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Der Israelit · 1915-06-17 · Heft 26 (17.6.1915) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 26 (17.6.1915)
Date
1915-06-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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£#lffera rische Warft LK. Vücherschau Moses de« Maimon. Ein Lebens- und Charakterbild von Simon Eppenstein. Sonderabdruck aus: Moses ben Maimon. Bd. II. 103 S. 8°. 1014. Gustav Fock. Matmonides' Leben und Werke sind schon oft so- ' wohl streng wissenschaftlich als volkstümlich dargesrellt worden (es seien von Schriften aus jüngster Zeit nur die große Biographie von Münz und die Jugendschrift von Unna genannt), und man wäre geneigt, eine neue Darstellung für überflüssig zu halten. Nichtsdestoweniger begrüßen wir mit dankbarer Anerkennung die anzuzeigende Schrift als eine wertvolle Bereicherung unserer Kenntnis des großen Spaniers. Eppenstein, der sich seit Jahren ganz besonders liebevoll mit der geonäischen Epoche und den damit in Zusammenhang stehenden Perioden der jüdischen Geschichte beschäftigt und bereits manches wertvolle Ergebnis feiner Studien veröffentlicht hat, zeichnet uns ein neues Charakterbild des Mäimonides, das die älteren Biographien wesentlich ergänzt. Er berichtet nicht nur die bekannten Ereigniffe, sondern deckt auf Grund seiner Forschungen über die Zeitoerhältniffe intereffante Zusammenhänge auf und läßt durch den scharf umrtffenen Hintergrund die Hauptfigur seines BildeS um fo klarer hervortreten. Als Quellen dienen Wn neben den Werken und sonstigen Schriften des Mäimonides und anderen seit lange bekannten Literaturdenkmälern namentlich die reichen Schätze der Genisa sowie viele in den letzten Jahrzehnten veröffentlichten und manche noch unedierten Materialien. — Wir erhalten wichtige Ausschlüffe über das Leben und die Leiden der jüdischen Gemeinden in Spanien, in Palästina und in Nordafrika, über die dort geistig wie politisch einflußreichen Persönlichkeiten, über die Veranlaffung zu den einzelnen Werken des Mäimonides, über deren Eigenart — soweit deren Kenntnis über das Wesen des Verfaffers Aufschluß geben kann - und hie und da auch über ihre Wirkung auf die Zeitgenossen und aus spätere Generationen. Diese Fülle von Stoff wird uns in einer Form dargeboten, die nicht trocken ist und ermüdend wirkt, sondern eine angenehme und anregende Lektüre bildet. Anregungen zu wiffenschaftlichem Nachforschen geben insbesondere die Quellennachweise und sonstigen Bemerkungen, die in zahlreichen Noten den Text begleiten. Man mag über Einzelheiten anderer Ansicht sein als der Berfaffer, (ich denke da z. B. an die Inanspruchnahme des Mäimonides für den jüdischen „Nationalismus"), trotzdem wird man ihm für seine fleißige Arbeit und vor allem für die Berichtigung mancher Jrrrümer früherer Geschichtsschreiber Dank wiffen und sich freuen, daß wir der vollen und uneingeschränkten Würdigung des unvergleichlichen Glaubens- und Wiffenshelden wiederum ein gut Stück näher gekommen sind. B. Die hallescheu Jubeu im Mittelalter. Bon Siegbert Neufeld. Berlin, 1915, im Selbstverläge des Verfassers. S. 27. Holzmarrtstraße 60. Die Stadt Halle war als Bollwerk gegen das Vordringen der Slawen an der alten deutsch-slawischen Sprachscheide angelegt worden. Wie das Neufeld'sche Buch in trefflicher Werse darlegt, haben sich bereits in f-üher Zeit die in Halle angefiedelten Juden als Hort deutscher Kultur erwiesen und sich am Kamvfe für das Deutschtum in Halle in hervorragendem Maße beteiligt. Der Verfasser hat die Geschichte der Hallensischen Juden eingehend insbesondere unter Benutzung der zahlreichen verstreuten — auch hebräischen — Quellen untersucht. Sein Werk gewinnt dadurch au Bedeutung, daß er fünfzig Rechtsgutachten von Rabbinern als historisches Material benutzt hat. Es ist zu hoffen, daß diese Rcchtsgutachten noch ausgiebiger werden verwertet werden. Die öffentlichrechtliche Lage der Hallensischen Juden ist in einem besonderen Abschnitt mit großem Geschick bearbeitet worden, während ihre pridatrechtlichen Verhältnisse leider nur kurz gestreift sind. Im Allgemeinen ist nach dieser Bearbeitung ihre rechtliche Lage nicht ungünstig, wie vielseitig angenommen wird. Die Anmerkungen, die leider durch ein Versehen des Druckers — Emil Streisand in Berlin SW., Alte Jakobstraße Nr. 120 — von Nr. 1 bis 300 durchnummeriert sind, enthalten eine Fülle wissenschaftlichen Materials. Auf die Mitteilung aus der Werningeroder Chronik sei hier noch besonders hiugewiesen. Der Text, der sich von wissenschaftlichen Erörterungen fernhält, ist auch für den Laien lesbar. Die Arbeit kann im ganzen nur als wohlgelungen und sehr fleißig erachtet werden. W. Lehrbuch der jüdischen Geschichte und Litteratur. Von C. H e ch t und