Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 65 (16.8.1897)
- Date
- 1897-08-16
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXTm. Jahrgang. Zweite Zrilogr;u M 65 -es „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 15. August. Aus dem Bureau des Deutsch-Jsr. Gemeindebundes erhallen wir die beiden nachfolgenden Notizen: In seinem Bestreben, die Organisation der deutschen Judenheit durch Schaffung von lokalen Verbänden immer mehr auszuaeftalten und so eine noch wirksamere Vertretung, wie der allgemeinen, so auch der örtlichen Jntereffen zu ermöglichen, hat der Ausschuß des deutsch-israelitischen Gemeindebundes einen neuen werthvollen Erfolg zu verzeichnen. In einer durch den Vorstand der Synagogen- Gemeinde Breslau am 27. Juni d. I. nach der Hauptstadt Schlesiens einberufenen Versammlung von Gemeinde-Deputirten wurde der „Verband der Syna go gen-Geme ind en der Regierungsbezirke Breslau und Liegnitz" konstituirt. Dem neuen Verbände, dessen Ausschuß sich zusammensetzt aus den Herren: Stadtratd Pringsheim (Vors.), Amtsger.-Rath Wollstein (stellv. Vors.), Rabb. Dr. G u t t m a n n (Schriftf.), Di-, med. C. Reich (Schatzm.), sämmtlich in Breslau, sowie Cohn in Liegnitz, Juftizrath Friedmann in Glogau, Em. Katz in Görlitz, Juftizrath L e d e rmann in Hirschberg und Lomnitz in Schweidnitz haben sich bereits die nachfolgenden 29 Gemeinden angeschloffen: a) Im Regieru ngsbezirk Breslau: Bernstadt, Breslau, Brieg, Canth, Freiburg, Glatz, Guhrau, Löwen, Milisch, Münsterberg, Namslau, Neumarkt, Ohlau, Prausnitz, Reichenbach, Schweidnitz, Strehlen, Striegau, Trachenberg, Waldenburg, Wartenberg und Wohlau. b) Im Regie ru ngsbezrrk Liegnitz.- Bunzlau, Glogau, Görlitz, Hirschberg, Lieguitz, Löwenberg und Sagan. Das Verdienst der eifrigen und hochherzigen Männer, denen das Gelingen des schönen aber schwierigen Werkes zu danken ist, wird dadurch gesteigert, daß sie im Sinne der Beschlüße des VII. Gemeindetages vom Jahre 1896 in § 1 der Statuten des neugegründeten Verbandes zum Ausdruck bringen, daß dieser sich als Zweigverband des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes betrachtet und demnächst sich verpflichtet, ein Zehntel der jährlichen Mitgliederbeiträge an den D. I. G. B. in Berlin abzusühren. In dieser regen Bethätigung der Hingabe an das große Ganze erblicken wir die sicherste Gewähr auch für das Gelingen der besonderen Ziele des Verbandes, dem wir im Interesse der Gesammtheit des deutschen Judenthums nicht minder wie in seinem eigenem Wachsthum, Blüthe und fröhliches Gedeihen und — baldige Nachahmung wünschen. Die Lehrabtheilung des D. I. G. B. hat in Erfüllung des ihr von dem letzten Gemeindetage gewordenen Auftrages die Berathung der Lehrpläne für den jüdischen Religionsunterricht an den nichtjüdischen Volksschulen, höheren Mädchenschulen und höheren Schule für die männliche Jugend sowie zur Vorbildung akademisch gebildeter Religionslehrer und von Religionslehrerinnen beendet. Von einem Lehrplan zur Vorbildung von seminaristisch gebildeten Religionslehrern wurde abgesehen, da die bereits vorhandenen jüdischen Lehrerseminare dem Bedürfnisse durchaus genügen. Inzwischen hat sich der Ausschuß des D. I. G. B. mü den Curatorien und Lehrerkollegien der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums und des (HildeSheimer'schen) Rabbinerseminars zu Berlin, sowie des Rabbinerseminars in Breslau (Fränkel'sche Stiftung) über die Einrichtung von Vorlesungen für akademisch gebildete Lehrer (Kandidaten des höheren Schulamts und pro facultate docendi geprüfte Herren) in Verbindung gesetzt. Von allen diesen Anstalten sind erfreulicher und dankenswerther Weise zustimmende Antworten eingelaufen, die eventuell eine Eröffnung solcher Vorlesungen schon für das nächste Wintersemester in Aussicht stellen. Die Einführung jüdischen Religionsunterrichts in den Lehrplan höherer Schulen findet bekanntlich in immer weiterem Umfange statt, es ist sogar, nicht ausgeschloffen, daß die im Januar dieses Jahres vom D. I. G. B. bei dem preußischen Herrn Kultusminister eingereichte Petition um allgemeine Einrichtung solchen Religionsunterrichts an sämmtlichen öffentlichen Schulen eine günstige Erledigung findet. Voraussichtlich wird sich also für die nächste Zukunft ein starker Bedarf auch an akademisch gebildeten Lehrern jüdischen Glaubens Herausstellen und sich damit für zahlreiche jüdische Kandidaten des höheren Schulamts der Weg zur Anstellung eröffnen. Im sachlichen wie im persönlichen Jntereffe möchte es sich empfehlen, daß recht zahlreiche israelitische Kandidaten sich zu den betreffenden Vorlesungen an einer der oben genannten drei Anstalten einschreiben lassen. (Wir werden auf den Inhalt dieser beiden Notizen noch zurückkommen. Red.)