Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 91 (22.11.1894)
- Date
- 1894-11-22
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1714 Oesterr.-Ungar. Monarchie. («) Stampfen, 11. November. Die bekannte Amsterdamer Sukkah scheint in Ungarn sich zur Seeschlange ausbilden zu wollen. Aus dem benachbarten Barcser Comitat wird den ungarischen Blättern folgender interessanter Fall gemeldet: Der Rabbiner einer kleinen Gemeinde daselbst hatte sich zum Sukkothfeste die übliche Laubhütte errichten lassen, worüber sich jedoch einige christliche Mtethsparteien, die mit dem Rabbiner in demselben Hause wohnen, bei der Ortsbehörde beschwerten, indem sie auf die Feuergefährlichkeit der Holzhütte hinwiesen. Die Ortsbehörde billigte jedoch das Vorgehen des Rabbiners. Nun wendeten sich die Kläger an das Bezirksgericht, das den Rabbiner für den zweiten Tag Sukkoth oorlud. Des Feiertages halber ließ sich der Rabbiner durch einen Advocaten vertreten. Nachdem der Richter beide Parteien angehört hatte, verurtheilte er den Rabbiner, binnen acht Tagen die Laubhütte uiederzureißen oder 500 Gulden als Strafe zu erlegen. Der Rabbiner erklärte, gegen das Urtheil nicht appelliren zu wollen. P a l ä st i n a. . (i) Hebron (pinn) im Dft Aus Konstantlnopel wird gemeldet, die türkische Regierung habe angeordnet, daß die Moschee, die sich über dem Grabe Aron's auf dem Berge Hör erhebt, auf Staatskosten renovirt werde. Dieser Berg, den die Araber „Dschebel Harun" („Aron's Berg") und die Syrer wieder „Tura (tons) die Ahrun" nennen, liegt auf der Straße, die von hier nach dem Meerbusen von Akaba am diottyen Meere führt. Die heilige Karwana, die jährlich von Damaskus nach Mekka zieht, und die aus Tausenden von mohamedanischen Pilgern besteht, muß diesen Berg sowohl auf ihrer Hinwie auch auf ihrer Rückreise berühren, und nimmt sie immer am Fuße desselben einen längeren Aufenthalt, damit ihre Mitglieder sich hier ein wenig erholen sollen können. Zahlreiche Pilger steigen dann den Gipfel des Berges hinan, um dort auf dem angeblichen Grabe Aron's, über das sich eine Moschee, aus Steinen erbaut, wölbt, beten zu können. Auch die Beduinenstämme, die in der Umgebung dieses Berges hausen, pflegen immer am Freitag, dem Sabbate der Mohamedaner, diese Moschee aufzusuchen und daselbst zu beten. Juden dagegen besuchen äußerst selten diese Moschee, da die Umgegend des Berges auf Meilen wett in der Runde fast ausschließlich von diesen Bedutnenstämmen bewohnt wird. Auf dem angeblichen Grabe Aron's befindet sich eine Art Altar aus großen Quadersteinen, den eine kostbare Decke umhüllt. Der Tradition nach soll dieser Altar noch von den Israeliten errichtet worden sein, die so verhindern wollten, daß dieses heil. Grab von den wilden Thieren sowie von den wilden und damals auch noch heidnischen Wüstenstämmen entweiht werde. Die Stämme in der Nähe dieses Berges pflegen noch heute ihre Schwerkranken in diese Moschee zu bringen und sie dort über Nacht zu lassen, in der Erwartung, daß Aron dieselben wieder gesund machen werde. Die Umgebung dieser Moschee ist ein großes Leichenfeld, da die Araber es lieben, nach ihrem Tode in der Nähe Aron's begraben zu werden, hoffend, daß sie am Tage der Auferstehung mit ihm zugleich aus ihren Gräbern erstehen werden. vermischtes. („Angeborene jüdische Scham.") Eine Anzahl antisemitischer Blätter brachte unter der Ueberschrift „Angeborene jüdische Scham" solgende Notiz: „Hochverehrte Dame! Bitte diesen Brief anzunehmen und zu lesen!" — Couverts mit dieser Aufschrift wurden jüngst in Berlin den Damen auf der Straße von einem jüdischen Jüngling in die Hand gedrückt. Darin befindet sich ein Schreiben voll glühender Liebesbetheuerungen. Der Judenknabe versichert: „Als ich Sie sah, fühlte ich mich sehr zu Ihnen hingezogen, und mochte Sie, falls Ihr Herz wirklich noch frei ist, für mich zu gewinnen suchen." Man denke sich nur diese Frechheit. Der Jude muthet einer deutschen Frau zu, eine Annäherung an ihn zu suchen. Im Weiteren heißt es: „Ich bin gut situirt und bekleide eine angesehene Stellung nett gutem Gehalt. Alles Weitere werde ich Ihnen mittheilen, sobald Sie mir Ihre werthe Adresse mitgetheilt haben werden. Haben Sie, bitte, Vertrauen zu mir, Sie haben es mit einem Ehrenmann zu thun." Leider scheint dem dunklen „Ehrenmanne", der sich Hermann Mai in Stralau nennt und hinzusügt: „Die Adresse genügt", die richtige Antwort noch nicht zutheil geworden zu sein! Man kann allen deutschen Frauen und Jungfrauen, denen ein solcher Wisch in die Hand gesteckt wird, nur rathen, den frechen Burschen festzuhalten und ihm die Antwort zutheil werden zu lassen, die eine deutsche Frau einst mit schlagfertiger Hand aus die Wange eines frechen Preßjuden zeichnete, der ihre Ehre angegriffen. Einen anderen Schutz gibt es gegen solche llnverschämtheiten nicht, die nur der Ausfluß jener jüdischen Anschauung sind, welche unsere deutschen Frauen und Mädchen als „goische Waare" betrachtet .So die antisemitischen Hetzblätter. Nun meldet sich aber Hermann Mai zu Worte und erklärt, er sei ein Katholik und stamme von katholischen Eltern ab; auch gehöre er selbst der antisemitischen Partei an. Als Wittwer, der mit der Absicht umgehe, sich wieder zu verheirathen, habe er, da er dem weiblichen Geschlechte gegenüber zaghast sei, es versucht, sich auf brieflichem Wege der Dame zu nähern, die seine Aufmerksamkeit erregt hatte. In gleicher Weise hätte er seine erste Gattin, mit der er in glücklicher Ehe gelebt, kennen gelernt. Er sei durch die Erscheinung jener einen Dame, die er öfters gesehen, gefesselt worden und habe ihr durch einen Boten einen Brief, in welchem er ihr Herz und Hand anbot, übermittelt. Der vorliegende Fall, der die „angeborene jüdische Scham" illustriren sollte, bekundet nur die Niedertracht und Schamlosigkeit der antisemitischen Lotterpreffe. Briefkasten der Expedition. S» in F. Betrag empfangen.