Dr. M. Kahserling. Neu bearbeitete neunte Auflage von Landrabbiner Dr. D o c t o r in Cassel, 1914. Leipzig, Gustav Engel. Die kurze Zeit zwischen dem Erscheinen der achten und neunten Auslage des Kayserling-Docior'schen Lehrbuches beweist, daß es sich rasch Freunde erworben hat. Die klare und frische Schreibweise, die ruhige Sachlichkeit mit einer gewissen Wärme verbindet, lassen diese Beliebtheit des Buches als verdient erscheinen. Der Breslauer Parteistandpunkt, der naturgemäß in der wissenschaftlichen Tendenz des Buches sich nicht verleugnet, ist doch bewußtermaßen Gunsten einer dem gesetzestreuen Juden sympathischen Traditionsfreundlichkeit zurückgedrängt. Die Sadduzäer erhalten allerdings noch immer zuviel Gloriole. Sehr hübsch sind die reichlichen Litteraturproben am Schluffe. Kriegsbriefe deutscher und österreichischer Juden. Herausgegeben von Dr. Eugen Tannen - ö a u m. IV. 192 Seiten. Gewicht 230 Gramm. Preis 2.50 Mk. gebunden. Neuer Verlag, Berlin W. 15., Sächsische Straße 9. Die Sammlung enthält 64 Briefe aus Frankreich, Belgien, England, Ostpreußen, Russisch-Polen, Galizien, Bosnien und Serbien, die einen Zeitraum von vollen ackt Kriegsmonaten umfassen. Bunt wie vie Herkunft der Schreiber — sie gehören allen Schichten und Berufen, allen religiösen und politischen Richtungen an, die die Judenheit nur kennt — ist auch der Inhalt. Sie schildern alle möglichen militärischen Situationen, von der Einkleidung des Rekruten bis zum Krachen der Schrappnerss in offener Feldschlacht. Wir lesen den Abschiedsbrief des kleinen jüdischen Viehhändlers, Vaters von sieben Kindern. Wir hören von dem fast beschaulichen Leben in einer kleinen Garnison und von kühnen Ritten, vom Eisernen Kreuz, vom Leben in englischer Gefangenschaft und vom Gottesdienst am Versöhnungstag in einer katholischen Kirche. Daß der Schützengraben eine große Rolle spielt, braucht wohl nicht gesagt zu werden. Die meisten Briefe berühren durch ihren frischen Ton. Es fehlt auch nicht der spezifisch Mische Humor in seiner ätzenden Form. Die Originale zweier Briefe sind jiddisch und mit Hebräischen Buchstaben geschrieben. Der eine ist klischiert und übersetzt, der andere mit deutschen Lettern ttansskribiert und mit Fußnoten versehen, die das Verständnis erleichtern. - Da der Krieg mit den großen jüdischen Feiertagen zusammensiel, kommt die religiöse Note und das Solidaritätsgefühl für die jüdische Gemeinschaft sehr stark zur Geltung. Den Tod im Auge, hat mancher Jude an den ernsten Tagen, am Rauschhaschonoh und Jom- Kippur alte Zusammenhänge ganz anders empfunden, als es die seelische Lässigkeit sonst erlaubt. Aber auch die heiteren Tage der Chanukkah- und Pessachwoche bleiben nicht vergessen. rvftyi Q'H-*7 "iss bv 'n pbn s'2'2n*tro -iöd maivmn Divvp rba 'ha '-i robnS n'np' ."Vtb p"p2 ac^oi r1 Selbstverlag des Verfassers, Rabbiner E. R e i G Thrnau, Ungarn. Aus der gediegenen Feder des Rabbiners E. Reich. Thrnau, Verfasser des Werkes „Masfas B e n j a m i n", von dem his heute zwei Bände schon erschienen sind, ist nun der dritte Band seines berühmtes Werkes erschienen. Er enthält sehr schön erklärend alle auf das fünfte Buch Moses sich beziehenden schwersten Talmud- und Midraschstellen. Diesem dritten Bande ist ein Anhang, betitelt: „Künteros-Hatschuvos" beigefügt. In diesem wirst der Berfaffer tief in die Halacha einschneidende Fragen auf, welche uns ein Kares Bild seines gründlichen rabbinischen Wissens auf dem Gebiete der „Halacha" entrollt, sodaß wir auch diesen dritten Bänd jedem jüdischen Gelehrten aufs wärmste empfehlen können. H. Az Isten lät. Gelegenheitsrede und Gebete von Dr. Arnold Kiß, Altosen. Fohäszok. Dr. L. Venetianer, Ujpest. Ter Krieg verroht die Sitten; er lehrt aber auch beten. In den großen tragischen Stunden, wo Brüder und Söhne mir dem Schwert unser Heim verteidigen, findet unsere suchende Seele am leichtesten den Weg zu Gott. Wir fühlen uns in Seiner Rahe sicher; vom schützenden Flügelschlag Seines Geistes umschwebt, findet das tobend bangende Herz Beruhigung. Diese “pr*np v'pvpvv-Snmmung schuf sich ihre Literatur. Neben den seelenliefen rnn'^o, den warmen nirnn haben auch die obigen Gebete und Reden der Zeit ihr Dasein zu danken. Aus bellkling-nden Worten tönt Trost und Zuversicht für den Kreis, dem sie bestimmt sind, heraus. Aus der jüdischen Träne, die sie dem Hörer aus die Wimver zaubern, blitzt ein schimmernder Hoffnungsstrahl, der eine schönere, glücklichere Zeit ahnen läßt. Kiß bleibt wie immer, auch hier ein Rhetor, der die Klaviatur des Gefühls meisterhaft beherrscht; der auch mit dem piBD Wirkung zu erzielen versteht; Venetianer meldet daS hebräische Zitat, aV wrllte er den jüdischen Prediger, der er einmal ist, nicht zn erkennen geben. Z.B.Ä.

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