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Der Israelit · 1894-12-24 · Heft 100 (24.12.1894) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 100 (24.12.1894)
Date
1894-12-24
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. Zweite Beilage M M100 des „Israelit". Literarischer Mericht. Herr Cantor S. Eicheubaum in Kippenheim kündigt die Herausgabe eines für die Cantoren hoch bedeutsamen Sammelwerkes an. Es wird synagogale Gesänge für Sabbate und alle Festtage enthalten. Alle Piecen sollen 3—12 fach vertreten sein. Der Solo-Gesang für geübte Cantoren sowohl, als auch für Anfänger findet in seinem Werke vollste Berücksichtigung. Daneben bietet der Verfasser, der seine Arbeit „Kol Bau" genannt hat, zahlreiche 2, 3, 4 und 5 stimmige Gemachte- und Männerchöre. Eine reiche Auswahl Casualien wird im Extrabande gratis dem Werke beigegeben. Der Verfasser, ein Schüler des Altmeisters M. Deutsch-Breslau, ist auch über die Grenzen seiner engcrr Heimath hinaus, als ein Cantor von gediegenem musikalischen Wissen und Können ans dem Gebiete der synagogaien und profanen Musikliteralur rühmlichst bekannt. Als Chordirigent einer angesehenen Gemeinde Badend hat er neben theoretischen auch die nothwendigen praktischen Erfahrungen reichlich sammeln können. Zwanzig Jahre lang hat er mit großer Mühe und seltener Sachkenntnis der Sammlung, altehrwürdiger Melodien obgelegen. Manchen Kollegen wird er durch viele eigene Compositionen einen Genuß bereiten. Seltene Manuskripte hervorragender Cantoren Frankreichs, des Elsaß und Deutschlands finden wir zum ersten Male m dieser Sammlung der Oeffentlichkeit dargeboten. So birgt das angegebene Werk bedeutsame Schätze. Verfasser und Verleger haben nicht Kosten und Mühe gespart, um die Sammlung würdig auszustatten. Vielen wird es ein willkommenes Hilfsmittel bieten, das im Sinken befindliche Cantorat zweckentsprechend zu heben. Viele Cantoren werden in ihm — das ein wahrer Kol Bau ist — einen Ersatz finden für den häufig mangelhaften Unterricht nnd die lückenhafte Vorbildung, die ste genießen mußten. Schon heute mehren sich Anfragen und Bestellungen. Wir können nur jedem Chassan die Beschaffung des gediegenen Werkes dringend anrathen, es wird ihm vorzügliche Dienste leisten. Möchte das vortreffliche Sammelwerk eine recht weite Verbreitung finden — das wünschen wir von Herzen — damit Kantor Etchenbaum seine fleißige Arbeit reichlich — belohnt sieht und zur weiteren Herausgabe synagogaler Gesänge angespornt wird. Während nach Schluß der Subscrtption der Ladenpreis des obengenannten Werkes aus 30 M. sich stellen wird, ist es bei Bestellung bis zum 1. Januar 1895 für 18 M. zu beziehen. Kollegen mit geringen Einnahmen wird es vom Verfasser zu 8 M. zur Verfügung gestellt. ZeitrrugSrrachrichteu und Correfpouderrzer». Deutschland. Frankfurt a. M., 20. Dezember. Die „F. Zig." berichtet: An der Realschule der israelitischen Gemeinde (Phtlantropin) wird eben eine Aenderung im Unterrichtsplan vorbereitet, die allgemeines Interesse erwecken dürfte. Der schon seit langen Jahren oft ventilirte Gedanke der Aufhebung des Sonnlagsunterrichts soll nunmehr zur Ausführung gebracht werden, und zwar wird der bisher am Sonntag ertheilte Unterricht auf den Mittwoch-Nachmittag und Samstag zu solcher Z?it verlegr werden, in der kein Gottesdienst ist. D-r Samstagsunterricht wird nur solche Gegenstände betreffen, in denen auch nach streng religiösen Vorschriften unterrichtet werden darf. Durch diese Maßnahme wird es nun endlich gelingen, Die großen Schwierigkeiten, die bisher aus dein Sonntagtzuntcrrlcht erwuchsen,zu beseitigen. Bm stand und Ausschuß der israelirischen Gemeinde haben bereits diesen Beschlüssen des SchulrathS zugcstimmt. Die Schule wird noch eine Rundfrage an die Eltern der Schüler richten, um auch deren Ansicht zu hören, die voraussichtlich bejahend ausfallen wird, da es sich um eine die kommende Generation fördernde Maßregel handelt.*) Hannover, 20. Dez. (Prozeß Leuß.) Der Angeklagte wurde zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurtüeilt. (Damit ist das Retchstagsmandat für Schmalkalden-Eschwege erledigt.) Rußland. Wilna, 18. Dez. Eine Epidemie ist in unserer Umgebung unter dem Vieh ausgebrochen. Die Bauern beschuldigten die Juden des „bösen Blicks", und es kam in Folge dessen zu blutigen Kämpfen. D e den Juden gehörigen Läden und Häuser wurden geplündert und angezündet; mehrere Juden wurden in die Flammen geworfen; andere starben unter der Knute oder wurden von den Bauern aufgeknüpft. Die Soldaten schossen gegen die Aufrührer; es gab viele Tobte und Schwerverwundete. Die Juden fliehen aus der ganzen Provinz. *) Wir können diese Neuerung in keiner Weise billigen und kommen auf den Gegenstand in den Blättern für die iSr. Schule zurück. Red.

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