Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1895)
- Date
- 1895-02-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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195 Seminar des Dr. Wise-Cinctnatti ein nach altjüdischer Weise errichtetes „Theological Seminary" in New-Aoik unter Leitung von streng orthodoxen Rabbinern und Privatpersonen. Da hierzulande das orthodoxe Judenthum sehr schwach vertreten ist, so ist nicht nur ein Zusammenhalten am richtigen Platze, wo es gilt die Interessen des gesammten Judenthums zu vertreten, sondern auch eine besondere Fürsorge einem Institut gegenüber nöthig, das dazu berufen ist, Männer zu erziehen, welche die einstigen Lehrer, Lenker und Leiter des Volkes werden. Eine Versammlung, die am vergangenen Sonntag dahier einberufen und gut besucht war, hatte den Zweck. Propaganda für das genannte jüdische orthodoxe Seminar in New-Aork zu machen, um, wie der Präsident des Institutes, Hon. Jos. Blumenthal sagte, mit 5 Dollar jährlichen Beitrag „Subscriber" und mit 10 Dollar jährlichen Beitrag „Patron" zu werden. Es wurde ein Comiis ernannt, das dazu berufen ist, dem Hauptcomilö Gelder zuzuführen, um dadurch die Schule als eine Pflanzstätte der Bildung von hoher Bedeutung sicher zu stellen. Der Chairman (Vorsitzende) Dr. Ahron Friede- Wald (Präsident der oithodoxen Lloydstreet Synagogue) wurde mit der Ausführung dieses Beschlusses beauftragt. Außer Rev. Dr. H. W. Schneeberger und Rev. Dr. Benj. Szold von hier, hielten noch Ansprachen Dr. S. Solls Cohen und Mendes Cohen Esq., beide von Phtladephia, und Rev. Dr. H. P. Mendes, Rabbiner der streng orthodoxen (sephardischen) portugiesischen Gemeinde der 19th Street Synagogue (Schearith Israel Congregation) in Rew-Aork. Außer versch. reformierten Tempeln und polnischen orthodoxen Gemeinden gibt es hier noch zwei streng orthodoxe deutsche Gemeinden: Shearith Israel (Greenstreet Synagogue) und Chizuk Emunoh (Lloydstreet Synagogue). Da die letztgenannte Synagoge in einem Siadtthnl gelegen ist, in welchem jetzt nur wenige deutsche orthodoxe Mitglieder wohnen, wurde in einem am vergangenen Sonntag abgehaltenen Meeting (Sitzung) einstimmig beschlossen, daß man bis gegen Rosch Haschonoh eine neue Synagoge in dem neuern (uptown) Stadttheil erbauen werde. Der Baugrund hiervon ist schon um den Preis von 7197 Dollar (ea. 29624 Mk.) angekaust und wurde sogleich ein Comtls ernannt, um den Verkauf der jetzigen Synagoge zu bezwecken, wozu sich auch schon Käufer anmelden ließen. Verschiedene down town Congregations, die zusammen eine Gemeinde zu bilden beabsichtigen, wollen diese kaufen. vermischtes. Eine von zahlreichen Angehörigen der israelitischen Gemeinde Düsseldorf an die Regierung gerichtete Petiton bittet um die Errichtung einer jüdischen Elementarschule. Eine solche Schule bestand schon in früheren Jahren daselbst. Als dieselbe wegen zu geringer Frequenz einging, verblieb ein Fonds, welcher bestimmt sein soll, für eine später wieder nothwendig werdende jüdische Elementarschule Verwendung zu finden. Unser Glaubensgenosse, der Beigeordnete Krause in Wöllstein (Posen», welcher zwei Jahre hindurch die Burgermeisterstelle daselbst verwaltet, erhielt als Anerkennung den Kronenorden vierter Klaffe. Derselbe wurde ihm dieser Tage durch den Landrath Graf von Westarp im Beisein der Magistratsmitglieder und der Stadtverordneten in feierlicher Weise mit einer Ansprache überreicht. Stadtverordnetenvorsteher Ziehe sprach darauf den herzlichsten Dank und Glückwunsch der Stadtverordneten aus, und Herr Krause dankte mit dem Versprechen, daß er, um sich der ihm erwiesenen Ehre würdig zu erzeigen, auch ferner seine ganze Kraft in den Dienst der Allgemeinheit und des Vaterlandes stellen und dem König treu und gehorsam dienen wolle. Wie aus Heidelberg vom 23. d. M. berichtet wird, wurde das daselbst erscheinende Antisemitenblatt »Bad. Volksbote" wieder wegen Aufreizung zum Klassenhatz beschlagnahmt. Grund der Beschlagnahme ist ein Artikel aus Müllheim, der unter dem Titel »Sang an Abram" ein die Israeliten in schmählichster Weise beleidigende- Gedicht enthält. Die Gemeinde in Gollantsch wählte jüngst als Kultusbeamten einen Herrn Leiserowitsch; derselbe hat von dem Minister des Innern die Erlaubnitz erhalten, sich in ganz Deutschland aushalten zu dürfen, die Königliche Regierung in Bromberg hat jedoch die Bestätigung versagt. Leiserowitsch ist zwar Ausländer, hat aber bereits über 30 Jahre als Kultusbeamter fnnktionirt, er war zuletzt 8 Jahre in Sandberg als Beamter thätig. Wie« 18. Januar. Gestern wurde eine gewisse Katharina Schwab, 20 Jahre alt und wohnhaft in Währing, verhaftet, und zwar wegen des nachstehenden Vorfalles: Eie erschien in dem GeschäftSlokale des in der Brigittenau, Othmargaffe Nr. 12, etablirten GemischtwaarenhändlerS Nathan Neumann und bot ihm, nachdem sie zuvor dringend um Verschwiegenheit gebeten hatte, ihr Kind um den Preis von 3"0 fl. zur — Abschlachtung an! AlS Neumann darauf einen Wachmann rief, um ihm die Wahnwitzige zu übergeben, rief diese lachend; „Ich habe gar kein Kind, ich habe nur probiren wollen, ob Sie auf meinen Antrag eingehen werden und dann hätte ich Sie bei der Polizei angezeigt". . . Als der Wachmann sie fragte, ob sie sich denn der Tragweite dessen, was sie versuchte, gar nicht bewußt sei, erwiederte sie: „Es wär' halt ein Spaß word'n!" Die offenbar ebenso alberne, als durch bekannte Einflüsse verrückt gemachte Person wurde zur Polizei gestellt. Duua-Szerdahely. Bor Kurzem wurde hier ein recht frommer, redlicher Mann, Herr Israel Ehrlich i“Ty unter allgemein kundgegebener Theilnahme zur ewigen Ruhe bestattet. Der Verblichene war der Schwiegersohn des rühmlichst bekannten mc t^npn Distyn jwjn am .mjn am pai" idd n"Dnj?a ns T'atn r'prar *0« iory An der Bahre seines Vaters sprach Herr Jakob Ehrlich ’"j, der aus Tyrnau herbeigekommen war, in ergreifender Weise Worte des Schmerzes und hob dessen Tugenden und beispielswerthe Liebe zur Thora und deren Träger hervor. In Chivago hat jüngst eine christliche Dame Miranda Lux 5000 Dollars der israelitischen Kinderbewahranstalt und