Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 99 (10.12.1896)
- Date
- 1896-12-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1896 ■r zum Ausdruck bringt, entgegentreten. Der Bericht sagt: „nur das isr. Volk hat eine derartige Persönlichkeit wie Faust aufzuweisen in Salomo, und sein Nachdenken über die Probleme des Daseins und sein Verzweifeln an allem menschlichen Wissen und Thun hat er zum Ausdruck gebracht im Buche Kohelet." Es wird hier also nicht Faust, das Werk des Dichters Göthe, verglichen mit Kohelet, dem von Gott durch Salomo uns ertheilten Werk, sondern man geht noch weiter; man vergleicht die Persönliche keit Salomos mit der des Faust, des Helden des Göthe'schen Dramas; man führt Kohelet vor, als ein Buch, das die persönlichen Empfindungen des Königs Salomo, „sein Nachdenken und Verzweifeln" darstellt. Solche Worte über eines der 24 Bücher der h. Schrift lasten sich mit dem Glauben an die Göttlichkeit derselben nicht vereinbaren und darf gegenüber einer solchen Art und Weise der Behandlung von cnp -n: von gläubiger Seite nicht geschwiegen werden. Derartige Verunglimpfungen unseres heiligsten Besitzes müsten von Seilen des pvuv aufs Entschiedenste zurückgewiesen werden als das, was sie sind! In erster Linie allerdings hat die Pflicht gegen den Inhalt des erw. Berichts sich zu verwahren der betr. Herr Redner, dem solche Austastungen unterschoben scheinen. — Oester r.-U ngar. M o n a r ch ie. Buden bei Wien. (Thora-Fest). Eine erhebende, Herz und Seele erfreuende Feier wurde Sonntag Abend am 22. v. in unserer Gemeinde abgehalten, eine Feier, die dem religiösen Leben unserer Mitglieder und dem eigentlichen Elemente des jüdischen Wesens, dem Talmud, galt. An diesem Abend veranstaltete nämlich unser allgemein beliebter und hochverehrter Rabbiner, Se. Ehrwürden Herr Wilhelm Reich einen Sium, eine Schlußfeier zu den drei Tractaten Gitin, Nedarim und Nasir, welche in dem Gemeinde-Bethamidrasch, das jetzt der Cultusvorstand aufs stattlichste renoviren und einrichten ließ, von unserem Rabbiner unter großer Betheiligung der Gemeindemitglieder allabendlich vorgetragen und am Sium-Abend zum Abschlüsse gebracht wurden. Bei diesem Anlaste zeigte es sich, daß wie der geistbegabte Componist aus dem Chaos der verschiedensten Töne ein anmuthig klingendes Tonstück zustande bringen kann, so ein für Humanität und Frieden, für Judenthum und dessen Wistenschaft ernst bestrebter und hochbegeisterter Rabbiner die heterogensten Elemente seiner Gemeinde nach und nach ausgleicht, bis sie sich zu einem Körper vereinigen und eine unerschütterliche Basis für den Fortbestand des Ganzen bilden. Ja, diesbezüglich herrschten auch in unserer Gemeinde nös .Ms Jahren höchst unerquickliche Zustände.. Unser RcMMr über wäMe'nHt. Wfftänd ünepschütter^. lich und fest wie ein Fels gegen die an ihn heranbrausenden Meereswogen, ausgerüstet mit Intelligenz, niit humanem und friedbliebendem Sinne. In diesem seinem edlen Bestreben stand ihm der Cultusvorftand mit seinem Präses unb Vice-Präses, den Herren Mvriz Lettner und Anton Schneider wacker zur Seite, sie unterstützten ihn in allen seinen gedeihlichen und zum Frieden führenden Einrichtungen. Zum Eingangs erwähnten Sium stand unserem Herrn Rabbiner ein Comitö von drei sehr geachteten Gemeindemitgliedern, den Herren Jakob Kahn, Moriz Daniel und Mathias Adler helfend bei, denen sich der Restaurateur Herr Nathan Schey in der uneigennützigsten Weise mitwirkend anschloß. (b’z) Bvafrtu, 8. Dez. Rabbi Jehuda Halevi, der König der jüdischen Dichter und Verfasser der herrlichen Ziunim, die am Tischeh Beab unsere Gemüther so traurig und düster stimmen, hat es sickgewiß nicht träumen lassen, daß sein Name einst noch auf die Bühne kommen und dort den Gegenstand eines Theaterstückes bilden wird. Die Blätter Lembergs erzählen nämlich, daß dort am Samstag Abend auf der Bühne des jüd. Theaters eine Oper in fünf Acten unter dem Titel „Jehuda Halevi" oder „Die Sehnsucht nach Zion" aufgeführt wurde, die großen Beifall fand. Das Libretto der Oper ist von einem gewissen Auerbach, die Musik vom Componisten W o l f s t h a l. Die Künstler bringen auch mehrere Couplets zum Vortrage, die alle mit dem Refrain enden: „Rach Zion zurück!" Die Anregung zur Schaffung dieser Oper haben die Zionisten gegeben, uni so auch von der Bühne aus für ihr Programm zu agitiren. Literarische Notiz. 2pT cncr c^prur c’iroei rrn^cm rreut yy ur.spir, p"p Unter obigem Titel hat Herr Wilhelm Posen zu Frankfurt a. M. die Bußgebete neu herausgegeben, welche an den spezifisch Frankfurter Fasttagen gebetet werden. Das Bedürfniß zu einem Neudruck hat sich fühlbar gemacht, da seit mehreren Jahren in einer unserer Synagogen die Frankfurter Fasttage wieder gehalten werden. Vielleicht dient die verdienstliche That des Herrn Posen dazu, daß die rypn unserer Voreltern, die ja sonst für so wichtig gehalten werden, auch in anderen Synagogen wieder zu Ehren kommen. — Der Schluß des Büchleins behandelt den Frankfurter Purim. G. > Vermischtes. Karlsruhe Cs inacht immer einen recht sonderbaren Eitrdruck, wenn frühere Antisemiten und Antisemiten-,,Führer" wegen irgend eines Streites — selten in Folge besserer Cr-