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Der Israelit · 1896-01-23 · Heft 7 (23.1.1896) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 7 (23.1.1896)
Date
1896-01-23
Page
– (sequence 17)
Language
German
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X VH. Jahrgang. Imerte jütilnp ju M 7 des „Israelit". ZeituttgSnachrichte« ««d Gorrefpoudeuzeu. Italien. Rom, 12. Jan. Unter den Opfern, welche die Schlacht bei Amba-Alagi in Abessinien gefordert hat, befindet sich auch unser Glaubensgenosse Hauptmann Adrtrn Issel, welcher an der Spitze seiner Compagnie den Tod fand. Die italienischen Blätter rühmen den Heldenmuth des dre'unddreißigjährigen Offiziers, welcher in dem Kampfe bei Agordat sich so hervorlhat, daß er auf dem Schlachtfelde von General Arimondi mit der Tapferkeits-Medaille ausgezeichnet wurde. Rußland. Petersburg, im Jan. (Schulen.) Es erregt nichts mehr Elstaunen, wenn es sich um die Behandlung der Juden in Rußland handelt. Anbei indessen eine Thatsache. die hervorgehoben zu werden verdient. Wie derWoskhod vom 29. October/10. November berichtet, hätte die lernbegierige Jugend von Elisabethqrad die Joee gehabt, am Sonntag einen unentgeltlichen Cursus für das russische Rechnen, Geographie und Zeichnen einzuführen. Die Juden trugen zum Ankauf des Mobiliars, Bücher 2c. bei. Ein Jude gab unentgeltlich das Lokal her. Und nun wurde die Eröffnung dieser Art Schule nur unter der Bedingung gestattet, daß die Juden ausgeschlossen blieben. Indessen wurde der Cursus eröffnet, und hoffte man. day die Behörde diesen seltsamen Beschluß zurücknehmen würde. Es ging alles gut; indessen wurden die jüdischen Zöglinge unwiderruflich abgewiesen. Unter diesen Umständen sahen die wohlhabenden Juden nicht ein, wozu sie ein Werk begünstigen sollten, woraus die ungebildeten Juden keinen Nutzen zögen: nun wird der Cursus wegen mangelnder Geldmittel eingehen. Egypten. (M.) Alexandrien, 6. Januar. Der hiesige jüd. Handwerker verein „Jad Charuztm" (awn t), dessen Mitgliederanzahl in Anbetracht seines gedeihlichen und ersprießlichen Wirkens tmmermehr zunimmt, hat nun neuerdings einen Schritt nach vorwärts gemacht, um so dem Ziele, das er sich gesetzt, näher zu kommen. Er hat nämlich jetzt hier eine Talmud-Thoraschule unter dem Namen „a'snn t mm gegründet, in der den Kindern seiner Mitglieder eine entsprechende religiöse Erziehung unter der Leitung vortrefflicher und gewissenhafter Lehrer zu Theil wird. Bekanntlich besitzt dieser Verein schon längst fein eigenes Bethaus hier, dem sich nun diese Schule würdig anschlietzt. Die Leitung des Vereines, die Verwaltung des Gotteshauses und der genannten Schule ruhen in den Händen des Herrn F. H. Spitzer, dem Herr Abraham Coen als Secccrär ihätig zur Seite steht. Beide Hrrren erfüllen aber auch ihre Amts- und Vereinspfltchten aufs Gewissenhafteste. — Vor einigen Tagen ist hier Rabbi Salomon Nachmias aestorben, der eine merkwürdige phtlantropische Thätigkeit entwickelte. Geboren in Salonichi, eignete er sich dort nebst einem schönen jüdischen Wissen auch beträchtliche Kenntnisse der Medizin, Pharmaceutik und Chirurgie aus den einschlägigen hebräischen, lateinischen, türkischen und italienischen Werken an. Er begann dann in feiner Vaterstadt als Arzt zu practtziren, da man im Oriente noch heute ohne irgend welche Rigorose« oder Prüfungen gemacht zu haben, die Hetlkunst ausüben darf. Seine Thätigkeit widmete er zumeist seinen armen Glaubensgenossen, und zwar nicht so sehr als Arzt, wie als Krankenwärter. Später übersiedelte er nach Korfu, von wo er dann hierherkam. Hier wirkte er nun gleichfalls unter seinen armen Glaubensgenossen als Arzt, Bader, Zahnretßer, Krankenwärter 2c. und erfreute sich daher einer großen Popularität in den hiesigen jüd. Kreisen. Er hatte ein Alter von 70 Jahren erreicht. n"a»jn. Literarische Notiz. Levy, — Was soll aus den Juden werden, — Zürich, Eäsar, Schmidt, 50 Pfg. ord. Die Quintessenz dieser Abhandlung ist: das Verlangen einer vollständigen Gleichstellung der Juden mit den Andersgläubigen im Namen der Gerechtigkeit, dann wird es sich zeigen, wer bei dem Wettkampf auf dem Wege der Eivtlisation den Sieg davon trägt! ->■ Personalien. Nürnberg. Am einem der letzten Tage ist hier eine einfache Frau auf dem israelitischen Friedhof bestattet worden, mit der ein Stück Geschichte ins Grab sank. Der Toleranz und Humanität stets hoch haltenden Stadt gebührt das Verdienst, schon vor fast sechs Dezennien einem bei der Post angestellten Beamten jüdischen Glaubens eine zweite Heimath gewährt zu haben. Bereits im Jahre 1839 wurde Herr Joseph Wassermann in Nürnberg zum Postkondukteur ernannt, und seine Gattin war es. welche nunmehr im fast vollendeten 83. Lebensjahr das Zeitliche gesegnet hat. Nach nahezu 350 Jahren waren dieses Ehepaar die ersten Juden, die ihren Wohnsitz wieder in Nürnberg hatten; ste sind demnach als die Gründer der heutigen hiesigen israelitischen Gemeinde zu betrachten, denn erst neun Jahre später, im Jahre 1848, beginnt der weitere Zuzug von Israeliten.

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