Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 99 (10.12.1894)
- Date
- 1894-12-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXV« Jahrgang. Zweite Beilage M M 99 des „Israelit“. AeitrmgSrrachrichte« und Eorrefporrderrzerr. Deutschland. Elberfeld, 16. Dezember. DaS seltene Fest der goldenen Hochzeit feierte am Mittwoch den 12. d., das Ehepaar Samuel Steilberger hterselbst. Bei der großen Beliebtheit, deren sich das Jubelpaar erfreut, war es vorauszusehen, daß die Feier eine sehr schöne sein werde. Zahlreiche briefliche und telegraphische Glückwünsche kamen aus der Nähe und aus der Ferne; während des ganzen Vormittags war die von liebenden Händen geschmückte Wohnung angefüllt von immer neuen Gratulanten, die mit freundlichen Worten und sinnigen Gaben ihre Anhänglichkeit und Verehrung den Gefeierten darthun wollten. Eine besondere Freude und Auszeichnung aber war es den letzteren, als der Vorstand und eine Abordnung der Repräsentanten der Synagogen - Gemeinde, in deren Dienst Herr Steilberger viele Jahre treu und hingebend gewirkt hatte, mit ihren Glückwünschen einen prachtvollen fünfarmigen silbernen Leuchter als Zeichen der Anerkennung überreichten. An diese Festgaben knüpfte auch Herr Rabbiner Dr. Auerbach bei der Feier, die Mittags im „Central- Hotel" stattfand, an, indem er dem Jubilar das Zeugniß ertheilte, daß derselbe ihm stets in Freundlichkeit und Freudigkeit bei Seite gestanden und es vorbildlich gezeigt habe, wie man die Aufgaben feines Berufes niemals als eine Last betrachten dürfe, sondern mit Lust und Liebe seines Amtes walten müsse. Der überreichte Leuchter möge symbolisch den Wunsch ausdrücken, daß sich an den Gefeierten bis zu dem höchsten Lebensalter das Psalmwort erfülle: „Licht ist gesäet für den Gerechten, und für die, die geraden Herzen sind, Freude." Die höchste Freude wurde aber dem Jubelpaare bereitet, als der Herr Rabbiner ihm die von Sr. Majestät, dem Kaiser und König verliehene Ehejubtläums-Medaille mit einem beglückwünschenden Schreiben aus dem Geheimen Civil-Cabinet Sr. Majestät in feierlicher Ansprache überreichte. Am Nachmittag fand ein großes Festmahl statt, das durch schöne Reden und Festgedichte, unter denen wir die unseres heimischen, der Familie Steilberger befreundeten Dichters Friedrich Storck, besonders zu nennen nicht unterlassen wollen, sehr gehoben wurde. Wir schließen unfern Bericht mit dem Wunsche, daß dem Ehepaar Samuel Steilberger noch ein langer, glücklicher Lebensabend beschieden sein möge. Portugal. F. Lissabon, 5. Dezember. Portugal hat zwar seine Pforten den Juden schon geöffnet, aber in fein Heer läßt es dieselben doch nicht eintreten, da es feiner Armee den katholischen Charakter nicht nehmen will. Die hier lebenden Israeliten sind daher vom Waffendienste gänzlich befreit. Uebrigens sind nur ein paar hundert Juden hier, von denen beinahe die Hälfte aus Unterthanen fremder Staaten besteht. Die meisten hiesigen Tagesblätter, die durchwegs von Katholiken redigirt werden, haben es sonderbar gefunden, daß die liberal sein wollende Schweiz ihren Israeliten das Schächten verboten hat, und dieselben so in der Einhaltung ihrer religiösen Obliegenheiten hindert. In dem streng katholischen Portugal könnte so waS gar nicht Vorkommen, da die Portugiesen, eben weil sie eifrige Katholiken sind, es gerne sehen, wenn auch die hier lebenden Israeliten strenge die Vorschriften ihrer Religion beobachten. P a l ä st i n a. O) Jerusalem (2"mr>), 28. Nov. Soeben erhielt unser Pascha-Statthalter die Nachricht aus Konstantinopel, daß die Hohe Pforte der Direction der Bahn Jaffa-Jerusalem auf ihr Ansuchen die Concession ertheilt hat, in Jaffa einen Hafen mit dem nöthtgen Landungsmolo zu bauen, und ihre Bahnlinie bis zum Hafen auszudehnen, so daß die überseeischen Reisenden direct vom Schiffe in den Eisenbahnwaggon werden gelangen können. Es wird dies eine ungeahnte Wohlthat für die Palästinapilger sein, denn diese werden sich in Jaffa nicht mehr wie bisher bei ihrer Landung den Barken der Araber anvcrtrauen und sich ihnen dabei noch das Fall über die Ohren ziehen lassen müssen. Jaffa wird so erst jetzt eine Seestadt werden. Ueber Jaffa ist eine große Katastrophe hereingebrochen. Ein wolkenbruchartiger Regen, der mehrere Stunden hindurch anhielt, hat zwölf Häuser förmlich vom Boden weggewaschen, und fünfzig dem Einsturze nahe gebracht. Die Wafferfluthen, welche durch die Straßen stürzten, haben auch zwei Menschenleben zum Opfer gefordert. Es herrschte deshalb große Bestürzung und Trauer unter der Bevölkerung Jaffas. Vermischtes. Prag. Herr Mufikdirector David Rubin, bekannt durch seine „Tempelgesänge" (Schire-Hechal), begeht am 22. Dezember sein 25jähriges Jubiläum als Chordirector am neuen iSr. Tempel dahier