Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1915-04-08 · Heft 16 (8.4.1915) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
55 (1915)
Issue
Heft 16 (8.4.1915)
Date
1915-04-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2446951-2448506-2448522--67426-2488307
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

915. 8. April 1915 Der Israeli» No. 16 Sette 5 »bend. Herr ötenoaus) nstes. kaschi. 'w z: 'e: üleri. lü/en. agvst« ulz cfanle penn \ der r des l der nie! ixfea. «fl Ite. imcn t die :m )Uui» iolPB chteii einer Jlten. , mit i Poafjcn, rden, >lizeiendig )ieies cf die!rueiz des lau- Zank. eren Beodfl fälle vei stel Kchweden. Ein jiiflifcftes Hilfshomifee in Sckiweöen Slokyotm, 29. März. In Stockholm hat sich ein jüdisches Hilfskomitee gebildet, das für Schweden eine Geldsammlung zur Unterstützung notleidender Glaubensgenossen in den vom Kriege betroffenen Ländern organisiert. Der Aufruf ist von Dr. Ehrenpreis, Lamm, Marburg und anderen bekannten Persönlichkeiten Schwedens unterzeichnet. Die zuflleßenden Mittel sollen unparteiisch jedesmal nach dem Lande abgeführt werden, wo gerade die Notlage der Juden am größten ist. Qattemavk. Der öolusmarfdi. Aoperrßagen, 22. März. Am Schluß eines längeren Kriegsberichtes schreibt der engliche Reporter Tuohy in der „Daily Mail" : „Am Dienstag legte ich die Reise von Warschau bis zur Front, die nur 30 (englische) Meilen beträgt, in vier Stunden zurück. Um zum Ziel zu kommen, mußte unser Auto sich durch endlose Züge von Juden hindurchwinden, die mir all ihren Möbeln und Habseligkeiten — auf gebrechlichen Wagen untergebracht — auf der Wanderschaft waren. Häusig wurden wir durch zusammenbrechende Gefährte aufgehalten, die den Weg versperrten. Diese tragische Prozession war nicht etwa die Folge eines russischen Rückzuges, sondern eines strengen Befehls, daß die Juden ein Gebiet innerhalb 50Meilen von der Front räumen mußten. Man hätte nämlich in der Fabrik von Dietrich in Zyradow, in der vor dem Krieg nur Juden als Arbeiter beschäftigt waren, eine zementierte Basis vorgefunden. Wie ich erfahre, soll der Befehl auch .auf die 300000 Deutschen ausgedehnt werden. Wer sich hier nicht als echter Pole ausweisen kann, dem droht ein Aufenthalt in Sibirien." Kutztarrd. Rußland mirö für die Juden nichts tun Wetersvurg, 22. März. In der Konferenz, die vor der Eröffnung der Duma zwischen Regierung und Abgeordneten abgehalten wurde, hat oer Minister des Innern, laut Mitteilung der Zeitschrift „Nowi-Woechod", inbezug auf die Juoenfrage erklärt, daß die Regierung unter oen obwaltenden Verhältnissen zur Besserung der Lage der Juden nichts tun könne. — Nun wissen die russischen Juden, woran sie sind. Me kür Ruffifcft-Polen- Lodz, 23. März. In den letzten Tagen wetlteu hier verschiedene Mitglieder des Deutschen Zentralhilsskomitees für die von den deutschen Truppen besetzten Teile Russisch-Polens, wie auch des in Posen gebildeten Provtnzialkomitees, u. a. der Direktor der Dresdener Bank Herbert Gutmann, geschäftsführendes Mitglied des Präsidiums des Deutschen Zentralhilfskomitees, ferner Prinz Czartoryski- Siedlee, Herr von Mycjelski-Galowo und Bankdirektor Hacta-Posen. Die Genannten haben nach eingehender Feststellung der Verhältnisse in Lodz und nach Beratung mit Persönlichkeiten aus allen Kreisen der Bevölkerung mit Genehmigung des deutschen Polizeipräsidenten beschloffen, dem Bürgerkomitee der Stadt 125000 Mark, davon 100000 Mark aus Mitteln des Deutschen Zentralhilfskomitees und 25000 Mark aus der Sammlung des Posener Landkomitees, zur Verfügung zu stellen. Das Geld soll zur Deckung des Fehlbetrages der in Lodz errichteten Volksküchen verwandt werden ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses und zur Anlegung neuer, auch ritueller jüdischer Küchen. Beide Komitees haben außerdem