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Der Israelit · 1896-09-03 · Heft 71-72 (3.9.1896) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 71-72 (3.9.1896)
Date
1896-09-03
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1382 judung" veranlaßt. Ich beeile mich deshalb. Sie über den Sachverhalt zu insormiren. Allerdings ist der diesjährige Herbstmarkt verlegt worden, aber wahrlich nicht aus „Verhätschelung der Juden", wie jenes Blatt meint. Gesetzt, der Jahrmarkt wäre wirklich des jüdischen Neujahrsfestes wegen verlegt worden, so liegt es eben darin, weil sämmtliche jüdischen Geschäfte an den beiden Tagen des Neujahrsfestes geschlossen bleiben, und würden die Kaufleute und kleinen Händler jüdischen Glaubens, wenn der Herbstmarkt nicht verlegt worden wäre, ihre Läden durchaus nicht geöffnet haben. Daß diese unersetzliche Verluste würden erlitten haben, daß dadurch die Existenz der vielen kleinen Händler wäre bedroht worden, das erkennen selbst viele Nichtjuden, mit denen ich gesprochen habe, an; denn der kleine Handelsmann zieht die Loosung, den Waarenumsatz des Herbstmarktes, schon vor Monaten in Betracht und richtet darnach seine Zahlung ein. Es ist einleuchtend, daß viele Händler, eine Menge auswärtiger eingerechnet, nicht hätten den Verpflichtungen ihren Gläubigern gegenüber Nachkommen können, wenn der Jahrmarkt am Neujahrsfeste stattgefunden hätte. Dementsprechend hat auch der Oberbürgermeister heute folgende Erklärung dem Berliner Antisemittenblatt zugeschickt: „Im Leitartikel Ihrer Nummer 377 A (Morgenausgabe) behaupten Sie, der Magistrat, bezw. der Kottbuser Oberbürgermeister, habe ein Gesuch der katholischen Gemeinde um Verlegung des Frohuleichnamsmarktes abgelehnt, dagegen den großen Herbstmarkt wegen des jüdischen Neujahrstagcs verlegt. Die katholische Gemeinde hat weder unmittelbar noch mittelbar, namentlich auch nicht durch Herrn Hofphotographen Metzner, den Antrag gestellt, den althergebrachten Frohnleichnamsmarkt zu verlegen; hierzu liegt auch gar kein Grund vor, weil die Gemeinde den Frohnleichnamstag aiu Sonntag zu feiern pflegt. Die Berücksichtigung des jüdischen Neujahrstages findet in der starken Betheiligung jüdischer Händler an den Märkten ihre Rechtfertigung, ist übrigens für den gesummten Regierungsbezirk Frankfurt angeordnet. Kottbus, den 21. August 1896. Der Magistrat. Der Oberbürgermeister Werner." Ferner kann ich nach genauer Information versichern, daß das betr. Inserat, welches das Antisemitenblatt zu dem Artikel veranlaßt, obgleich es unterschrieben war: „Mehrere Katholiken", von keinem einzigen Mitbürger katholischen Glaubens, sondern ausschließlich von evangelischen Antisemiten unterzeichnet wurde. Unsere katholischen Mitbürger werden sich durch solche Umtriebe nicht verhetzen lasten. Der „Katholische Westfälische Merkur" in Münster i. W. bemerkt dazu: Wenn der Viehmarkt am israelitischen Neujahrstage nicht verlegt worden wäre, so wären die Juden, in deren Hände der Viehhandel liegt, nicht gekommen und dann war zwar im Kalender Viehmarkt, aber es war kein Vieh da. Wir sind überzeugt, die Juden Hütten eher auf das Geschäft verzichtet, als daß sie einen ihrer ersten Feiertage entweiht hätten. Das ist aber sehr resprctabl von den Juden und verdient'Nachahmung. 'Nun braucht ein Viehmarkt nicht nur Verkäufer sondern auch Käufer, und die Käufer sind Christen. Wenn diese nun an Frohnleichnamstag nicht gekommen wären, um zu kaufen und die Juden hätten ihr Vieh wieder heimtreiben können, dann sind wir überzeugt, würde das nächste Mal ohne Eingabe der Frohnleichnamstag eilt Grund gew.sen sein, den Viehmarkt zu verlegen. Was wir voll unserem eigenen Thun nicht erwarten können, das brauchen wir überhaupt nicht zu erwarten, und geachtet werden wir unsere Religion nur in so weit sehen, als wir sie silbst achten. Die Regierung muß erfahren und wissen, daß wir in diesem Punkt nicht mit uns accordiren lasten. t^ldettdUkg. In diesen Tagen ist durch die Bemühung des Herrn Landrabbiners Dr. Mannheinler ein isr. Waisenverein für das Herzvgthnm Oldeitburg gegründet worden, welcher durch die Hochherzigkeit von Frau Lina Schwabe aus Varel eine schöne Summe als Grundkapital erhielt. Das Statut ist bereits iit alle Gemeindeil versandt worden und auf den Landgemeinden hat das Unternehmen überall rege Aetheiligung ßcfunbcu. Wie bei allen ivohlthätigen Einrichtungen, hat sich ailch diesmal die Stadtgcmetnde ain wenigsten betheiligt. Es zeigt sich auch hier, daß das „jüdische Herz" am wärmsten da schlägt, wo Frömmigkeit herrscht. Für Herrn Dr. Mannheinler aber wird dies schöne Werk ein ewiges Denkmal ruld eilte iitnere Geilugthultng sein, daß sein so mühsames Wirken iu unserem Lande zu so manchen schönen Erfolgen einen nellen angereiht hat. L. Personalien. Kreuznach, mir^D“? 'n dv. O'iii unabsehbarer Eon buct bewegte sich heute nach dein nnupn n’3. Dem ältesten und angesehensten jüdischen Einwohner Kreuznachs wurde das letzte Geleite gegeben. Fast sämwtUchc jüdische und viele christliche Mitbürger, Honorationcn und auswärtige Verwandten und Freunde betheiligten sich an demselben. Max Adler ist am vergangenen Donnerstag im Alter von nahezu ltN Fahren hcimgegangcn. Der hiesige Rabbiner gab dem Lob seiner Tugenden als Mensch in kurzen Worten Ausdruck. Uns erübrigt seiner herrlichen Eigenschaften als "Tin’ zu gedenken. Früher iu Planig ansässig war der Verblichene bereits vor langen Fahren hierher übcrsiedcU und sein Haus sowohl hier, wie seine frühere Wohnstätte gestaltete er zu einem nm“P mns in’2 in des Wortes vollster Bedeutung. Weit und breit war er auch bekannt dafür. Aber nicht im Wohlwollen allein suckle er seine Religion zu bethätigen, nein, auch in der Ausübung jeder llwv. <L>o groß oder gering sic auch scheinen mochte, war er stcis eifrig bemüht, sie ganz zu vollsühren und damit die altnngestammte wahre Religiosität zu wahren. — Bis kurz vor

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