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Der Israelit · 1898-02-10 · Heft 12 (10.2.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 12 (10.2.1898)
Date
1898-02-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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215 Hymne: „Moaus zur Jeschuoßi! *) Wie schön schreibt mein hochseliger Vatec in der Einleitung zu seinem Neligionsbuche: „Zur Wiederbelebung des religiösen Sinnes, und namentlich für das Zeremonialgesetz, vor dem die Achtung so sehr gesunken, müßte man, inwieweit es für die Schule gehört, für dasselbe auch das lebendige Jntereffe drr Schüler zu gewinnen suchen. Es könnte nur nachtheilig auf die jüdische Schuljugend einwirken, wenn die letztere Zeit sie aller Freude, welcher der Einfluß der Religion früher auf sie hervorbrachte, beraubte. Was von jeher ein kindliches Gemüth für die Religion gewann, das waren Ruhe- und Feiertage, waren kleine Ferien und Freuden, die ihm rein das Judenthum verschaffte. Unsere Zeit hat ihm diese genommen. Sie hat ihm nicht nur die kleinen Feste genommen, die Ferien der Neumonde, die Nachmittage seiner Chanukka's, seiner Lag Beomer's und Chamischa Assars u. dgl., sondern sogar seine Sabbate und Feiertage im strengerem Sinne, und das sogar in jüdischen Schulen" u. s. w. u. s. w. — „Komm, Freund! Ich zeige dir des Erdballs festeste Stütze! — Der jungen Kinder Hauch, die in den Schulen sitzen!" (Sachs, „Jordan und Euphrat.") Wenn in heutiger Zeit nicht im allerfrühesten, zartesten Kindesalter der Sprößling von dem Hauche des Unjüdischen verschont bleibt, auf die heranreifende Jugend und auf die Jünglingszeit setze man keinerlei Hoffnung, denn, sie wäre trügerisch. Das Saatkörnchen schießt empor, wenn es auf ergiebigen Boden fällt; ergiebiger Boden für eine segensreiche Wirksamkeit ist heute zu Tage aber das Herz des noch spielenden Kindes; in der Untertertia giebts heute in diesem Sinne keine Kinder mehr; der Secundaner dünkt sich ein Aufgeklärter, wer gar mit dem Einjährigen-Zeugniß abgeht, der ist Wissenschaftler, ist Philosoph; wer aber wollte die Stirn haben, gar einem Jünglinge, der mit dem Zeugnisse der Reife für die Universität versehen ist, einen Jacob Bernays als Muster vorzuführen: Sehen, Sie, lieber Freund, Bernays war die Zierde der Universität, die Gelehrtenwelt nennt mit Ehrfurcht seinen Namen, allweil er auf's Glänzendste an dem Ausbau der Lateinischen und griechischen Sprache gearbeitet hat; und, er war ein echt frommer Jehudi! Sehen Sie ferner: Christian Garve und Immanuel Kant behauptete, daß die deutsche Sprache einen bedeutenden Theil ihrer Bildung und Hoheit unserem Moses Mendelssohn zu danken habe; er war es auch, der den allerersten und wohlgelungenen Versuch einer Nachbildung von Plato und *) Der ChanukkabescheerungSfeier — gegen die ein pro, aber auch ein contra gesprochen werden konnte, — verdanken wir jedenfalls die Verherrlichung deS rDttH in unseren Tagen, sein historisches Andenken und seine Bethätigung! Xenophon im philosophischen Dialog unter den Deutschen gemacht hat; und er war ein satzungSgetreuer Anhänger des traditionellen Judenthum's! Dieser Mahnruf wäre in den Wind gesprochen! Möge darum meine „religiös-pädagogische Betrachtung" dazu beitragen, die unschuldsvollen „Tinokoth" wenigstens rein zu erhalten, daß nicht schon bei den ein Zwiespalt durch den zweideutigen Katechismus entsteht! „Gott liebt zwar die Völker!" ruft MoseS an dem letzten Tage seines Lebens aus; aber, fügt er hinzu: „Die Thora hat er „uns" gegeben, als Erotheil der Gemeinde Jacobs"! Und dieser Vers soll Kindern, nach Succa 42 a, in Verbindung mit yap eingeflößt werden, so sie zu sprechen beginnen! Das ist jüdische Anschauung! Von der Thora — das soll das Kind schon frühest erfahren — soll nichts abgebröckelt werden, in Religion giebt es keine Verschmelzung! Denn uns ist die Thora ein Erbtheil! Nun, Erben werden nie Unbefugte zur Erbschaftserhebung zulaffen! Was Pestalozzi in Bezug auf kleine Kinder, vom Erzieher sprachlich verlangt, das will der Talmud religiös bei den Kleinen gewahrt wiffen. Zeitungsnachrichten und Eorrespondenre«: Deutschland. Frankfurt a. M.—Botk-nheim, im Jan. Ein überaus seltenes Fest war es, das am Mittwoch, den 12. Januar d. I., vor mv D, in hiesiger Gemeinde gefeiert wurde. Galt es doch, den Tag, an dem vor 100 Jahren die hiesige israelitische Männerkrankenkaffe B'ivn rron gegründet wurde, seiner Bedeutung entsprechend, festlich zu begehen. Emgeleitet wurde da» Fest durch feierlichen Morgengottesdienst in der herrlich beleuchteten und dekorirten Synagoge, andern fast die ganze Gemeinde theilnahm. Nach dem gewöhnlichen Morgengebete wurden die Psalmen 41, t03, 118 vom Kantor und Gemeinde versweise gesprochen. AlSdann hielt Herr Kantor und Lehrer Max Höchster anknüpfend an die Stelle B^iy nas» mar (V. B. M., Kap. 32, V. 7) eine längere, wohldurchdachte Festpredigt über den Zweck, zu welchem einst die Gründer des Verein« zusammengetreten und richtete unter Hinweis auf die Bedeutung der Vereinigung und des Jubeltages an die Versammlung die Mahnung, stets festzuhalten an dem heiligen Zwecke, damit auch weiterhin der Verein zum Segen wirken könne. Mit dem Gebete für Kaiser und Reich schloß V. erhebende Feier. Hierauf wurde von fast sämmtlichen Mitgliedern der Friedhof besucht und unter entsprechenden Gebeten ein Rundgang vorgenommeu.

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