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Der Israelit · 1915-08-12 · Heft 34 (12.8.1915) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 34 (12.8.1915)
Date
1915-08-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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M 34. fr<tnMnri „ m hp„ 12, August 1915. Frankfurt a. M.» den 5675. M 34. Der „Frankfurter Israelit" wird mit dem I Sraelit" abonniert; Abonnement für beide Blätter zusammen Mk. 1.60 vierteljährlich (Inland). Inserate im „Frankfurter JSraeltt" kosten 25 Psg. für die sechsgespaltene Tolonelzeile; Rabatt nach Tarif. Irrhatt. Die kurhessische Judengesetzgebung in der Gemeinde- Commission des Abgeordneten-Hauses. — Ferienzeit im Mädchenhort. - Die Woche: 1. Ellul-Slichoth. 2. Ellul-Vortrag. Die Kochkiste: — Vereinskalender. — Familien-Nachrichten. - Gebetzeiten. Die kurhesiische Zudengesetzgebung in der Gemeinde-Lommission des Abgeordnetenhauses. .Sch,.«, Arme kurhessische Gemeinden! Ihr habt die Gründe gehört, die es unmöglich machen sollen, Euch selbst die Wahl Eurer Vorsteher anzuvertrauen! — Ein Recht, das jeder Kegelklub besitzt, ja jeder Neger und Buschmann, sich selbst seine Häuptlinge und Anführer zu ernennen! — Ihr würdet Euch „in Zank und Hader" selbst vernichten, wie ja schon das Bestreben, die Euch nach dem Neligionsgesetz zustehenden unveräußerlichen Rechte zu erkämpfen, angeblich unlauteren Motiven entspringen soll! Ruhe soll unter der Herrschaft des derzeitigen Gesetzes in den Gemeinden herrschen, meinen unsere Gegner. Als ob solche Ruhe dem Geiste des jüdischen Religionsgesetzes, oder dem Geiste irgendwelcher anderen religiösen, staatlichen oder sozialen Corporation entspräche? —Meint man doch nicht mit solcher Ruhe etwa eine heitere Zufriedenheit aller Mitglieder des Organismus, daß jeder sich selbst und dem Ganzen genüge, nein! eine Kirchhofsruhe, die eventuell mit dem Schutzmannssäbel nachhtlft, wenn auch nur — ein zweites Minjan am Platze angestrebt wird! Diese Ruhe aber ist der Tod! Wo Leben ist, da ist Kampf, da ist Geben und Nehmen, auch wenn einmal ein Wort zu viel fällt, auch die Gemeindestube mal etwas lauter ist. — Wo aber alles in erzwungener Ruhe erstarrt ist, da ist der Organismus krank, da ist er am Absterben, oder in Wirklichkeit schon lange tod. Nun will ich es nicht unerwähnt lassen, daß gerade von Hanau aus vor etwa 5 Jahren der erste Ansturm gegen das kurhessische Judengesetz erfolgte. D e Petition des Herrn Rechtsanwalt Dr. Nußbavm, welche genau das Gleiche erstrebte, war von zahlreichen Unterschriften begleitet. Ebenso ist aus Stadt und Kreis Eschwege eine gleiche Petition an das Abgeordnetenhaus abgegangen, welche nicht minder von zahlreichen und den besten Gesellschaftsklassen angehörenden Gemeindemilgliedern unterzeichnet war. Aber daß selbst in Cassel, der Hochburg des Landesrabbinates, unsere Bestrebungen reichliche Anhänger gefunden haben, möge daraus hervorgehen, daß zur Zeit sämtliche Gemeindeältesten sich unterschrtftlich im Sinne unserer Petition erklärten. So haben wir auch die feste Zuversicht, daß in Gottes Hilfe der Tag nicht ferne sein wird, wo es uns endlich gelingt, unser Recht und unsere Freiheit zu erlangen. Wir haben es wieder und wieder ausgesprochen, daß wir das Gute in diesem Gesetz nicht zerstören wollen, insbesondere nicht die Art und Weise der Anstellung und der Fürsorge für unsere Beamten. Aber über dem Wohl des Beamten können und dürfen die G emein den nicht vergessen werden, um deretwillen die Beamten ihre Wirksamkeit entfalten. So wäre es auch sicherlich im Sinne unserer Bestrebungen, daß unsere Rabbiner und Vorsteher gemeinsam an unserem Werk sich beteiligen, denn ob mit oder ohne sie, die Wahrhaftigkeit und die Lauterkeit unserer Sache trägt die Bürgschaft in sich, daß wir mit Gott unser vorgestecktes Ziel einst erreichen. Cpm1? nslö