Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 36 (7.5.1896)
- Date
- 1896-05-07
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXVII Jahrgang. Mette Beilage zu M 36 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. 8. Frankfurt a. M., 6. Mai. Wenn man, wie der Schreiber dieser Zeilen, als Kaufmann mitten in den Wogen der materiellen Interessen steht, wo der erasse Egoismus oft bis an die äußersten Grenzen des Erlaubten gehend, seine wilden Orgien feiert, wenn man als ein solcher einmal ausnahmsweise Gelegenheit hat einer Versammlung beizuwohnen, deren Theitnehmer sämmtlich von dem heiligen Feuer der Menschenliebe entzündet, ihr Bestes einfetzen, um einem großen edlen Werke zu bienen — wem diese Gelegenheit geboten wird — er mag sonst auch noch so sehr im Sumpfe des Alltagslebens stehen — er wird die Nachwirkungen dieses geistigen Tauchbades noch lange empfinden mit» seine Zweifel an der Menschheit zu Schanden werden lassen. Eiic solche Versammlung war es, die heute tut Hörsaale der iSr. Religionsgesellschaft stattgefunden. Das Eomit« zur Errichtung eines jnd. Krankenhauses in Jerusalem hatte eine Reihe von Freunden geladen, welche in sehr großer Anzahl, darunter viele Koryphäen der Diaspora, gern und freudig dem Ruse gefolgt waren. Eine Anzahl geladener auswärtiger hervorragender und einflußreicher Herren waren am Erscheinen leider verhindert, versicherten aber brieflich, daß sie dem großartigen Werke voll und ganz jederzeit zu dienen bereit wären. Nachdem durch den Vorsitzenden Herrn Rabb. Dr. Breuer die Anwesenden in ebenso herzlichen, wie geistreichen Worten begrüßt worden waren, ging man an die Ernennung eines Bureaus, wobei Herr Dr. Israel R o o s, Herr Will). H a ck en b r o ch und Herr van Biema zu Schrittnnd Protokollführern ernannt wurden. Herr Dr. med. Wallach, prakt. Arzt zu Jerusalein, der bereits seit Jahren im Aufträge des Comitös die unentgeltliche Behandlung armer Kranken übernommen, schilderte hierauf die Nothlage der armen Kranken in der heiligen Stadt, und haben wir den Hauptinhalt seiner Rede, die aus die Anwesenden einen ergreifenden Eindruck machte, zum großen Theile an der Spitze unseres heutigen Blattes wiedergeoeben. Der Herr Vorsitzende theilte nunmehr die seither gefaßten Beschlüsse des Eentral-Eomitös der Versammlung mit und entwickelte sich hierbei eine lebhafte Diskussion. Inzwischen war es VI-2 Uhr geworden und begab sich deßhalb die Versammlung der freundlichen Einladung der Herren vom hiesigen Somit« folgend zur Einnahme eines gemeinsamen Mittagmahles in das Hotel Ullmann. Daß es hierbei an geist- und humorvollen Toasten nicht fehlte, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung. Es toasteten die Herren Sam. Strauß—Karlsruhe auf den Herrn Vorsitzenden, Dr. Kor es—Hanau auf die edlen Spender, Dr. Israel R o o s—Frankfurt a. M. aus die Herren aus Amsterdam, Hackenb r o ch—Frankfurt a. M. aus die aus weiter Ferne herbeigeeilten Freunde, Dr. Marr—Darmstadr auf den Arzt des Comit«s Dr. Malta ch—Jerusalem, Dr. Wallach ans die thatkräsligeii Förderer des Baues, Dr. C'a h n—Fulda ans die Herren aus dem Kaufmannsstande, denen wett mehr, als den Herren Rabbinen für ihre aufopferungsvolle Thätigkeit zu danken sei. Hierauf begab man sich wieder in den Sitzungssaal, um die Berathungen über das hochwichtige Werk sorlznsetzen. Es wurde aus der Reihe der Versainmlung eine Anzthl von Vorschlägen über die Beschaffung der nöthigen Mittel, über die Organisation der Lokal-Eomites, über die Propaganda, sowie noch einige Fragen zu Protokoll gegeben und wird darüber in diesen Blättern z. Z. eingehend berichtet werden. Spät in der Nacht trennte man sich in dein Bewußtsein, an dem Zustandekonimen eines Werkes beigetragen zu haben, das auch für die spätesten Geschlechter eine Ouelle dauernden D'ion in seiner schönsten Bedeutung bilden soll. B r a s i l i e n. Nio de Janeiro, n. Mlai. ('2'Jarnnng.) Im Znteresse der armeil jüdischen Familien, die, durch die Verhältnisse gezwungen, ihre Töchter in die Fremde schicken müssen, damit sie dort ihr ehrliches Fortkommen finden, sei dieser WarnungSrus veröffentlicht. Derselbe entspringt aus der Kenntnis; des unsäglich traurigen UmstandeS, daß zahlreiche, hauptsächlich arme jüdische Mädchen ans Galizien, Ungarn der Bukowina u. s. w. eS und, die durch gewissenlose Seelenvertauser unter listigen Vorspiegelungen nach Amerika gelockt werden, wo die Unglücklichen den; Laster in die Arme getrieben werden. Unter diesen nichtSwürdigen Menschenhändlern sind auch viele Juden, und dieser Umstand ist eS wohl auch, daß ihre unheilvolle, verbrecherische Thätigkeit fast ausschließlich bei jüdischen Opfern erfolgreich ist. Die jüdischen Eltern sollen durch die Mittheilung dieser Thalsachen gewarnt werden vor jenen Personen, die unter der Vorspiegelung, daß ne ihren Töchtern glanzende Stellungen verschaffen werden, ihre schnrkenhaften Geschäfte betreiben. Der Umstand, daß unter den Schurken, die solche Geschäfte cultiviren, auch Menschen sich befinden, die zufällig als Juden geboren wurden, kann unsere Empörung nur steigern. Die Juden haben stets das Prinzip gehabt, die Auswüchse und die Schädlinge in ihrer Mitte schärfer zu verdammen, als jene unter den Andersgläubigen. Das