Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 46 (10.6.1895)
- Date
- 1895-06-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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638 Caro. Derselbe war einer der größten talmudischen Autoritäten dcs Landes. Er wechselte Briefe mit den berühmtesten Gelehrten und selbst aus sibirischen Gemeinden aus Tomsk und Irkutsk gelangten Anfragen an thn. Bet der peinlichsten Frömmigkeit bewährte er aber auch eine seltene Toleranz und während des polnischen Aufstandes im Jahre 1864 redete er durch seine Bekanntschaft mit den Machthabern viele Menschenleben vom sicheren Tode. Seine hagadischen Werke sind über ganz Polen und Rußland verbreitet. Als hebräischer Stylist war er fast unübertroffen, aber auch deutsch schrieb und sprach er musterhaft. Trotzdem wurde er auch von den Chasstdim aufrichtig verehrt. Als ein Zeichen modernen Bewußtseins gilt seine letztwtlltge Verfügung, erst nach der gesetzlichen Frist von drei Tagen bestattet sein zu wollen. Bet der Trauerscier an seiner Bahre sprachen sieben Rabbiner, darunter der berühmte Rabbiner aus Plock. Die erste Condolknzdepesche war die des GmeralS Baron Krüdener aus Warschau. Aus den Städten der Umgegend waren Tausende herbeigeetlt, und das Gedränge während der fünf Stunden dauernden Feier war lebensgefährlich. Am letzte» Tage drr Trauerwoche hielt der jüngste Sohn des Verblichenen, Dr. Jezechtel Ca o, Rabbiner in Lemberg, in der hiesigen Synagoge einen Nachruf; die ganze Gemeinde war erschienen und war von tiefster Rührung ergriffen, als der Sohn den Verlust seines Vaters und Lehrers beklagte. Unter den anderen Kindern folgte auch der Universitätsprofcssor und Dekan der philosophischen Facultät in Breslau, Dr. Jakob Caro, tiefgebeugt der Bahre des Vaters. Den Heimgegangenen überlebte deffen Gattin, mit der er in mehr als 75jährtger glücklicher Ehe zusammengelebt hat. Der trauernden Familie gehen noch fortwährend Beileidsbezeugungen aus allen Ländern zu; die Werke des Verklärten aber bilden sein unvergängliches Denkmal. (K.) Tiflis im Kaukasus, 8. Mai. Vor einigen Tagen weilte hier eine Gesandtschaft des Emirs von Bokhara, die sich nach Petersburg begab, um dem Czaren Nicolaus und seiner erlauchten Gemahlin, der Kaiserin Alexandra, die Glückwünsche ihres Gebieters zu deren Thronbesteigung und dann auch eine ganze Menge von kostbaren Geschenken zu überbringen. Die Geschenke für den Czaren bestanden, zumeist aus Waffen.-Lager- und Jagdgegenständen, die für die Kaiserin hingegen aus Seiden,- Sammtuud Brokatstoffen, Jagd- und Reilpelzen, Schmucksachen rc. Die Seiden- und Sammtstoffe, welche bestimmt sind, zu Kleidern für die hohe Frau umgearbeitet zu werden, stammen fast insgesammt aus dem Judenviertel in Bokhara, wo schon seit Monaten Hunderte von jüdischen Sammt- und Seidenweberu beschäftigt waren, um alle diese kostbaren Producte des Webestuhls anzuferttgen. Man schätzt den Werth aller dieser Stoffe auf mindestens 140,000 Rubel, und dieser Betrag ist nun den Juden Bokharas zugute gekommen, die so über den Winter genügend mit Arbeit versehen waren. Ja früheren Zeiten pflegten die Juden Bokharas gewöhnlich zu erschrecken, wenn der Chasnedar (Zahlmeister) des Emirs sie in die Arx (Restdenzschloß) kommen ließ, um bei ihnen Bestellungen zu machen; denn gewöhnlich erhielten sie für die gelieferten Waaren keine Bezahlung, oder, wenn ste ja eine solche erhielten, so mußten sie ihren Verdienst mit den Beamten des Emirs rheilen. Heute herrschen nun auch in Bokhara andere Ansichten. Wenn jetzt der Emir eine Bestellung im Judenviertel macht, so bezahlt er auch alles pünktlich, und wenn nicht, so verkaufen die Juden ihre Forderung an die Filiale der russischen Retchsbank in Bokhara, die den Geldbetrag schon hereinzubringen weiß, Uebrigens ist Emir Abdal Ahad Chan ein gesitteter, anständiger Mensch und nicht mehr so wild, wie sein verstorbener Vater Muzzafer Eddin, der, bevor er unter die russische Oberhoheit kam, die Juden in seinem Reiche als vogelfreie Geschöpfe betrachtete, die man nach Gutdünken einkerkern, geißeln, verstümmeln, ja sogar Niederschlagen durfte. Palästina. Jerusalem. Die Regierung erließ einen ausdrücklichen Befehl an die jüdischen Schulen in Palästina, wonach die Erlernung der tückischen Sprache in denselben zur Pflicht gemacht wird. Die hohe Regierung bestätigte alle jüdischen Schulen im Heil. Lande. vermischtes. Schrimm. Nach dem Bericht über die rituelle Verpflegung der jüdischen Jnsaffen des LandarmenhauseS hterfelbst vom 1. Mai 1894 bis zum 30. April 1895 wurden 847 Mk. vereinnahmt, die bis auf 2 Mk. verausgabt wurden. ir sehen uns zu der Ecklärung veranlaßt, daß unsere Chocoladen — b.-i sorgfältigster Auswahl der Rohstoffe — auf das Gewissenhafteste rein hergestellt werden u. daß dieselben daher selbstverständlich nur aus Cacao, Zucker und eventuell Gewürz bestehen. Ausdrücklich bemerken mir, daß von uns in neuerer Zeit hergestellte Somatofe-Choco"aden u. Cacao in Packung sowohl als in der Form von den anderen Sorten streng unterschieden sind und auf den Etiketten spezielle Bezeichnung und in den Tafeln betreffende Stempel tragen; auch kommen diese mit den anderen Sorten weder vor noch nach der Fabrikation in keiner Weise in Berührung. (3223 Geb. de Giorgi, Chocolade-Fabrik, Frankfurt a. M.