Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 64 (12.8.1897)
- Date
- 1897-08-12
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448766--44417-2493511- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
WWWWWWWWWDWMMWMW^WWWMWWWM' XJC&TIII Jahrgang. Zweite gelinge ju M 64 ües „Israrlit". Literarisches. Biblisches und Rabbiirisches aus Salomon Pletzners Nachlatz. Zu seinem hundertsten Geburtstage herausgegeben von Rabbiner Dr. Elias Pleßner. Auch unter dem hebräischen Titel "2- »n'bvü 'b-2 nc2 ,t6 ns (73 S. deutsch, 88 S. hebräisch.) Frankfurt a. M. bei I. Kauffmarin. Mit Pleßners Bildniß. Aus der Fluth der jahraus, jahrein erscheinenden Schriften, von denen ein großer Theit entweder gar keine oder doch nur vorübergehende Beachtung verdient, taucht ab und zu eine Schrift empor, die des allgemeinen und nachhaltigen Interesses würdig ist. Eine solche Schrift ist die oben genannte Sammlung posthumer Arbeiten des verewigten Pleßner. Schon dieser gefeierte Name genügt wohl, das Interesse an der Schrift zu erregen, und wer dieselbe auch nur flüchtig durchblättert, wird sie nicht unbefriedigt und unbelehrt aus der Hand legen. Zunächst erhält der Leser in dem deutschen Theile eine von dem Enkel Pleßners, dem Dr. Hartwig H i r s ch s e l d in London, geschriebene ausführliche Lebensbeschreibung desselben, die uns die Entwickelung des großen Mannes, seine Kämpfe, sein zielbewußtes Streben, in begeisterter Schilderung anschaulich macht und dadurch gleichzeitig ein Bild jener Sturm- und Drangperiode darstellt, in welcher der Verewigte als Vorkämpfer gegen die himmelanftürmenden Reformer auftrat. Hierauf folgt die Uebersetzung des Propheten Rachum mit entsprechendem Commentare, der in kühner, origineller Weise die vielen Schwierigkeiten dieses Buches zu heben sucht. Den größten Theil der Schrift bildet eine Sammlung zahlreicher Erklärungen dunkler Mischnastellen, vieler Agadoth der beiden Talmude, mehrerer Stellen der xoinjn ,ncc ,*n£c ,»n^rc u. a., die reich sind an überraschenden Aufschlüssen und Nachweisen und einen Einblick in die emsige und umfassende Geistesthätigkeit Pleßners verschaffen. Man glaubt bei dem Studium dieses Abschnittes sich in einem duftigen Garten zu ergehen, in welchem hier ein majestätischer, fruchtbeladener Baum, anmuthiges Gesträuch, dort liebliche Blumen in reizender Mannigfaltigkeit sich dem Auge darbieten. Neben diesen, aus dem Nachlasse Pleßners veröffentlichten Arbeiten, erhalten wir aus der Feder des Herausgebers, eines Sohnes desselben, eine in elegantem Hebräisch geschriebene eingehende Charakteristik seines großen Vaters, die sicherlich den zahlreichen Verehrern desselben hochinteressant sein wird, da sie ihn nicht nur als Gelehrten darstellt, dem seine Zeitgenossen, unter diesen auch Andersgläubige, Anerkennung zollten, sondern auch als Menschen und Israeliten, der ihnen Liebe und Verehrung einstößte. Nicht minder werthvoll sind auch die an zahlreichen Stellen vorn Herausgeber gemachten Bemerkungen und Zusätze, die theils geistvolle Auseinandersetzungen, theils interessante Mittheilungen enthalten. Herausgeber hat es überhaupt verstanden, seinen Darstellungen auch bei der Behandlung trockener Materien durch blühenden Stil und geistvolle Anwendung passender Vibelstellen einen poetischen Hauch zu verleihen. Eine willkommene Zugabe für die Verehrer Pleßners ist dessen, dem Buche beigegebene Bildniß, das ihn in seinem hohen Alter darstellt. Wir dürfen überzeugt sein, daß die Schrift sich des allgemeinen Beifalls, wie auch weiter Verbreitung erfreuen wird und daß die zahlreichen Freunde, Verehrer und Schüler Pleßners dem Herausgeber dankbar sein werden. Zeitungsnachrichten und Corresponvenzen. Rußland. ** Petersburg. (Schule n.) Auszug aus dem Wotzkod vom 8. und 20. Juni: Wir haben den Text des neulichen kaiserlichen Ukas vor Augen, betreffend die Gründung von landwirthschafilichen Schu'en. liefe Schulen sollen solche Arbeiter zur Landwirthschast vorbereiten, die im Stande ßnd landwirthschaftliche Maschinen und Instrumente zu lenken, zu zerlegen, kurz, die ihren Mechanismus genau kennen, einfache Zusatztheile ansertigen können und im Nothfalle als Zimmerleute, Tischler, Schmiede und Schloffer verwendet werden können. Der § 12 der Statuten ist folgendermaßen abgesaßt: „In die Werkstätten werden Schüler aller Stände und Konfessionen zugelaffen." Diese liberale Maßregel gegen die nicht christliche Jugend ist in unserer Zeit sehr anzuerkennen. Aber der halbe Paragraph hat folgende Anmerkung: „Die Werkstätten, die ausschließlich von den Zemstwos, den Gemeinden, Korporationen oder Privatleuten unterhalten werden, können aus Wunsch der Gründer oder Spezialbefehl des Finanzminifters ganz oder theilweise den nichtchristlichen Schülern verschloffen werden." So können also diese ausschließlich auf Kosten außerstaatlicher Personen erhaltenen Schulen ganz oder theilweise den jüdischen Schülern verschloffen werden. In den staatlichen Werkstätten werden die jüdischen Schüler gleichberechtigt mit den andern zugelassen. Diese humane Maßregel würde uns sehr erfreuen, wenn nicht das Gesetz vom 3. Mai 1882