Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 7 (11.2.1915)
- Date
- 1915-02-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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WWW« .2L.L XjS,7\ Ulli W: J£ 7 Fra«kf»rt ». M., den 11. Februar ISIS. 27. Schebat 5675. J8 7. Der »Frankfurter JSraettt" wird mtt dem Israelis abonniert; Stbomremept für beide Blatter zusammen Mk. 1.50 vierteljährlich (Inland). Inserate im »Frankfurter Israeli»" kosten 35 Pfg. für die sechsgespaltene Lolonelzeile; Rabatt nach Darts. Jutzatt. Die kurhessischen Judengesetze. — Zwei Freunde. — Die Woche: 1. »Unsere Aufgabe in schwerer Zeit". 2. Aenderungen im Lehrplan deS Mekor Chajim. 3. L. Stekgerwald ^*r. — Bereinstalender. — Familiennachrichten. — Gebetzetten. Die kurheffischerl Zudensesche. In 9rr. 3 des „Israelit" wird ein Abdruck aus dem „Kreisblatte für Stadt und Kreis Gelnhausen", die kurhesfischen Judengesetze betr., veröffentlicht. Trotzdem die ernste Kriegszeit nicht der geeignete Zeitpunkt ist, in einer solch internen Angelegenheit zu polemisieren, kann ich es mir nicht versagen, in Anbetracht der Wahrheit und Gerechtigkeit den Ausführungen des anonymen Einsenders entgegenzutreten. Der verehrt. Publizist begrüßt das neue Steuersystem als einen wesentlichen Fortschritt gegen das seitherige Einschätzungssystem, das lediglich auf Schätzung der Einkommen beruhte Das ist fürwahr ein voreiliges Urteil! Es wäre wohl richtiger gewesen, zuerst die Wirkungen der neuen Steuerregulierung abzuwarten. Jedenfalls dürfte sich die Einbürgerung des neuen Steuermodus nicht so glatt vollziehen, wie es sich der verehrte Einsender in seiner Siegessreude ausmalt. Denn es gibt doch bekanntlich nichts Vollkommenes in der Welt — und auch die fetzige Veranlagung zur jüdischen Steuer scheint noch lehr weit von der Vollkommenheit entfernt zu kein. Vor allen Dingen halte ich die jetzige Veranlagung auf einen Zeitraum von drei Jahren für gänzlich verfehlt. Nachdem doch die israelitische Kultussteuer auf Grundlage der staatlichen Einkommensteuer aufgebaut wird« müßte jede Aenderung in der staatlichen Einkommensteuer auch eine Aenderung der jüdischen Kultussteuer zur Folge haben. Bei dem jetzigen Steuernrodus dürften Ungerechtigkeiten und Härten wohl häufig an der Tagesordnung sein, was folgender Fall aus meiner Erfahrung schlagend beweisen dürfte. Ein Mitglied meiner Gemeinde ist jahrelang mit 16 Mark zur Einkommensteuer veranlagt. Im Jahre 1913 verdient Genannter bei einer Güterkaufsvermittlung ca. 15 bis 1600 Mark und wird im Jahre 1914 mit 52 Mark zur staatlichen Einkommensteuer veranlagt. Nun wird die Veranlagung zur jüdischen Kultussteuer auf Grund der Veranlagung pro 1914 getroffen. Ws die hiesige Gemeinde 500 Prozent Steuern /erhebt, so muß das betreffende Mitglied 3x500 ttppni *— 1500 Prozent von dem erhöhten. teuerfatze entrichten. Hätte fragliches Geschäft ein -Jahr früher, also 1912, oder 1914, sich abgesponnen, so wäre bewußter Steuerzahler, analog dem Steuersätze von 16 Mark veranlagt worden- Außerdem möchte ich auf Grund meiner, großen Erfahrungen sehr bezweifeln, daß die Einkommensteuer immer einen Maßstab für die Mmerkraft des. Steuerpflichtigen bildet. Wer nur je Gelegenheit hatte, einen Einblick in den Geschäftsbetrieb der Steuerbehörde zu gewinnen, der konnte sich von der erschreckend hohen Zahl der Berufungen überzeugen. Erfahrungsgemäß sind die wenigsten Reklamanten m der Lage, einen ziffernmäßigen Nachweis über ihr Einkommen zu bringen, und beruht daher auch die Veranlagung zur Einkommensteuer in den meisten Fällen auf Schätzung. Am allerwenigsten vermögen unsere Viehhändler, Handwerker und Kleinkaufleute einen Nachweis über ihr Einkommen zu bringen. Nicht selten werden sie doppelt so hoch eingeschätzt als es angebracht wäre — und nun wllen sie noch jahrelang 4—500 Prozent pro Jahr jüdische Kultussteuer über ihre Verhältnisse entrichten. Ich glaube doch, daß die Juden, die gegenseitig in geschäftlicher Fühlung sind, die Einkommensverhältnisse ihrer Gltiubensgenossen besser beurteilen können, als die Mitglieder der