Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 82-83 (21.10.1897)
- Date
- 1897-10-21
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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1592 er ferner durch seine Vorträge über die Propheten und Psalmen u. a. im Verein Mekor Chachim und jetzt im Verein Ben Ustel. Proben seines literarischen Schaffens sind den Lesern unseres Blattes aus seinen hervorragenden Artikelserien bekannt Wir nennen noch die vor mehreren Jahren erschienene zeitgemäße Schrift „Das reine Menschenthum im Lichte des Judenthums" und das feinsinnige Ueberfetzungs- und Commentarenwerk über die Haftoroth, ebenso die jüngst erschienene Schrift (Separatabdruck aus diesen Blättern) „Samson Raphael Hirsch und die Israelitische Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M.," die in einem für den weiteren Fortschritt der ReligionSgesellschast zu Frankfurt entscheidenden Momente in glücklichster Weise ihre Entwicklungsgeschichte aufrollt und die Feinde des gesetzestreuen Judenthums gründlich kennen (ehrt. Aus den Worten und Schriften Mendel Hirschs weht die glühende Ueberzeugung von den großen Ideen seines Vaters, und so ist er, in Wort und Schrift zündend, die Jugend und das gereifte Alter begeisternd und belehrend, der wahrhafte und berufene Vertreter und Verbreiter der einheitlichen Welt- und Lebensanschauung, wie Samson Raphael Hirsch sie als die jüdische erkannte und verkündete. lesuch in elenowkcr. Skizze aus meiner centralasiatischen Reise von W. Kader ). (St. Petersb. Evang. Sonntagsbl.) Auf der Reise zwischen Tiflis und Eriwan kam ich nach zwanzigstündiger Fahrt auf einen: kleinen russischen Postwagen an den Goktsckasee Der Weg führte aus der heißen Ebene immer höher hinauf in schneebedecktes Gebrrgsland. Der wundervolle See liegt höher als irgend ein anderer Gebirgssee der Welt und ist größer als der Bodensee. Unmittelbar an Viesern See, gegenüber einer kleinen Insel, auf welcher in einem armenischen Kloster 25 Mönche, von der Welt ganz abgcschnnten, ein faules und einsames Leben führten, liegt das merkwürdigste Judendors der Welt. Alle Juden, welche hier wohnen, etwa 200 Familien, waren früher Christen. Sie haben ganz das Aussehen von russischen Bauern. Ihre Vorfahren gehörten zu der russischen Secte der sogenannten Subotniki, d. h. „Sabbatleute", welche glauben, daß die Christenheit einen Fehler begangen habe, indem sie den Sonntag feiert, anstatt des Sonnabends wie die Juden. In allen Zeiten duldete man die Subotniki in Rußland namentlich deßhalb, weil die Frau des Zaren Iwan, genannt „der Schreckliche", zu dieser Secte gehört hatte. Vor etwa 00 Jahren aber wurden alle Anhänger dieser Secte aus dem Innern Rußlands an die persische Grenze verbannt und ihnen bei Todesstrafe verboten, in das Innere Rußlands zurückzukehren. Aeußerlich ging es den Leuten bald sehr gut. Sie sind fleißige, tüchtige Bauern, aus deren Arbeit blühende Dörfer erwuchsen mitten unter den trägen Tataren und Persern ihrer Umgebung. *) Herr Faber ist Missionär. Ganz ohne Zusammenhang mit irgend einer der christlichen Kirchen, verschwanden mehr und mehr bei den Subotniki die Einflüsse des Christenthums. Seit 25 Jahren aber haben die Leute den letzten Schritt gethan und sind vollständig orthodoxe Juden geworden. Sie gebrauchen bei ihren Gottesdiensten nur die jüdischen Gebetbücher, welche unter den Inden Rußlands allgemein üblich sind, mit dem hebräischen Text auf der einen und der russischen Übersetzung auf der anderen Seite. Auf das Strengste halten sie alle jüdische Fast- und Festtage. Es ist ein ganz merkwürdiger Anblick, die russischen Bauern in den weißen Gebetsmantel gehüllt, in schaukelnder Bewegung, wie sie bei den Juden allgemein üblich, am Sabbatabend licht gedrängt in einer ihrer kleinen Synagogen beim jüdischen Gottesdienst mit genauester Einhaltung der Lithurgie beobachten zu sehen. Ohne daß man in Europa Näheres darüber gehört hat, sind in den letzten 25 Jahren über 5000 Christen Hubert geworden. „Wir sind zwar „gerim“ (Proselyten) und stammen nicht dem Leibe nach von Abraham, aber wir halten ebenso fest an der jüdischen Religion, wie irgend ein Jude in der ganzen Welt", sagte mir einer der Aeltesten dieses jüdischen Dorfes russischer Nationalität. Von allen den Juden, welche ich auf meinen Reisen, die mich durch fast alle europäischen Länder und durch ein gut Stück Asiens führten, gesehen habe, sind die jüdischen Proselyten des Dorfes Helenowka am Goktschasee die fanatischsten. Ihr ganzer Cultus ist in russischer Sprache,