Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1897)
- Date
- 1897-02-04
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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P^MWYWMWWWWWWMWWWU^WWWWMIVWMWMVW XXXY1FI Jahrgang. MMWWWWWMW.l'WM 'UMWWWMIMVWM M 11. Der Israelit. Ein Kenlrat-Hrgan für das orlhodoXe Audenlhum. Begründet von Dr. ITelfttmtt« in Hlt«in2. Montag, den 8. Februar 5657 (1897). Leitender Artikel. Drei inhaltsschwere Morte. Mainz, den 7. Februar. III. Während die göttliche Mahnung lautet: „Von dem Worte der Lüge halte dich fern," predigt die Klugheit unserer Zeit: „Vom Wort der Wahrheit halte dich fern," Die Wahrheit zu sagen, die gerade, ehrliche, ungeschminkte, gilt als gefährlich. Ein alter jüdischer Erfahrungssatz sagt: pxs» ipp *m bs '.woa v"p7iv px ir6nnr na« nxp n onmx „Jede Lüge, der nicht zu Anfang etwas Wahrheit beigemischt ist, hat am Ende keimn Bestand." Unser Respekt vor der Lüge kehrt diesen Satz um und meint ganz treuherzig, daß der Wahrheit, wenn sie Bestand haben soll, etwas Lüge beigegeben sein müsse. Während unsere großen Meister lehrten : 'xp x*? x-p'v», ->xp xaenp „Wahrheit hat Bestand, Lüge hat keinen Bestand", machen wir den Bestand der Wahrheit von ihrer Mischung mit Unwahrheit abhängig. Je reiner die Glasfläche eines Spiegels ist, desto leichter braucht der Hauch sein, der genügt, um sie zu trüben. An dem Maßstab der einen, reinen göttlichen Wahrheit, wie sie in der Thora niedergelegt ist, erscheint jede Abweichung sofort als das, was sie ist: eine Trübung, Fälschung und Verleugnung der Wahrhaftigkeit. Die Thora ist einzig wie Gott, dem sie entstammt, wie Israel, dem sie anvertraut ist. Wer sie mit anderen Erscheinungen messen, vergleichen und dennoch beurtheilen will, der wird sie falsch beurtheilen. Diese Einzigkeit, Göttlichkeit, Verbindlichkeit und Ewigkeit der Thora, ist der Boden, der uns trägt, ist das Kriterium unserer Zugehörigkeit zum Judenthum. Ein Jude, der dieses ihm von Gott gereichte Gesetz seines Lebens verleugnet, hat seinen einzigen ihm von Gott zugewiesenen Beruf verfehlt. Er mag immerhin Jude von Geburt sein, er mag durch seine Physiognomie als solcher erkannt und erklärt werden, Jude im Geiste und der Gesinnung des Judenthums ist er mit Nichten. Das sind so wahre, klare, primitive Wahrheiten, daß schon eine große Dosis Begriffsverwirrung dazu gehört sie zu leugnen. Unser ganzes Reformjudenthum ist eine verkörperte Verleugnung dieser Wahrheiten. Ist es Gott, der uns das Gesetz unsere« Lebens, der uns seine Thora zur Erfüllung hingegeben hat, dann ist es sträfliche Vermeffenheit dm Willen des allmächtigen Gottes corrigiren, abrogirm und reformiren zu wrllen. Aus diesem Dilemma, aus diesem Mischmasch von Wahrheit und Lüge, ergibt sich das ganze Hangen und Bangen, welches das Zwittersudemhum unserer Tage charakterisirt. Die alte Thora leugnet es, und eine neue besitzt es nicht. Es muß somit aus dem alten göttlichen Bundesbrief ein beliebiges Stück Herausreißen, diese für den Kern und alles andere für Hülle und Schaale erklären. Die Thora wird nicht mehr gelernt; eine zweite und dritte Generation wächst bereits in erschreckender Unkenntniß der Thora heran. An ihre Stelle sind Religionsbücher und Katechismen getreten. Auch wo die Thora im Urtext noch gelehrt wird, wird nur der schriftlich überlieferte Theil gelehrt. Die Lebensseele der geschriebenen Thora, die sie erklärende mündliche Ueberlieferung' wird so vollständig ignorirt, daß ein großer Theil unserer Heranwachsenden Kinder nicht einmal von der Existenz der r\t min Kenntniß hat. Sie sollen ja kein Rabbiner werden! Als ob die Thora, die uns Moscheh gebot, das Erbgut nur der Rabbiner fei! Und die Rabbiner! Sollen wir jene Anstalten zu ihrer Ausbildung erst aufzählen, welche die Forderung des Tages: nax irnv geradezu zum Programm erhoben haben und ihre Jünger gar nicht dazu kommen lassen, dem Wort der Wahr-