Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 45 (28.10.1915)
- Date
- 1915-10-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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&ÖMEUT fflfTgTjrii M 45 Frankfurt «. M., den 28. Oktober 1915. 20. Marcheschwan5676. M 45 Der „Frankfurter Israelit" wird mit dem JSraelit" abonniertAbonnement für beide Blätter zusammen Mk. 4.50 vierteljährlich i Inland v Inserate tm „Frankfurter JSraettt" kosten 35 Pfg. für die fechSgefpattene Lolonelzeile} Rabatt nach Tarif. Inhalt. Amerikas Neutralität — DieÄZoche: 1. Hohenzollernfeier in der Synagoge Fricdberger Anlage. 2. Zum Andenken an Rabbiner Schüler 3. Das Organ der A. I. Jugendorganisation. 4. Judenwanderungen in moderner Zeit. » Jüdische Frauenvereinigung und Agudas Jisroel Mädchengruppe. 6. Für unsere Soldaten! — Bereinskalender. — Familiennachrichtcn. — Gebetzeiten. — Amerikas Neutralität. Eine amerikanische Stimme aus Frankfurt«. M. In der „Berliner Börsen-Zeitung" vom 2. Oktober schreibt Herr Simon W. Hanauer, vormals Vizekonsul der Vereinigten Staaten zu Frankfurt a. M.: Mein Brief vom 12. Mai an den Bank- Präsidenten Dale, der von amerikanischen und deutschen Zeitungen veröffentlicht wurde, enthielt eine Warnung an unsere Regierung und Volk bezüglich der von diesen bisher eingenommenen Stellung gegenüber Deutschland und dessen Alliierten. In meinem 'Aufsätze „The Death Struggle of Eiirope", welcher von vielen Zeitschriften in Amerika und Europa abgedruckt wurde, legte ich klar die politische Situation der kriegführenden Staaten und den Einfluß derselben auf die Vereinigten Staaten. Die Vorkommnisse, die sich seither abgespielt haben, bewährten die in jenem Aufsatz gemachten Darlegungen, und der ungünstige Stand unserer Beziehungen zu Deutschland und Oesterreich-Ungarn beweisen, wie recht meine Warnung war. Es ist für uns eine sehr ernste Angelegenheit, daß zwei Großmächte mit 120 Millionen Menschen, mit denen wir immer freundliche Beziehungen Pflegten, jetzt uns der Verletzung der Neutralitäts- Verpflichtung anklagen und daß wir ihre Gegner dermaßen begünstigen, um aus uns einen Alliierten der 4 Entente-Mächte zu machen. Unsere Ankläger behaupten, daß durch die ungeheuren Massen von Waffen, Munition und wirkliche. Kriegskonterbande, welche den Gegnern Deutschlands aus den Vereinigten Staaten zugeführt werden, Deutschland und seine Alliierten mehr geschädigt worden sind, als durch die aktive Beteiligung Serbiens oder Belgiens am Kriege! Außerdem stempeln sie als 'Ausflucht und Spitzfindigkeit die Erklärung unseres Ministers des Aeußeren (Bryan), wonach wir durch diese Zuführung von Kriegsmaterial nicht gegen das Völkerrecht verstoßen, und daß wir 'ogar unsere Neutralitätspflichten verletzen würden, falls wir diesen Zufluß von Kriegsmaterial ,ibstellten. Diese „Bryan-Doktrin", welche unsere Regierung beibehalten hat, scheint sehr sonderbar und, unlogisch zu sein, und hat keinerlei Holt durch irgend welche Präzedenzfälle oder Tradition in der Geschichte unserer Nation. Man beachte folgendes : Wenn beabsichtigt würde, eine Schiffsladung Klapperschlange n cm eine der Kriegsparteien gelangen zn lassen, so würden unsere Regierungsbehörden sie m Beschlag nehmen, ohne erst Bücher über Völkerrecht zu studieren, ganz abgesehen davon, ob diese Labung auch in gutem Zustand ihre Bestimmung erreichen und Unheil stiften könne. — Nun, 100,00t' solcher Giftschlangen — ausgesetzt in den Feldern oder Straßen in Deutschland oder Oesterreich-Ungarn — würden kaum einen nur geringen Teil der Todesarbeit verrichten, welche von einer einzigen Waggonladung Schrapnells ober Flintenpätronen, gefeuert auf die Schlachtlinien deutsch - öfterreich - ungarischer Soldaten, verursacht wird. Noch würden unsere Behörden es zulassen, daß Ladungen von Cholera-, Typhus- oder Gelbfieber-Bazillen nach Europa verschifft würden, um in den Armeen Seuchen zu erregen. Ungefähr 96 Millionen unserer Bevölkerung bekennen sich zur christlichen Religion und, obgleich, sie in viele Sekten geteilt sind, die nicht