Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 50 (22.6.1896)
- Date
- 1896-06-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IXXVli. Jahrgang. JtS.50. Der Israelit. St« Aentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Br. Lehman» in Mainz. Montag, de« 22. Juni 8656(189«). EW~ Da mit dem 1. Juli 1896 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1896 eingetragen unter Ar. 3523. Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten unser Blatt bis Ende Juni gratis. Leitender Artikel Die neueste Bewegung innerhalb des Iudenthums?) Berlin, 21. Juni. Seit Beginn der antisemitischen Bewegung, also ungefähr seit Ende der 70er Jahre, leuchtet uns Juden aus jedem Buch, das wir in die Hand nehmen und aus jeder nichtjüdischen Zeitung, die wir lesen, der Vorwurf entgegen, wir seien kein arbeitendes Volk, kein Volk, das im Stande sei, durch seiner Hände Arbeit Neuwerthe zu schaffen, sei es nun ans dem Gebiete des Handwerks oder auf dem Gebiete des Ackerbaues, wir seien vielmehr lauter Leute, die im Verein mit dem Kapitalismus die schwere Handarbeit der „Wirthsvölker" benutzen, um auf deren Kosten ein behagliches Dasein zu führen. Dieser Vorwurf ist uns seit beinahe 20 Jahren so oft und in so verschiedenen Formen gemacht worden, vornehme und geringe Antisemiten haben ihm so häufig Ausdruck gegeben, daß viele Juden schließlich selbst zu dem Glauben gelangt sind, es sei ein Unrecht, daß die „deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens" sich nicht in größerem Maße den Berufsarten widmen, bei welchen ein Arbeiten mit der Hand erforderlich ist. Diese weitverbreitete Meinung ist in der *) Obgleich wir uns mit dem Inhalt des vorstehenden Artikels in vielen Punkten nicht einverstanden erklären können, glaubten wir dennoch demselben, der uns von hervorragender Seite übersandt worden ist, die Aufnahme nicht versagen zu dürfen, da er zur Klärung der Ansichten sicherlich viel beizutragen geeignet ist. Red. d. Jsr. allerjüngsten Zeit im Begriffe, eine Bewegung innerhalb der deutschen Judenheit hervorzurufen, der maßgebende Kreise ihre Beachtung nicht entziehen sollten. Im ganzen deutschen Reiche und auch vielfach im Anslande ist marl damit eifrig beschäftigt, die Juden dem Ackerbau und dem Handwerk zuzuführen. Den Anfang in größerem Maßstabe machte damit Baron Hirsch, indem er die bekannten argentinischen Kolonien gründete und die vertriebenen russischen Inden daselbst den jungfräulichen Boden Südamerika's bearbeiten ließ. Eine andere bereits früher, aber in kleinerem Maßstabe vollzogene Unternehmung waren die in Palästina gegründeten Kolonien, deren Vorführung auf der hiesigen Ausstellung gerade jetzt großes Aufsehen erregt, sie sind ebenfalls hauptsächlich von russischen Juden bevölkert, doch sollen deutsche Juden dafür nunmehr ttt größerer Anzahl gewonnen werden. Auch in anderer Weise sucht man die deutschen Juden für den Ackerbau zu gewinnen. Allenthalben entstehen Vereine zur Verbreitung des Handwerks unter den Juden, jüdische Ackerbau- und Gärtnerschulen werden gegründet nnb vielfach schon suchen angesehene Israeliten mit Vorliebe ihre oötme bei Schmieden oder Schlossern unterzubringen. Treten wir nun der Frage näher, ob die Inden sich von ihren seitherigen Berufsarten ab- und den hantirenden Geschäften zuwenden sollen, so haben wir zilnächst zwei Gründe, die für bieten Umschwung geltend gemacht werden. Der Eine ist der: „Wird man den Judenfeinden thatsächlich eine Unterlage für ihre Angriffe entziehen und damit die soziale Lage der Inden heben? Und der andere Grund wäre, würde man die, wie behauptet wird, durch Jahrtau-