Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 36 (7.5.1896)
- Date
- 1896-05-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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718 Im Herbst 1873 haben die nachstehenden Herren den folgenden „Ansrns m GlSndnng eines Israel. Hospitals zu JecnsaieN TTV'n" veröffentlicht: „ES sind gewichtige Umstände, welche die ergebenst Unterzeichneten veranlaßt haben, zu einem Comilö zusammenzutreten, um den nachstehenden Aufruf an alle wohllhätigen Herzen in Israel zu erlass, n. Die heilige Stadt hat eine Bevölkerung von mehr als 10,000 jüdischen Seelen. Der größte Theil d.rselben ist arm. Die klimatischen Verhältnisse, der häufige Mangel an gutem Trinkwasser' die unzulänglichen, oft auf den engsten Raum beschränkten Wohnungen — das Alles gibt häufig Anlaß zu Erkrankungen, welche die Übersiedelung der Kranken in ein Krankenhaus nothwendig machen. Wenn man nun bedenkt, daß das durch die Freigebigkeit der Herren v. Rothschild gegründete und erhaltene Hospital nur 18 Betten enthält, so kann man sich leichtlich von dem Elende der vielen armen Kranken, welche daselbst keine Ausnahme finden können, eine Vorstellung machen. Zu unserm tiefsten Schmerze haben sich die Missionäre diesen Zustand bereits zu Nutze gemacht. In ihrem Hospitale finden die armen, kranken Juden und Jüdinnen die bereiiw.lligste Aufnahme, die sorgfältigste Pflege. Eigei s dazu angefteilte Aerzte besuchen im Aufträge der Missionsgesellschafl die armen Kranken unentgeltlich in deren Wohnungen und verabreichen ihnen die nöthigen Medicamente. Zu welchem Zwecke und in welcher Absicht dies Alles geschieht? Die Antwort auf diese Frage liegt sehr nahe Nun, Ihr edlen, gloubenStreuen Israeliten und Israelitinnen, sollen wir, dürfen wir unsere kra. ken Brüder und Schwestern den Missionären überlassen? Sollen wir, dürfen wir eS ruhig mit ansehen, daß kranke, schwache, mit dem Tode ringende Menschen Einflüssen preisgegeben werden, an die zu denken unS mit Schauder erfüllt? Nein, das sollen, das dürfen wir nicht; diesen schrecklichen Uebelstand werden wir mit göttlichem Beistände dmch Eure Hilfe, Ihr edlen WohUhäler in Israel, abzustellen unS bemühen. Haben doch schon die aschkenasischen Gemeinden in Jerusalem, durch die dringendste Noch gezwungen, ein kleines Local beschafft und zur Krankenpflege eingerichtet; aber trotz des rastlosen Eifers und der unermüdlichen Thätigkeit der uneigennützigen Verwalter desselben läßt dieses improvisirte Krankenzimmer in äußerer und innerrer Einrichtung so unendlich viel zu wünschen übrig, d..h es seinem Zwecke in keiner Weise genügt, und fehlt auch namentlich sofort ein jüdischer Arzt zur unentgeltlichen Behandlung und Besorgung der Kranken in ihren Häusern. Daher ist die möglichst baldige Anstellung eines tüchtigen, gewissenhaften jüdischen ArzteS, sowie die Errichtung e-neS geräumigen israel. Krankenhauses der sehnlichste Wunsch aller unserer Brüder in Jerusalem; sie bezeichnen es als ll'ID DniTin rmen, als das Allerwichtigste, vor allem Andern zu Berücksichtigende. Theure Brüder in Israel! Wohl sind wir uns bewußt, daß unser Unternehmen kein leichtes, daß es vieler und großer Anstrengungen bedarf, daß große Beträge erforderlich sind, es zur vollen Blüihe gedeihen zu lassen, da außer dem Ankäufe eines passenden Grundstückes, dem Ausbau deS Hospitals und der innern Einrichtung deffelben, der Anstellung der nöthigen Aerzte für den Bedarf sowohl Intra als extra mnros, an und für sich schon belangreiche Summen absorbirend — es doch Sache der höchsten Nothwendigkeit