unteinander harmonieren, so beteuern! sie doch alle, die Lehren der Menschenliebe und Barmherzigkeit zu befolgen. Neutralität, die unterstützt — und Christlichkeit, welche zuläßt — eine derartig ungeheure Besorgung von Todesurteil, um Freunde und Glaubensbrüder zu.vernichten, wäre bloß Täuschung und kahle Ausflucht. Nicht nur Bedenken auf Pflichtforderung, Religion und Menschlichkeit, auch politische Meli unftsgründe sollten die Bereinigten Staaten veranlassen, die seither behauptete Stellung zu den kriegführenden Mächten in Europa urntzuändern und sich fernerhin zu enthalten, die Entente- Mächte in deren Kampf mit Deutschland und seinen Alliierten zu begünstigen. Denn, falls die jetzt bestehenden Richtlinien und unfreundliche Behandlung gegenüber den Letztgenannten beibehalten wird, würde ein für uns sehr gefährliches Kraft-Element entstehen. Die Gefühle der deutschen und österreichisch-ungarischen Völker sind intensiv erregt und werden eine feindschaftlich-feste Form annehmen, wenn wir nicht schleunigst die Munitions- und Waffen- Lieserungen an ihre Feinde abstellen und kraftvolle Stellung gegen Englands Autokratismus und Vergewaltigungs-SysteM einnehmen! Meine vormalige Beschäftrgung als auswärtiger Korrespondent für unsere heimische Zeitschriften und — darauffolgend — mein 16 jähriger Dienst als Konsulatsbeamter der Vereinigten Staaten zu Frankfurt a. M., mit guter Kenntnis deutscher Sprache und Verhältnisse, haben mich in enge Berührung mit verschiedenen Gesellschaftsklassen Deutschlands gebracht (Juristen, Redakteure. Beamte, Schriftsteller und Künstler, Kaufleute und Fabrikanten, Geistliche, Lehrer, Arbeiter, Acrzte u.s.w.)' Dadurch erlangte ich viel Erfahrung über deutsches Wesen, Eigentümlichkeiten, Gewohnheit und Zustände im allgemeinen. (Schluß folgt.)! : , A, —-— : ' || Die Woche r agiBcae—mmosemmmewmfiemBmKosmm» iS KoHenzollerufeier in der Synagoge Kriedöerger Anlage. In äußerst würdiger und erhebender W?ise wurde beim Gottesdienst in der Synagoge Friedberger Anlage am letzten Sabbath des Hohenzol lern-Jubiläums gedacht. Nach dem stimmungsvollen Vortraae eines Psalmes durch den Herrn Ober kan tor hielt Herr Rabbiner Di*. Breuer eine tiesdurchdachte, eindrucksvolle Festrede, in der er unter Zugrundelegung des Psalmsatzes D.T32 DJ D*T»Sc 1t ’JYHjn VVHS 11DV DK 12V' *1? HP die vom Geiste der Gottesfurcht und Gerechtigkeit beseelte Regierung der Hohenzollern schilderte und die Bedeutung dieses Jubelfestes in schwerer Zeit betonte. Ern vom Chore schön vorgetragener JT6pd,1 1'V beschloß die Feier. I«r» Andenken an Rabbiner Schüler Auf Einladung der A. I. Jugendgruppe fan - sich letzten Sonntag Nachmittag 5 Uhr nr ven Vereinsräumen, Hanauerlanpftr. 17, eine überaus zahlreiche Versammlung ein, um das Andenken des unvergeßlichen Rabbiner Schüler? zu ehren. In einer trefflichen, von Herzen kommenden und von Liebe zur Thora und ihren Trägern beseelten Gedenkrede schilderte Herr Direftor Dr. Lange den herben Verlust, den das Thorajudentum und besonders di« Jugendgrupps durch den Tod dieses' rastlosen, nimmermüden nnd in schlichter Größe dahinlebenden Lehrers erlitten haben. Es war eine imposante Trauerkundgebung, die es alle Teilnehmer tief empfinden ließ, wie das 'Andenken des Verstorbenen uns auch ferner zum Segen gereichen wird. pH3C 127 roinS- Das Hrga» bet A. I. Jugendorganisation. Das Oktoberheft der „Blätter" der „Agudas Israel Jugenp-Organisation" (Bund setzestreuer jüdischer Jugendvereine unter Mitwirkung des Gruppenverbandes der Agudas Jisro"l für Deutschland) ist in der gleich schönen Ausstattung wie die früheren vier Hefte erschienen^ Die Nummer enthält folgende Aufsätze: Nachruf auf Rabbiner S. H. Schüler Xt. —S.Schachnvwitz- Frankfurt: Im Zeichen des Weltkrieges — Wolf S. Jacobson-Hamburg : Warschaus Fall. — Joel Säuger-Fr an!flurt: Notizen. — ***: Die gegenwärtige Lage im heiligen Lande. — Ans unserer Bewegung! — Spendenverzeichnis. Indenmondernn-e» in moderner Ieit. Sonntag, den 7. November, abends *U 9 Uhr wird im Saale der Suppenanstalt, Theobald-