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Der Israelit · 1894-09-06 · Heft 71 (6.9.1894) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 71 (6.9.1894)
Date
1894-09-06
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXY. Jahrgang. Zweite Beilage zu M 71 ües „Israelit". Zeit««gsuachrichten und Correspoudenzeu. Deutschland. Berlin, 1. September. Nicht Bauern — sondern Turnerfang treiben die Antisemiten seit dem Breslauer Turnfest, bei welchem Anlaß sie eine Versammlung veranstalteten, die trotz schneisigster Reclarne mit einem vollständigen Fiasco endete. Seitdem bemühen sich die ächten „Deutschen" in gewaltigen Artikeln der Welt glauben zu machen, die ganze Turnerschaft zähle schon zu den ihrigen. Fast in jeder Nummer der „Staatsbürgerzeitung" erscheint ein Bericht von einer imposanten Versammlung irgend eines „judenreinen" Turnvereins. Vater Jahn wird in fast jeder Nummer dieses Blattes verherrlicht — als Antisemit natürlich! Daß Jahn ein Antisemit war, ist für dieses Blatt, die Pächterin der Wahrheitsliebe, sonnenklar. Beweise sind nicht von Nöthen, Freund Ahlwardt wird Alles später schon „aktenmäßig" beweisen. Der „Staatsbürgerzeitung" aber könnte man in's Album schreiben: „Jahn war Antisemit und Caserio, der Mörder Carnot's ist und bleibt Jude!" — Hauptsache bei dem Angelwerfen nach den Turnern ist selbstredend, „deutsche Turnvereine zu gründen, um die teutsch-antisemitische Casse für Böckel-Förster'sche Zeitungs- und andere Gründungen zu stärken. Die deutschen Turner werden, dank ihrem geraden Sinne allerdings ebensowenig auf den Leim gehen, wie s. Z. die wirklich „acht teutschen" Bauern bei der beabsichtigten Verwandlung des hinscheidenden „Reichsherold" in eine Aktiengesellschaft. Die Bauern hielten die Taschen fest zu, trotz der beruhigenden Erklärung Böckels in dem genannten Blatte, daß die Zinszahlung vollständig gesichert sei. O e st e r r.U ngar. Monarchie. Wien. Die „Oest. Wochenschr." läßt sich schreiben: Seitdem es bekannt wurde, daß die Corfuenser Niemanden die Besichtigung ihrer Esrog- Plantagen erlauben und diese sorgfältig absperren, besteht der Verdacht, daß sie ihre Bäume propfen, (murkow). daher die Früchte nicht zulässig sind; darüber ist seinerzeit von dem ehrwürdigen Oberrabbiner in Erlau ein Circular in alle Welt hingeschickt worden. In Folge des erwähnten Circulars und der Ausschreitungen der Antisemiten in Corfu hat der ehrw. Rabbiner de F an o, seinerzeit noch in Corfu, Briefe herumgeschrieben, worin er um Himmelswillen, neue Ausschreitungen fürchtend, gebeten, die Sache auf sich ruhen zu laffen und versicherte, daß die Esrogim in Corfu von Rabbinern verpackt und in Kiftchen vom Rabbinats-Collegium ausgefertigt werden und die Corfuer Gemeinde davon ihr Einkommen hat. Mittlerweile hat der importirte Antisemitismus durch die unverschämte Lüge des Ritualmordes die Corfuer JudewGemeinde aufgelöst. Die Wohlhabenden, auch Rabbiner de Fano, der jetzt Rabbiner in Italien ist, sind ausgewandert, und nur die armen jüdischen Hafenarbeiter, die nicht fort können, sind in Corfu geblieben. Die Situation ist zur Zeit vollständig geändert. Die Corfuenser schicken ihre Esrogim lose wie Rüben nach Triest, und hier werden sie in Papier gewickelt und in Kiftchen k 25 Stück verpackt. Die Händler müssen die Kiftchen ungesehen kaufen und enthalten diese meistens unbrauchbare Waare. Krakau, 26. August, ’o mx’w Vor einigen Tagen veröffentlichte der „Israelit" unter der Ueberfchrift „Mainz" ein sehr zeitgemäßes Artikelchen über die jetzt in Japan, China und Korea existirenden jüd. Ansiedelungen. Dieses Artikelchen wurde dann auch von einigen anderen jüd. Blättern reproducirt. Gestatten Sie mir nun, daß ich Sie auf einen kleinen Jrrthum aufmerksam mache, der sich in dieses Artikelchen eingeschlichen. Dort heißt es nämlich, daß in Korea gar keine Juden leben. Dieses ist nicht ganz richtig. In diesem heidnischen und unter chinesischer Oberhoheit stehenden Königreiche lebt ein Jude Namens Jsak Steinbeck aus Galizien. Derselbe kam nämlich vor drei Jahren mit seiner Gattin und seiner Schwägerin Hanna nach dem genannten Königreiche und errichtete dort in der Hafenstadt Che-mul-po (sprich: Tschi-möl-po) ein Einkchrhaus unter dem Namen „Hotel de Korea". Es ist dies ein ganz bescheidenes Gasthaus, das aber das einizige in dieser Stadt ist, und findet der Fremde dort Nachtquartier und die nöthige Verköstigung. Da Oesterreich in Korea keinen Vertreter hat, so steht Herr Steinbeck unter dem Schutze des deutschen Consuls Krien, der ihm auch bei den koreanischen Behörden die Erlaubniß erwirkte, Grund und Boden zum Bau eines Hotels anzukaufen. Wie so Herr Steinbeck nach dem wetten Korea verschlagen wurde, ist nicht bekannt, aber wahrscheinlich wird er von der japanischen Hafenstadt Nagasaki oder von der russischen Wladivostok dorthin gekommen sein, da in diesen beiden Städten größere jüdische Gemeinden existiren. Jedenfalls zeigt uns dies, welche Unter-

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