Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-12-17 · Heft 98 (17.12.1894) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 98 (17.12.1894)
Date
1894-12-17
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448501--39825-2487992
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

XXXV. Jahrgang. Meile Beilage ja M 98 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspondenze« D eyu t s ch l a n d. Frankfurt a. M, 16. Dez. Heute Vormittag erfolgte die Beerdigung der Freifrau Louise v. Rothschild auf dem Israelitischen Friedhöfe. Ein unabsehbarer Trauerkondukt erwies der Todten die letzten Ehren. Die barmherzigen Schwestern des Karolinums und des Klementinenhospitals sowie Mitglieder des Israelitischen Frauenvereins schritten dem einfachen zwetspänntgen L-ichenwagen voraus. Neben dem Wagen ging die Dienerschaft. Dem Sarge folgten die hier anwesenden männlichen Angehörigen des Hauses Rothschild, der hiesige Baron Willy v. Rothschild Lord Rothschild aus London, rc. Der Rest des Zuges setzte sich aus Mitgliedern der Frankfurter Bürgerschaft aller „Klassen", aller Konfessionen und Berufe zusammen. Eine endlose Wagenreihe machte den Beschluß. In der Vorballe des Friedhofs wurden die Gebete gesprochen. Herr- Rabbiner Dr. Plaut hielt die Gedächtnißrede. Er schilderte das wohlthätige Wirken der Verblichenen, das nicht nur aus irdischen Gütern spendete, sondern auch aus mitfühlendem Herzen Antheil nahm. ihr Familienleben und ihre erzieherischen Gaben. Ein solches Leben könne selbst der Tod nicht zerstören. Herr Direktor Dr. Bärwald vom „Philanthropin" feierte die Heimgegangene als die Protektorin des Waisenhauses des Israelitischen Frauenvereins. Auch bet dieser Bethätigung ihres edlrn Sinnes habe sie neben der werkthättgen Hilfe in vorbildlicher Weise die persönliche Arbeit unterstützend und dauernd segensreich für die Waisen eingesetzt. Herr Donnen v. Richter legte Namens der öffentlichen Rothschild-Bibliothek eine Lorbeerspende an der Bahre nieder, und Herr Rabbiner Dr. Horovitz pries als Vertreter der Stiftung ihres Gemahls, des Barons M. C. v. Rothschild, das Andenken der Wohlthäterin, die das Werk ihres Gatten fortführte. Dann trug man den Sarg aus der Halle zum Grabe, auf die Rothschtld'sche Begrabnißstätte. Noch ein kurzes Gebet, bald fielen die ersten Schollen in die Gruft, und um Mittag wölbte sich darüber schon der Hügel. Hannover, 14. Dezember. In einen Abgrund von Sitten- und Schamlosigkeit läßt der soeben hier zur Verhandlung gelangende Prozeß gegen den antisemitischen Reichstagsabgeordneten Leuß blicken. Erlassen Sie mir Ihnen Einzelhetten zu berichten. Von dem Gegenstände der Anklage haben Sie Ihren Lesern bereits Kenntnitz gegeben. Die Hauptverhandlung findet unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Ich werde nicht verfehlen, Sie z. Z. von dem Urtheil gegen Leuß in Kenntniß zu setzen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 15. Dezember. (Abgeordnetenhaus.) Minister M a d e j s k i wandte sich mit großer Entschiedenheit gegen die verhetzende Rede des antise» mttischen Geistlichen Scheicher. Eine solche Rede aus diesem Munde hätte der Minister im österreichischen Parlamente nicht für möglich gehalten. Der Minister protestirt dagegen Namens der gesammten katholischen Geistlichkeit und hofft, daß der so eifrig gesäete zersetzende Geist der Auflehnung gegen die Autorität die katholische Geistlichkeit nicht erschüttern werde im einträchtigen Mitwirken an der Erfüllung, der ethischen und sozialen Aufgaben, deren Lösung vom Staate und der Kirche gemeinsam anzuftreben seien. (Beifall.) Italien. Neapel, 4. Dez. In Anbetracht der vielen Wohlthaten und peciuniären Unterstützungen, welche die hiesige jüd. Gemeinde von dem verstorbenen Baron CarlMayervonRothschild empfangen hat — zahlte der Verstorbene doch jährlich der Gemeinde 2500 Lire als Beitrag zu den CultuSauslagen — und in Anbetracht, daß die Erben desselben noch fortwährend der Gemeinde ihre Unterstützung gewähren, hat der hiesige Cultusvorstand mit Zustimmung des Rabbiners beschlossen, an jedem Sabbate und an jedem Feiertage ein Gebet Cpüff na) für die Seele des Heimgegangenen zu verrichten. Herr August Funaro in Rom, ein Familienvater, der erst vor einigen Monaten ein Knäblein in den Bund Abraham's aufnehmen hat lassen, während er selbst, trotzdem, daß er von jüd. Eltern abstammt, noch immer nicht diesem Bunde angehörte, hat nun vor einigen Tagen die Circumciston an sich vornehmen lassen. Als Mohel fungirte Rabbiner Zewi, dem nebst mehreren jüdischen auch ein christli^er Arzt. Dr. Ricci, assistirte. Vermischtes. «3- AuS der Provinz Hannover, 25. November. Von den 16500 M-, welche für das Rechnungsjahr 1894/95 durch den Provinzialausschuß aus dem Provinzialfonds für das jüdische Schuld und Synagogenwesen ausgeworfen wurden, haben das Lehrerseminar zu Hannover 7500 M-, die einzelnenen Synagogen-Gemeinden 6277,50 M. und die im Amte befindlichen Lehree 2722,50 M. Unterstützungen resp. Dienstalterszulagen erhalten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.