Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1896-10-15 · Heft 83 (15.10.1896) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 83 (15.10.1896)
Date
1896-10-15
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2446951-2448608-2448683--42667-2491679
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXXVII. Jahrgang. Iwritr öeilagr M M 83 ürs »Jstntlxf*. Zeitungsnachrichten uit& Correspondenzen D eu t s ch l a u d. Berlin, 11. CEt. Tie Ausstellung der Erzeugnisse jüdischer Dörfer in Palästina har ein dauerndes Resultat gezeitigt. Am heurigen Tage hat sich hier die Import-Gesellschaft Palästina gebildet mit einen Kapital von 50000 Mk., mir dem Zweck, die Produkte der jüdischen Kolonien in Palästina und die Fabrikare der jüdischen Drechsler in Jerusalem, in Deutschland zu verkaufen. Das Attienkapital zerfällt in 100 Anrheile ü 5n>» Mark und wurde erfreulicher Weise Überzeichner, so daß mehrere der Zeichner ihre Beträge reduciren mußten. Die neu gegründete Gesellschaft wird insbesondere das Wcingcfchäft foreiren, ne wird aber außerdem Südfrüchte, Schnitzereien, Honig, Parfüm, Seife :c. führen. Die Gesellschaft wird ein Lokal in bester Geschäftsgegend micthen und dort außer der Weinstube und dem Verkauf der Schnitzereien eine vermanente Ausstellung eröffnen, in der alle Produkte Palästinas dem Publikum vorgeführt werden sollen. Die Leitung des Geschäfts wird Herr Moses Hildesheimer übernehmen. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Budapest, 11. Skr. Vieror Jstoezv, der den Rumer Wahlbezirk seit dem Jahre 18? 2, also feil nahezu einem Vierteljahrhunderi, im Abgeordnetenhaus vertreten hat, verständigte seine Wähler, daß er auf das Mandat dieses Bezirkes nicht mehr refleetire. Jstoezv, der während der verflossenen Legislatur- Periode ein einzigesmal das Wort ergriffen hat, erinnert feine Wähler daran, daß er schon im Jahre 1891 erklärt habe, er nehme das Mandat zum letztenmale an. Das von persönlicher Erbitterung erfüllte Schreiben enthält die interessante Bemerkung, daß die Führer der ungarischen Politik behaupten, es gebe keine Judenfrage in Ungarn, und daß zwei Wahlgänge diese Auffassung der leitenden Politiker bestätigt haben. Ob Victor Jstoezv, der schweigsam gewordene Führer der einst bestandenen, längst verschwundenen Antisemiten-Fraction, anderwärts candidiren wird, ist nicht bekannt. A u st r a l i e n. Sydney, 4. September. Nachdem das Schofar, das bei Ihnen das Winterhörnchen, bei uns aber das Sommerhörnchen ist, nun schon drei Wochen geblasen hat, geben wir uns der angenehmen Hoffnung hin, daß mit dem nächsten Dienstag beginnenden jüdischen Neujahr auch die "Natur hier erwache und uns nicht länger ihr unfreundliches Gesicht zeigen utöge. Noch liegt tiefer Schnee aus Berg und Thal und seit Anfangs August haben die Schlittfchuhlänfer hier goldene Zeiten. Am Tischa-Beaf hielten viele Schlitten vor unserer Synagoge, doch hoffen wir bis Jom-Kivpur schon auf milderes Wetter. Da er in diesem Jahre so früh fällt, wird es im Gegensatz zu Ihren Ländern an diesem Tage auch schon sehr früh Nacht, während Sukkoth die Tage schon etwas langer sind. Bald nach Sukkoth entflieht hier Alles in die Sommerfrischen, um während des Hochsommers denen Hitze am Chanukka ihren Höhepuickl erreicht, „fern von Madrid" verbringen zu können. Teßhalb stnden jetzt auch noch schnell alle möglichen Generalversammlungen von allen möglichen jüdischen Vereinen statt. Da ist vor allen Dingen das Montefioreheim, das vorigen Momag sein allmonatliches Meeting halte; dann ffnd die verschiedenen „Cougregations" hier und in Melbourne, Synagogenvereinigungen, über die ich Ihnen in meinem nächsten Briefe ausführlich betichlen werde. Roich-Haschonoh und Jom-Kippur wird hier in der großen Spnagoge ungeheuer viel gesungen. Die Ordnung des „Choral-Dienstes" für n“ und r ■ ist m den hiesigen Blättern bekannt gemacht. Gerichtszeitung. Budapest, 1°-!. Cft IEin Hetzartikel gegen die Juden'. Vor dem hiesigen Sirasgerichte wurde dieser Tage ein interessanter Pretzproceß durchgeführr. Angcklagr erschien der VZährige, wegen Preßvergeheus bereits einmal vernrrheilte Journalist Geliei-Biro, und zwar wegen eines im März veröstentlichren Henartikels gegen die Inden, der in einem obienren Wochenblatre erschienen war. Die Antlage wurde von den Ober-Sraatsanwaltschaft auf Grund des $ IM des Strafgesetzbuches wegen utreizung gegen eine Religions-Gesellschast erhoben. Die Verhandlung fand unter dein Vorsitze des Gerichrshospräsidenten Zsicvan statt; auch wohnte derselben der nenernannte Oberstaatsanwalt Eugen Hmwersweg bei. Die Anklage vertrat der StacnsanivaltS-^ubstilur Dr. Franz Goch. Der Angeklagte wurde von dem Katecheten Julius Markos vertheidigt. Er bekannte ncb als den Vertaner des Artikels, womit das Vcweisverfahren geschlossen war. Der össeritliche Ankläger. Dr. Goch, verwies in seiner Angeklagerede daraus, daß die katholische Religion Achtung vor der Gerechtigkeit, ferner Freiheit der Menschen gebiete, und überdies auch noch die Liehe zum Rebenmcnschen predige. Der Angeklagte, der sich zu dieser Religion bekennt, predige aber in der unsinnigsten Weise den Haß gegen die Angehörigen eines anderen Bekenntnisses; er hetze gegen die Juden, denen er ihre guten Rechte nehmen wolle. Der öüentliche Ankläger macht daraus ausmerksam, daß. wenn man aus sogenannten politischen Gesichtspunkten gegen die Anhänger einer anderen Eonsession in der Zeitung hetze, dann auch unmittelbar das Volk gegen gewisse Classen der Bevölkerung ausgeheyt werden könnte, was die Sicher-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.