Veranlagungs-Kommission, die oft nicht den geringsten Einblick in die tatsächlichen Verhältnisse der Eensiten besitzen. Gerne will ich dem Einsender glauben, daß durch die Neuregulierung die hohe Heranziehung einzelner Gemeinden wie .Gelnhausen, Hanau, Schlüchtern, Fulda u. s. w. zu den Provinziallasten sich vermindert hat, dann werden aber die ohnehin schon schwer belasteten KlemgemelUben diese wesentliche Steuerersparnis der Großgemeinden auf ihre schwachen Schultern nehmen müssen. Ob es nun gerecht ist, die alljährlich mehr zusammenschrumpfenden Landgemeinden im Interesse der steuerkräftigen Mittel- und GroHgemeindeu steuerlich zu belasten, will ich dem Urteile der Oeffentlichkeit überlassen. Ich bezweifle daher, daß die neue Stenerregulierung die gewünschte Befriedigung bringen wird. Warten wir erst einmal die Auflegung der neuen Steuerlisten ab! Fr. in Fl. Zwei Freunde. „Wir denken zurück an die Tage, da, kaum vor einem Vierteljahre, Martin Feist b"X1 von uns Abschied nahm, um seiner BaterlandSpflicht, dem Rufe vor den Feind, zu folgen. Noch frisch wühlte in ihm die Trauer und der bittre Schmerz um den allzufrühen Tod seines „besten treuen Freundes, mit dem warmen Herzen und den glühenden Idealen." Ehedem war es sein eigener Wunsch gewesen, diesem Freunde inS Schlachtfeld zu folgen, Seite an Seite mit ihm auch diesen Lebenskampf durchzuringen. . Doch als man ihn hinausschtckte, da war sein Freund schon von einem höheren Rufe genommen dem auch er nun gefolgt. D’ö’Wffi mw xb DmaaiDTPro. Das wunderbare Band, daS diese beiden jungen, begeiferten Menschen in seltenster Freundschaft auf Erden aneinanderkettete, ihr tatenreiches Pfiichtenleben, daS sie beide auch in ihrer letzten Pflicht., im Dienste des Vaterlandes, als echte Jehudim treu bewährt, hat sie nun auch in einem besseren Leben vereint. Aus ein und dieselbe Weise wurden sie, durch tätlichen Granatsplitter, von rDpn abberufen." Sie konnten sich ein Leben ohne einander auf dieser Welt, nicht denken. Sie waren „ein Herz und eine Seele." Sie gingen darin auf, sich immermehr aufzuringen zu dem Wahren, Schönen und Guten. Inmitten lautester Freuden, die sie im Ernste des Lebens als lebenslustige, ftohe Jünglinge nicht gescheut, blieben sie doch ihrer Aufgabe als echt-jüdische Jünglinge stets bewußt. Durch die innigste Wahrung des „Tauroh im Derech Erez", wozu sie neben ihrer häuslichen Erziehung, daS Studium in den Schriften unseres großen Rabbiner Hirsch befähigte, verstanden sie es, in den weitesten Kreisen für ihre jüdischen Ideale zu werben und sich und unsrem Judentum immer neue Freunde und Anhänger zu gewinnen, die ihnen auch nach ihrem Tode treu bleiben und ihrem echt jüdischen Lebensweg anhangen werden. Nur ein kleiner Blick in die reichhaltige Korrespondenz, die diese treuen Freunde selbst in räumlicher Entfernung zusammenhielt, zeigte mit welch weitblickendem Auge, tiefem ErrPe und klarem Zielbewußtsein sie sich selbst anhand der Tauroh emporzuschwingen strebten zu den - Höhen jüdischer Auffassung. Doch nicht nur für sich hatten sie dieses Pflichtbewußtsein, nein zusammen mit ihren jungen Glaubensbrüdern, mit der ganzen -jüdischen Jugend wollten sie dazu erstarken. Was Wunder, wenn sie sich dann, als sich ihnen hierzu das schönste Gebiet «öffnete, neben ihren geschäftlichen Pflichten, denen sie mtt alen Kräften nachgingen, auch voll und ganz den Aufgaben der „Agudas-Jisroel-Jugendgruppen" widmeten. Hier hofften sie eine Verwirklichung ihr« jüdische», Ideale zu finden. Wieviele Nächte widmeten sie nicht den Vorbereitungen für den vor einem Jahre stattgefundenen Jugend tag, der die jugendlichen Gemüt« begeisterte und sie zur regen Mitarbeit aneiferte. Bis zuletzt, da sie das Vaterland abbertef, waren sie mit Geist und Seele bei dieser jüdischen Arbeit. Das soll ihnen ein ewiges ehrendes Gedenken in unserer Mitte sich««. TXI N. If" Me Wo<He «l-—..— „Ausere Aufgabe iu schwer« Jett". Der dritte Bortrag im Vortragszyklus aus bmv nünta unter obigem Titel findet kommenden Sonntag, 6 Uhr abends in den Räumen des Mekor Chajim, Langestraße 1Z, statt.