Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 91 (22.11.1894)
- Date
- 1894-11-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXV* Jahrgang. I Inlette Beilage;n M 91 -es „Isrntlit“. Literarischer Bericht. Der rühmltchst bekannte Hebräist und Schriftsteller, Herr Isidore Goldblum aus Paris, der sich gegenwärtig behufs Wiederherstellung seiner bedenklich angegriffenen Gesundheit in Berlin (Gipsstr. 16 A, bei Grünfeld) aufhält, hat wiederum unffre Literatur mit einer werthvollen Arbeit genannt bereichert. Sie enthält Abschriften von überaus schätzbaren Manuscrtpten, die sich in der Nationalbibliothck zu Paris und im Varican zu Rom befanden und seit Jahrhunderten dem Lichte der Welt entgegenharrten. Durch die zahlreichen gelehrten Glossen, mit dem diese Edition vom Herausgeber versehen worden sind, bekundet letzterer eine ebenso staunenswerthe Belesenheit wie etndrtn qenden kritischen Scharfsinn. Damit sich der geschätzte Leser einen Begriff machen könne von den Abhandlungen (mowo), die in diesem Werke enthalten sind, gestatte ich mir einige derselben, wenn auch in aller Kürze zu skizziren. So enthält der erste — der p-nn noxo, e. A. prrn ->vnv eine lichtvolle Erklärung aller der technischen Ausdrücke, die in den hebr. Schriften der Philosophie und Naturwiffenschaften Vorkommen. Er entstammt der Hetzer des berühmten Hillel ben Samuel, des Verfassers des „vbs der im 13. Jahrhunderte in Verona lebte. Der zweite hdkd enthält einen hochinteressanten polemischen Disput der Philosophie mit dem Talmud und rührt von einem ungenannten Verfasser her, der aller Wahrscheinlichkeit nach zur Zeit des R. Salomo b. Aderet lebte. Der dritte ivxvist eine wissenschaftliche Abhandlung über bivbv i. e. ..de alvi profluvio“ und ift eine im Aufträge des berühmten Nachmantdes von dessen Schüler, „Jakob dem Kleinen" angesertigte hebräische Uebersetzung des von dem ausgezeichneten Arzte und Philosophen Abulwalid ben Roschd verfaßten Originales. Unzweifelhaft ist dieser idnd von hohem Werthe, ebensowohl für die Geschichte, wie auch vielleicht für die Wissenschaft der Medizin. Der vierte “idnd enthält eine sehr beachtenswerthe Erläuterung — eine kabbalistischphilosophische — der schwierigen Stelle Exod. 24, 11 von Reb Elia ben Reb Benjamin. Ueberaus interessant und belehrend ist der 5. -iömo. Er enthält ein längeres, sehr gelehrtes Schreiben des Elias Levita an Sebastian Münster in Basel. Ueberraschend ueu ist daselbst die ethymologische Erklärung des Wortes: («"ü^d sna Siehe 'n rropn itn! Ich unterlasse es auch noch die anderen ünöw des interessanten Werkes zu skizziren. Möge der geneigte Leser sich beeilen, letzteres feiner Bibliothek etnzuverleiben. Er wird dann nicht nur ein gutes Werk mehr besitzen, sondern auch etwas Gutes stiften, da auf den Verfasser nur zu anwendbar sind die Worte Salomos: cmp «b üji on1? o’oanb Ibm!->»y Dr. H. Ttetz, Jnowrazlaw. Zeitungsnachrichten «ud Correspoudeuzeu. Deutschland. Berlin. (Gegen Judentaufen.) In der „Neuen Christoterze" für 1895 erzählt der protestantische Oberhofprediger in Berlin Dr. Kögel aus seiner Praxis: Mit dem Zeichen der Ungeduld trat zu mir ein jüdischer Banquier ein. „Ich bitte um die christliche Taufe." — „Darf ich Sie um die Angabe Ihrer Beweggründe ersuchend" lautete meine Entgegnung. — „Beweggründe! Genug, ich habe mir den Schritt ernstlich überlegt." — „Aber als Geistlicher muß ich die Motive Ihres Entschlusses kennen; denn die Namenchristen, an denen wir schon übergenug haben, möchte ich nicht noch um einen vermehren." — „Gut!" sagte der Jude gekränkt und erhob sich von seinem Sitze, „ich werde mich an einen anderen Geistlichen wenden, der es weniger ernst meint." Dazu bemerkt die in Warnsdorf erscheinende katholisch clericale „Oesterr. Volkszeitg.:,, „Unsere kirchlichen Bestimmungen lauten in dieser Hinsicht streng und sollen auch streng gehandhabt werden. Das Heilige zum Speculationsmittel herabwürdigen, ift grobe Profanation, und wer dazu mitwirkt, wird gleich schuldig durch eine „fremde" Sünde. Speciell sind leichtfertige Judentaufen aus Aoancieruklgs- oder aus Geschäfts- und Heiraths-Absichten ein Frevel, der sich rächt. Nur ernste Ueberzeugung und Vorbereitung macht einen Bewerber zum Eintritt in die katholische Kirche und für die hl. Taufe würdig." — Zu dieser Bemerkung bemerken wir wieder Folgendes: So sehr unsere Wege von denen der „Ost. Volksztg." auch sonst abweichen, so stimmen wir diesmal mit ihr, und zwar in dem Punkte der leichtfertigen Judentaufen vollkommen überein. Nachdem aber nur ernste Ueberzeugung. welche nach Ansicht genannten Blattes für die Taufe würdig macht, in den seltensten Fällen den Anlaß zum Glaubenswechsel bietet, so sollten die geistlichen Eonstistorien auf Erschwerung der Judentaufen hinwirken, vor Allem aber die maßgebenden Behörden veranlaffen, gerade den Speculationstäuflingen das Avancement nicht leicht zu machen.