ö’ött KW Ferienzeit im Mdchenhorl. Kriegsjahr! — Die Kriegszeit verlangt Aufopferung und völlige Entsagung von den Großen. Aber es ist ein bitteres Gefühl, daß gerade in den Kreisen der Armen, wo die Not am größten, und Wenns gar jüdische Flüchtlinge sind, das Leid am schmerzlichsten, die Kinder so ganz in dem traurigen Elend ohne eine so nötige Erholung verbleiben sollten. Fürwahr, wir alle wissen, daß das Leben jetzt Schweres birgt. Leid und Sorgen sind in der Menschheit verteilt, und es ist nicht möglich, all die Sommerwünsche zu erfüllen. Die schönen Anstalten in unserem gesegneten Vaterlande konnten in diesem Jahre nicht für eine Unterbringung der Kinder, wenigstens zum größten Teil, in Betracht kommen. Manch blasses Kindchen, dem die gute Luft und Kost gewiß die Wangen gerötet und neue Kraft dem schmächtigen Körper zugeführt hätten, mußte in der dumpfen Wohnung bleiben ohne Aufsicht —, da der Vater zum Kriegsdienst etngezogen, und die Mutter tagsüber, beladen mit Ware, treppauf, treppab für den dürftigen Unterhalt zu sorgen hat. Es war deshalb ein glücklicher Gedanke des Vorstandes des Hortes für jüdische Mädchen, den Hort in der Bärenstraße nicht wie sonst Inder Ferienzeit zu schließen, sondern vor- und nachmittags die Kinder kommen zu lassen und mit ihnen hinaus in Gottes Natur zn wandern und hierdurch einen bescheidenen Ersatz für die Sommerkur zu bieten. Nahezu 90 Kinder wurden dadurch den ungesunden Verhältnissen tagsüber entrissen. War das eine Freude! — Wie eine große Familie versammelt man sich täglich zum Abmarsch. Manche Sorge dieser Kleinen erfuhr man dabei. Es ist arg, was hier schon für seel sche Schmerzen durchzubetßen sind. Eine Kleine — ein liebes, herziges Ding — erzählte, daß ihr Vater, ein Oeftretcher, hinaus mußte, um für sein Vaterland zu kämpfen und zu Hause waren 9 Kinderchen ohne jegliche Fürsorge, da auch die Mutter seit Monaten im Krankenhaus lag. Durch die Bemühungen edler Menschen wurde helfend eingegriffen und ein Teil bereits untergebracht. Und wie hängt das Kleine mit einer rührenden Liebe an dem Vater. Ein Vorkommnis führt so recht die Anhänglichkeit und Verehrung vor Augen. Mitten auf dem Marsch zum Wald fängt das Kleine an, bitterlich zu weinen, und auf die Frage, was ihm fehle, klagt es, daß seine Stiefelchen zu eng wären und es am Gehen hinderten. Da man mitten auf der Wiese ist, soll es seine Sttefelchen ausziehen; aber das kan unser Kleines nicht machen, der Vater sagte ihm mal, es dürfte nicht barfuß gehen. Ohwohl der Vater nun weit weg ist, hängt das Kind doch voll und ganz an seinen Worten. Mit einer unbeschreiblichen Freude wurde ein Spaziergang nach dem Palmengarten unternommen. Das war ein Jauchzen, als dieser herrliche Park mit seinen wundervollen Blumen besichtigt werden durfte. Unvergeßlich bleibt der Eindruck, den die Kinder hier empfingen. Ein ander Mal wurde mit der Waldbahn nach dem schönen Stadtwald gefahren und dort stundenlang Rast gemacht. W.e dehnten sich da die Lungen —! Leuchtende, dankbare Blicke bei allen Kindern! Es war für alle Teilnehmer das schönste Erlebnis. So manches ließe sich berichten über die mit den Kindern verlebte Ferienzeit. Mit einer außerordentlichen Befriedigung find die vier Wochen vorübergegangen. Möge es im nächsten Jahr, so Gott will, wieder gegönnt sein, für die Kinder Badekuren zu ermöglichen, damit Körper und Geist, frisch gestärkt, die schweren Aufgaben deS Lebens erfüllen können! —eeBBaBQBee«QB«BBBBBBBBa—a—■ j| Die Woche J Kttnk-Skichoth. Auf Anordnung des RabbtnatS und des Vorstandes — auf Grund des im Hauptteile veröffentlichten Rundschreibens des Orthodoxen Rabbinerverbandes — wird in der Synagoge Fried- TSIOLFSECK Diepopulärcte Cigarre onsorfiS/t I2H sortier? 15^ G.M.HOL2 HOFLIEFERANT FRANKFURT«» •Vi;..u? ■; 4" -? ' 'i u;,4 si,; ' i

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