Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 9 (25.2.1915)
- Date
- 1915-02-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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&efcte 6 Nr. 0 4btv JSraelit Februar 1915 Urrklarrd. Aus Ser Duma. Zketersliurg, 15. Febr. Erst jetzt wird durch die auf Umwegen in Deutschland einlangenden russischen Zeitungen Nähereüber die angeblich vom Geiste ungestörter Einigkeit getragenen Verhandlungen der Dumasitzung vom 9. Februar bekannt. So ganz rückhaltlos waren die Solidaritätserklärungen einzelner Parteien mit der Regierung denn doch nicht. Auch der Judenfrage war mehr denn einmal Erwähnung getan. So gab der Abgeordnete von Kowno, N. M. Fried mann. Im Namen der jüdischen Bevölkerung folgende Erklärung ab: „Am 26. Juli hatte ich die Ehre, hier zu erklären, daß die russischen Juden in dem bevorstehenden Kampfe dem Vaterland ebenso eifrig und treu dienen würden wie alle andern. Jetzt hat der große Kampf schon seine Vergangenheit und diese zwingt zur Anerkennung, datz aus den blutigen Schlachtfeldern und im Innern des Landes, wo der Krieg ebenfalls schwere Opfer fordert, die Juden ihre Pflicht wie die übrigen Nationalitäten getan haben. In den letzten sechs Monaten haben die Juden Vieles und Schrecklichedurchgemacht. (An dieser Stelle hat die Zensur aus dem druckfertigen Bericht zwei Zeilen entfernt, die in den Petersburger- Blättern als weitze Lücke erscheinen) In dieser Stunde aber, in der der Kampf mit dem äutzeren Feinde hell auflodert, werden wir die uns früher und jetzt zugesüglen Unbilden nicht aufzählen-'-' Auch der sozialdemokratische Vertreter, dlssen Rede im Protokoll einfach unterschlagen wurde, von einem Stockholmer Blatte aber im Wortlaute gebracht wird, wendete sich scharf gegen die erneute Unterdrückung der Juden. (Sttglattfr. friedensnerfudie im „Board of Deputier". London, 20. Februar (indirekt). Eine gemischte Kommission des „Board of Deputtes" und der „Anglo Jewish Association" erläßt eine Erklärung zur Verhinderung der drohenden Spaltung innerhalb der genannten Organisationen. Es soll ein spezielles Departement zum Studtuür jüdischer Fragen geschaffen werden. Als Letter dieser Abteilung ist Mr. Lucian Wolf ausersehen. Es wird in der Erklärung versprochen, keine Gelegenheit zu verpaffen, die drr Besserung der jüdischen Lage günstig scheinen soll und alles auszubteten, um die Gleichberechtigung der Juden in Rußland und Rumänien zu erzielen, jede von wo immer kommende Hilfe freudig zu begrüßen und jeden Vorschlag im Einvernehmen mit anderen -Organisationen sorgsam zu Prüfen.. Mit dem Bemühen, auch andere Kreise, besonders Zionisten, zu den Arbeiten heranzuztehen, hofft man den Streit fürs erste beizulrgen. Personalien. I. 6». Ratzersdorfer Antwerpen, 20. Februar. „Opfer des Krieges" sind nicht nur diejenigen, welche auf den Schlachtfeldern fallen. Auch er, der alte, ehrwürdige I. H. RatzerSdorfer ritt gehört zu jenen Opfern. Als der erste Jude von Antwerpen, der „erste" im doppelten Sinne, hat er dort viele Jahrzehnte gelebt und gewirkt. Im Anfang August wurde auch er als „feindlicher Ausländer" ausgewiesen. Diese Ausweisung von seiner lieben Heimatstadt, an deren Emporblühen er in so großem Maße mitgewirkt hat, nahm ihm Lebenskraft und Lebensmut. Er erhielt die Erlaubnis, an einen belgischen Seeplatz zu gehen. Dort wurde er krank und vom Krankenlager aus wurde er, der Greis, ins Gefängnis geschleppt. Es war ihm später doch noch vergönnt, rm Kreise seiner Familie einige schöne, ruhige Wochen in Holland zu verbringen, aber er fühlte sein Ende nahe und kehrte vor wenigen Wochen dorthin zurück, von wo aus er als junger, hoffnungsfreudiger Mensch in die ungewisse Zukunft ausgewandert war. Er war der allererste gefetzeStreue Jude in Antwerpen. Seinem