an verschiedenen anderen Orten des deutschen Verwaltungsgebietes im ganzen etwa 200000 Mark zu gleichen Teilen aus dem Ertrag ihrer Sammlungen an Ausschüsse verteilt, die die Gewähr für eine fachgemäße Verwendung im Interesse der Allgemeinheit der bedürfdigen Bevölkerungsschichten bieten. England. borg Rothfchild s fl ^London, 2. April. Am Donnerstag, l. Avril, brachte der Draht ganz unerwartet der Welt die Kllttde vom Tode oes Lord Rothschild, und man horchte mitou im Lciegslärm eine Weile aus, um bei dem Ra men zu verweilen, der der Welt, und nicht zuletzt der jüdischen Welt, doch mehr als ein bloßer Rainen war. Nathanael Mayer Lord R o t h s ch i l d har ein Alter von nahezu 75 Jahren erreicht mtb war der Deniorchef des unter der Firma „L. M. Rothschild und Söhne in LorwoiG bestehenden Londoner Rothschildhauses. Lord Rothschild genoß großes Ansehen und weit gebenden Einfluß und blieb m der Art, wie er im großen Stile Wohltätigkeit übte, den Tr,7 ditionen der Familie treu. Hervorragende per sönuche Eigenschaften sicherten ihm den erste-i P-atz in der englischen Gesellschaft, wobei er aber mit echtem jüdischen Ahnenstolz zu den altver erbten Heiligtümern seiner jüdischen Gemeinschaft hielt. Wie übrigens auch in der großen Politik, so vertrat er aus religiösem Gebiete eine gemäßigte Richtung, was ihm bas Vertrauen der siidftchen Massen eintrug. Er war durch viele Jahre Präside r der Israelitischen Hauptgemeinde in London und stand aitßerdenr an der Spitz.' der größten Wohllätigkcilsinstitnte in England. Für seine Verdienste als Präsident des englischen 9t c reit M r e u z e s rvar er erst kürzlich in überaus schmeichelhafter Weise ausgezeichnet worden. Ralhanael Mayer Lord Rothschild wurde am 8. November 1840 geboren. Laut testainett tarischer Bestimmung seines Onkels Antony, der im Jahre 1870 starb, folgte er ihm in dessen Bnronetcy und er wurde, dann später - und zwar im Juni 1.8N5 unter Königin Viktoria der e r st e L o r d j ii d i s ch e r A b st a m tu u n g ruro der erste Rothschild, dem die Würde eines Peers von England verliehen worden war Der älteste Sohn Lord Rothschilds, Lionei Walter, hat sich durch seine wissenschaftlichen Arbeiten einen Namen gemacht, ein zweiter Sohn, EHarles, hat sich im Jahre 1907 in Wien mit Rozsika v. Wer t Heimstein vermählt. Die Brüder des Verblichenen, Alfred rmd Leoppold, führen die Geschäfte des Londoner Hauses weiter. Londoner Brief. Zürich, 20. März. lieber die Schweiz erfährt man aus der Hauptstadt Englands, wie sich dort die Folgen des Krieges auf die verschiedenen Schichten der jüdischen Bevölkerung Englands wirtschaftlich äußern. Der Mittelstand ist ganz und gar ruiniert und wandert, so weit es geht, nach Amerika aus. Ebenso die Großhändler, die mit der Türkei, Japan und Persien und sonst Ueberseehandel trieben. Hingegen Whitechapel mit seinem Proletariat der Schneider, Schuster und Kürschner bat noch nie so glänzende Zeiten erlebt. Die ungeheuren Militärlieferungen halten alt und jung von früh bis spät in Atem. Hier wird gut verdient. Im ganzen ist aber das jüdische Leben in London wie ausgestorben. Ein großer Teil der jüdischen Intelligenz ist davongezogen, der Rest verhält sich passiv. Die Londoner jüdische Gemeinde, sonst ein Tummelplatz beständigen Gezänkes, zeigt die Ruhe eines Friedhofes. Daß jetzt die Londoner Missionsgesellschaft ihre Zeit gekommen glaubt, ist verständlich. Am 12. Januar hielt sie ihre jährliche Versammlung ab, in welcher ein Brief des Barons John Kennaway verlesen wurde, in welchem er die Bedeututtg der jetzigen Krtegszeit auch für die Juden betonte und weiter ausführte, daß allem Anscheine nach jetzt die große Zeit gekommen sei, in der die Kinder Israels in ihr eigenes Land —und zur Hetlslehre — zurückgeführt werden. Denselben Gedanken sprachen noch andere