Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 61 (30.7.1896)
- Date
- 1896-07-30
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXVII. Jahrgang. Zweite Beilage M M 61 des ^Asraelit". Literarisches. NN^NI ir» cr:a nirttn bva rare c^r.; DHIIK 1--2 ’1£C orrcx rrrrfax; tp-rp ntv 'zz:~b m,W 3??i? “;xa bei A. Spiro, Posen. 'r>2-! x^x^ -p^ p?txb *mna frcn Eine köstliche Blumenlese, die uns aus dem jetzt brachliegenden Felde der hebräischen Literatur entzückt. Der Verfasser, ein hochbetagter Privatmann — "px* '"r w der sich eingehend mit hebräischer Wissenschaft und Literatur beschäftigt und bereits mehreres für periodische Blätter — *r:en, fcpn , r:x ^zy . mscn ^rx Magazin für jüd. Literatur — geschrieben hat, auch als tüchtiger Talmud bekannt ist, hat auf Drängen seiner Freunde sich entschlossen, die von ihm in Mußestunden entworfenen Epigramme, Jmpromptüs und Sentenzen der Oeffentlichkeit zu übergeben. Das jüdische Lesepublicum, d. h. die Freunde der hebräischen Literatur werden ihm dafür dankbar sein. Die Sammlung enthält 422 Piöeen theils ernsten, theils scherzhaften, durch klassischen Humor gewürzten Inhalts. Bei ihrer Reichhaltigkeit ist es unmöglich, dieselbe auch nur annähernd zu skizzieren. Ebenso schwierig ist es, aus der Fülle des Gebotenen ein oder mehrere Gedichtchen als Muster herauszugreifen; sie alle werden den Leser, die ernsten Stücke durch den sittlichen, die scherzhaften durch den geistreichen Inhalt anmuthen. Form und Ausdruck erinnern an die schönste Zeit der hebräischen Poesie. Der Musivftyl ist in meisterhafter Weise angewandt und in der ganzen Sammlung finden wir das echte, altklassische Hebräisch, in welchem auch die Stücke modernen Inhalts geschrieben sind. Eben so gelungen sind die 24 Räthsel, die durch ihren gedankenreichen Inhalt und die gefällige Form einen wahren Genuß bereiten, und deren Lösung, sei sie selbst gefunden oder in dem beigefügten Verzeichnisse aufgesucht, überraschend und erheiternd wirkt. Das Ganze ist von echt althebräischem Geiste durchweht und selbst diejenigen Epigramme, die der Verfasser aus dem Deutschen übersetzt und als Uebersetzungen kenntlich gemacht hat, haben in ihrem neuen Gewände althebräische Färbung angenommen. Eine Anzahl der Epigramme hat Verfasser ins Deutsche übertragen, wodurch auch dem Nichtkenner des Hebräischen ermöglicht wird, einige schöne und interessante Gedanken kennen zu lernen. Die Sammlung ist unstreitig eine werthvolle Bereicherung der hebräischen Literatur und kann jedem Freunde und Kenner derselben warm empfohlen werden, zumal auch der Preis kein hoher ist. (1 M. 50 Pf.) _ S. In Anbetracht der herannahenden hohen Festtage wollen wir nicht verfehlen, im Interesse der Herren Cultusbeamten auf eine bemerkenswerthe Thatsache hinzuweisen. Das im Jahre 1892 erschienene synagogale Gesangswerk von Aron Ackerm ann, enthaltend eine Sammlung von Sologesängen für den jüdischen Gottesdienst, ist nämlich im Preise berabgesetzt worden; es kostet statt 3 M. 60 Pfg. nur 2 M. 80 Pfg. Im Laufe der Jahre haben sich die wirklich schönen und erhebenden Melodien der Ackermann'schen Gesänge eine außerordentliche Beliebtheit zu erringen gewußt, so daß man sie in zahlreichen Synagogen, besonders Süddeutschlands, an den Festen und Sabbaten erklingen hört. Diese durch Die Praxis wohlbewährte Brauchbarkeit des Werkes wird ihm neben der Herabsetzung des Preises gewiß eine weitere Verbreitung sichern. E. R. Zeitungsnachrichten und Corrcspondcnzen. Deutschland. Wiesbaden, 24. Juli. Vor einiger Zeit hatte die hiesige Kultusgemeinde bei der königlichen Regierung den Antrag gestellt, die nassauischen Kultusbeftimmungen vom Jahre 1852 aufzuheben und durch das preußische Gesetz von 1847 über die Verhältnisse der Juden zu ersetzen. Motive: die alten Bestimmungen gewährten den Vorstehern in Kultus- und Schulangelegenheiten dem Rabbiner gegenüber zu wenig Einfluß; außerdem müsse die Gemeinde Wiesbaden 3/5 (gegen 4000 Mark) zu den Kultussteuern des ganzen Regierungsbezirkes beitragen. Dieser Schritt erregte, wie selbst ein Correspondent der „Allg. Z. d. Jud." anerkennen muß, in allen jüdischen Gemeinden des ehemaligen Herzogthums Nassau den größten Unwillen, der in zwei eigens berufenen Vorsteherversammlungen, in Höchst und Ems, seinen Ausdruck fand. Auf der letzteren war der Antragsteller, der Vorstand aus Wiesbaden, durch drei Herren vertreten. Diese suchten durch Versprechungen, dann durch versteckte Drohungen die Vorsteher für ihren Antrag zu gewinnen. Trotzdem nahm die Versammlung eine Resolution an, die sich in scharfen Worten gegen die Petition ausspricht. Diese Resolution ging, von sämmtlichen Anwesenden, mit Ausnahme der drei Herren aus Wiesbaden, unterzeichnet, direkt an die königliche Regierung ab. Ueber den weiteren Verlauf der Sache wollen wir später berichten.