Rufe folgte ein Schauchet und der Rabbiner. Nach und nach kamen Familienmitglieder und Bekannte aus seiner Heimat, und aus dem kleinen Minjan wurde die schöne und — für damals — große „RatzerSdorfer Schul". Von da zweigten sich dann die „Deutschen" und die „Chasfidischeu" in ihre eigenen Minjaniu ab, aber der Mittelpunkt blieb immer seine Schul, die den Namen „Chewre Machfike Hadaß" erhielt und jetzt eine wohlorganifierte, vom Staat anerkannte Gemeinde mit Über lüv Mitgliedern ist und die durch den Krieg im Bau ihrer neuen, schönen und sehr geräumigen Synagoge unterbrochen wurde. Nicht nur der erste der Juden war er, sondern er gehört zu denjenigen, die den Diamantrnhandel nach Antwerpen gebracht haben. Dieser Handel, der jetzt einen so ungeheuren Umfang in Antwerpen genommen hat, und von dem ca. 3000V Juden vis jetzt gelebt haben, wurde durch die von Amsterdam nach Antwerpen reisenden Händler angefangen. I. H. RatzerSdorfer y'ii war einer der geachtersten und tüchtigsten unter ihnen. Er war der Leiter der Machfike Hadaß, obwohl in den letzten Jahren jüngere Hände unter seiner Leitung das Ruder ergriffen Klar spiegelte sich seine reine Seele in der Art, wie er Zedokoh übte und den Sabbat heiligte. Am Freitagabend nach Schul konnte man ihn strahlenden Antlitzes nach Hause gehen sehen, begleitet von 10—12 armen Leute«, die er nicht nur seine Gäste nannte, sondern als „Ehrengäste" behandelte und nicht reichlich genug bewirten konnte. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn wir behaupten, daß an feiner Türe stündlich ein unglücklicher Glaubensbruder anpochte, und nie ist einer von ihm leer, ohne Hoffnung im Herzen, weggegangen. Eine große, weitverzweigte, in ihrer jüdifchett Treue musterhafte Familie trauert um ihn. Aber eS trauern um ihn auch alle, die an ihm den Freund, Berater, Führer und Vater verloren haben. Sein Andenken wird diesen allen unvergeßlich sein. Möge die Antwerpener Kehilloh nach dieser schrecklichen Zeit immer in seinem Sinne bleiben, noxan Wiesbaden, 23. Febr. Am Sonntag *hk st fand hier vor einem zahlreich erschienenen Publikum ein “ibdh auf Rabb. Akiba Wreschner H'D, dessen Ableben hier bereits mitgeteilt wurde. Herr Rabbiner Dr. Bamberger-Hanau und HerrDr med.Ratner von hier hielten Gedenkreden. Beide Reden hinterließen einen liefen Eindruck. Für den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschliesslich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Für eine alleinstehende ältere Frau wird ein <.10415 mm« MM« (Süddeutsche) zum soforttgen Eintritt gesucht. Offerten an Albert Adler Bad Mergentheim. Heirat. Alleinstehender Herr mittlerer Jahre in allerbesten Verhältniffen sucht streng religiöses Mädchen aus guter Familie nicht unter 30 Jahren. Waise bevorzugt. Strengste Diskretion zngesichert. Off. sub 18894 an die Exp. d. Bl. 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Hansa 8653. Gedenket der Armen des heiügen Landes! Alle Zionsfreunde, besonders die verehrten Herren V'n werden hiermit dringend gebeten um Baldige Einsendung der Grez-JiSroel- Spenden (wenigstens vor 39. Adar ---- IS. März). Ilnsagöares Kriegs-Klend herrscht in den Städten ^atäsiinas! Tausende hungern! Rasche Hilfe tut dringend not I Unsere regelmäßige kulturelle und ökonomische Arbeit in Palästina, die sich n"D trefflich bewährt, sowie unsere unter den hentigen Umstanden um so mehr notwendige niüD* -Verteilung erfordern außerordentlich große Summen. Wir rechnen darauf, datz unsere wohltättgen Glaubensgenossen uns auch in dieser schweren Zeit in die Lage setzen werden, uns unsere Aufgabe im hl. Lande gerecht zu werden. (10422 Amsterdam, 7. Adar '75 (21. Februar '15). pekidim und Amattattm der israeltt. Gemeinden des hl. Landes su Amsterdam. B. E. Eitje, Präses. A. S. Onde* wyzer, Sekretär.