aus uv' vergaßen nicht, nochmals zu versichern, dcsi e Juden das interessanteste Volk auf Gottes Er as Zentrum der Weltgeschichte seien. Daß bei so vieler überfließender Liebe auch der Haß nicht fehlt, gab noch einer der frommen Herren der Hoffnung Ausdruck, daß die Juden bald sympathischer werden . . . Auch in jüdischen Kreisen Englands hat, wie amerikanische Zeitungen berichten, die Idee der Gewinnung Palästinas für die Juden bei Anlaß der Friedenskonferenz bereits zu erregten Debatten geführt. Mr. Zangwill vertritt sie mit dem gleichen Impuls, mit dem er erst vor kurzem Rußland als künftiges Dorado der Juden besungen hat. Es sieht so aus, als wollte er sich dadurch die mit seinem lächerlichen Aufruf eingebüßten Sympathien wtedergewinnen. Mr. Lucien Wolf entrüstet sich dagegen sehr über die jüdische Eigenbrödelei, da es um die Gesamtmenschheit gehe . . . Man spricht von einer allgemeinen jüdischen Konferenz in Amerika. Doch erklärte Louis Mar sch all, es sei nicht möglich, mit den englischen Juden zusammenzugehen, da sie weit englischer sein wollen als die Urbriten selbst. Valüsttna. Die Loge im Heiligen Lande Jerusalem, 10. März. Trotz einzelner Geldsendungen ans Amerika tu i üOlciiiiuort sich die Notlage hier von Tag zu Tag. Diejenigen, die bis jetzt von ihren Erspar ajiseil zehrten oder in der Lage waren, noch vori andene Wertgegenstände zu versilbern oder zu beleihen, salleii allmählich der öffentlichen Fürsorge anheim. Auch wächst naturgemäß stattdig d' finanzielle Last zur dürftigen Versorgung o-r Angehörigen eingezogeuer Soldaten. Das von Amerika abgefandte Lebensmittel schiss wird kaum noch rechtzeitig vor den Feiertagen ankommeil. Die von der „Deutsch Holländischen Palästi na-Vcrwaltung" altgewiesenjm Gelder, die der Pessachhilse dienen, sind in Auszahlung begriffen. reichen aber selbstverständlich nicht irrt cift serntesten hin, um die Ernährung der Bevölkerung am Pessach sicherzustellen. tfüt oett JrteUameteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere .ist e» anSschlietzlich Sache der Leser, die i« Aettameteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstiger Angaben religionsgesetzliche» Lhnratter» ans ihre »äjsKgkeit z» prüfe». Die Dr. Jonas Limonsche von -er Regierung konzessionierte Schule und Knabenpeufionat in Heidelberg, Weberstratze 0, zwei Minuten vom Gebirge, Telephon 1300, gibt eine gcw ssenhaste jüdische Erziehung und verminen zugleich die Kenntnisse, »oclche dem jungen Menschen sürS^eben notwendig sind. Pielsach schon haben Eltern nach wenigen Monaten ihre Anerkennung und Verwunderung darüber ausgedrückt, wie vorzüglich ihr Junge aussieht, wie er in seinem ganzen Wesen und Auftreten eine vorteilhafte Veränderung zeigt, welches Streben geweckt und welche Fähigkeiten in iynt entwickelt wurden. Die Erfolge ihrer Tätigkeit beruhen auf der individualisierenden Methode. — Für jeden Zögling wird ein Speziallehrplan ausgearbeitet. Je nach den Vorkcnntnisscn, den Fähigkeiten, den Steigungen und Veranlagungen, und je nach dem Ziele, das zunächst erreicht werden soll, mutz, abweichend von dem üblichem Schein«, auf kürzere oder längere Zeit der Unterricht in den einzelnen Fächern nach Methode und Umfang den persönlichen Verhältnissen des Zöglinos angepatzt werden, bis schlietzlich alle Gebiete gleichmätzig ausgebaut sind und ein harmonisches Ziel erreicht ist. — Unterricht nach Verabredung in allen Fächern des Bolksfchul-, Oberrealschul- .. der Gymnasial-Lehrptans. Zöglinge, ivelche das Gymnasium, die Oberrealschulc oder HandelSschuie besuchen, werden in ihren häuslichen Arbeiten genau beaufsichtigt und gefördert. Die Ferien des Pensionats sind die der badischen Mittelschulen - Tüchtige, gewissenhafte Lehrkräfte im Hause Stetige familiäre rvrSiir-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.