Zahl der unversorgten Lehrer-Greise ist dadurch, wie schon eine Umfrage ergeben hat, eine verhältnissmässig grosse. Daraus erwächst für unsere Glaubensgenossen die Pflicht, ein jüdisches Lehrerheim zu gründen, wo die im heiligen Berufe ermatteten Greise (Rabbiner und Lehrer) streng nach den Vorschriften der Religion leben, und doch all' die Segnungen gemessen können, die aus dem gemütlichen Zusammenleben gleichgesinnter Genossen erblühen. Keine allgemeine Altersversorgungsanstalt, und sei sie noch so vortrefflich, kann dem alt gewordenen Lehrer die Vorzüge des Lehrerheims bieten, denn in einer allgemeinen Altersversorgungsanstalt fehlt dem Lehrer, der nach leckeren Bissen kein Verlangen hat, die eigentliche Würze, das traute Gespräch mit Gefährten. Zudem bestehen solche Anstalten nur in einigen wenigen Grossgemeinden, und erstrecken ihre Wirksamkeit statutarisch nur auf die Mitglieder dieser Gemeinden. Gerade die der Fürsorge am meisten bedürftigen Beamten der kleinen und Mittelgemeinden sehen also einer trostlosen Zukunft entgegen. Alle diese Gründe haben den „Deutschen Reichsverband jüdischer Religionslehrer“ veranlasst, auf seinem konstituirenden Verbandstage zu Breslau am 16. Juli 1894 die Errichtung eines Heims für invalide Rabbiner und Lehrer und deren Familien zu beschlossen. So ergeht denn an alle Israeliten, die sich dankbar der treuen Arbeit ihrer Religionslehrer erinnern, die innige Bitte, zum Aufbau eines Lehrerheims zu steuern. So viele Kräfte des Gemiithes vereinen sich, um dies fromme Werk zu fördern. Ehrfurcht vor den Greisen, Achtung vor dem Wissen, das Mitgefühl für den Dürftigen und nicht zum wenigsten die Dankbarkeit gegen Diejenigen, die früh unseren Geist und unseren Charakter gebildet haben, mahnen uns, ein solch' heiliges Werk rasch fertig zu stellen. Man sammelt für die Erziehung unmündiger Kinder, ohne zu wissen, ob die Saat auf guten Boden fallt. Hier stehen vor uns Greise, altergraute, in hartem Dienste erprobte Lehrer. Die Unterzeichneten wenden sich mit der Bitte um (einmalige und jährliche) Beiträge zum Aufbau eines Lehrerheims an alle jüdischen Gemeinden, an die geehrten Herren Vorsteher und Beamten, besonders aber an unsere begüterten Glaubensgenossen, und hoffen zuversichtlich auf einen raschen und grossen Erfolg. Wir bitten um die weiteste Verbreitung und Förderung dieses Aufrufs in jeder Gemeinde. Auch die deutsche Presse ersuchen wir um Aufnahme desselben in ihre Spalten. Beiträge nimmt sowohl unser Schatzmeister, Herr Bankdirektor H. Meidner in Breslau (Breslauer Wechslerbank), wie auch Herr Bezirks-Rabbiner Dr. Safvendi in Dürkheim (Pfalz) entgegen. Der Central-Anssclmss. Herz Berliner, Gemeindevorsteher, Schneidemühf. Brisch, Lehrer u. Redakteur, Mühlheim a. Rh. Dr. Cahn, Prov.-Rabb , Fulda. Dr. Cohn, Rabbiner, Kattowitz. Eichelbaum, Stadtrath n. Präses des Verbandes der Gemeinden Ostpreussens, Insterburg. Goldstein, Vorsitzender des bair. isr. Lehrervereins, Heidingsfeld. Dr. Hirsch, Realschuldirektor, Frankfurt a. M. Dr. Jaulus, Rabbiner, Aachen. Dr. Kroner, Kircheurath, Stuttgart. Dr. Koenigsberger, Rabbiner, Pasewalk. Dr. Loeb, Land-Rabbiner, Emden. Dr. Nordheimer, Rabbiner, Schweiz. Dr. Plato, Seminardirektor, Köln. Dr. Rülf, Rabbiner, Memel. Dr. Salvendi, Bezirks-Rabbiner, Dürkheim (Pfalz). Dr. Silbersteilt, Bezirks-Rabbiner, Wiesbaden. Dr. Vogelstein, Rabbiner, Stettin.