ist, zur Bestreitung der laufenden Ausgaben einen Fond herzustellen! Noch darf hierbei der Umstand nicht übersehen werden, daß durch die zu diesem Zwecke zu spendenden Gaben, die gewöhnlichen, zum Behuse deS Lebensunterhaltes unserer arm u Brüdw gesteuerten Beiträge in keiner Weise beeinträchtigt werden dürfen. Denn den regelmäßigen Liebesgaben Abbruch zu thun, hieße ja den angestrebten Zweck gänzlich verfehlen, da sonst zu befürchten wäre, daß nach Schmälerung der ohnehin knapp ausreichenden Unterstützung der Gesunden, ditse selbst zu Kranken gemacht, oder gar aus Mangel an Brod den Missionären in die Hände fallen würden! Die hohe Wichtigkeit der heiligen Sache, die außerordentliche Tragweite der ausgesprochenen Befürchtungen, und das Bewußtsein, daß die Hand unserer treuen Brüder nie erschlafft, daß unsere Glaubensgenossen Alle nie ihr Herz verschl eßen, wenn es gilt, für daS Leben und die Gesundheit unserer theueren Brüder im heil. Lande in die Schranken zu treten, gibt uns den Mruh, zur Ausführung dieser großen Aufgabe zu schreiten. Indem wir diesen Ausruf ergehen lassen, sind wir im Voraus von der unckassinden Opferfreudigk.it unserer Glaubensgenossen, der zahlreichen und starken Betheiligung derselben an unserem Uniernchmen überzeugt. Wohlan denn, auf! thenere Glaubensgenossen alle! Rabbinen, Lehrer und Vorsteher, und besonders Ihr speziell mit den Interessen deS hl. Landes betraute Männer, Ihr D’NDJJ 'VJ' ^“15**1, auf, erhebt hoch das Panier unseres heil. Glaubens! Lasset Euch von der Wichtigkeit Eurer Aufgab: durchdringen, sucht Euere Brüder und Fieunde zur Beteiligung an diesem erhabenen Werke der Wohlthätigkeit zu bewegen. Ermattet nicht im Anspornen zu Spenden, im Einsameln von Beiträgen für die heilige Sache! Möge der Allgütige unserem Werke Seinen Segen verleihen. jv D’tfSfvn Worte, der Tiefe unseres Herzens entstammend, 3>n D’DJDl finden ja den Weg in die Herzen unserer israel. Brüder. Hoffen wir, daß die Ausführung dieses Weckes reinster, gottgefälligster Nächstenliebe dazu beitrage, recht bald die glückliche Zeit herbeizuführen, von der der Prophet Jesaia uns verheißen: ipHs flN inDttf rrty D’^Nnon itrwn nns mt rvariN ra. Freuet Euch mit Jerusalem. Frohlocket mit der heiligen Stadt, Ihr Alle, die als ihre Freunde Euch bewährt; Ihr, die Ihr um sie getrauert, jubelt nun ob ihrer Wonne! Beiträge und Spenden können sowohl an Jeden der Unterzeichneten, als auch an die verehrlichen Herren D’NÜJ eingesandt werden. Die eingegangenen Spenden werden veröffentlicht." Im Elul 5633. S. B. Bamberger, Distriktsrabbiner zu Würzburg. S. R. Hirsch, Rabb. der isr. Religionsgesellsch. zu Frankfurt a. M. AkibaLehren, Präsident der Pekidim und Amarkelim der Gemeinden des heiligen Landes, residirend zu Amsterdam. A. Stern, Oberrabbiner zu Hamburg. vr.M. Lehmann, Rabb. der iSr. Religionsgesellschaft zu Mainz. Fünfundzwanzig Jahre sind seit Veröffentlichung dieses Aufrufes vei flössen. Seine Unterzeichner sind inzwischen sämmtlich von ihrem irdischen Wirkungskreise abgerufen worden, und das Unterzeichnete Eomitö hat von den Heimgegangenen diese hohe Aufgabe übernommen, die zu einem ersprießlichen Ende zu führen, ihnen versagt war. Die Zahl der jüdischen Bevölkerung in Jerusalem hat sich in diesen 25 Jahren verdreifacht, die englische Mission ist mit größeren Opfern als je bestrebt, durch den Bau reichlich ausgestatteter Spitäler die jüdischen Kranken an sich zu ziehen. Die Unzuträglichkeit alles dessen, was die jüdische Krankenpflege in Jerusalem zu leisten vermochte, ist aus den hier beigcfügten Cr-