Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 60 (30.7.1894)
- Date
- 1894-07-30
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448412-2448466--38998-2487129- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1125 r Tlufte. Wir erhalten folgenden Aufruf: Wie es Ihnen aus den öffentlichen Zeitungen gewiß bekannt ist, graffirt im Zaleszczyker Bezirke, wozu unser armes Städtchen Tluste gehört, die Eholeraepedemie und rafft dieselbe (zumeist cholera asiatica) täglich zahlreiche Opfer weg. Das Städtchen Tluste mit einer vorherrschenden jüd. Bevölkerung von über 3000 Seelen, auch sonst arm und einzig auf den Zwischenhandel mit Rohproducten angewiesen, ist durch dieses Unglück, welches dasselbe heimgesucht hat, mit dem größten Theile seiner Einwohnerschaft, der größten Noth, dem tiefsten Elende und der schrecklichsten Verzweiflung precsgegeben. In Folge der immermehr um sich greifenden Choleraepidemie, wurde unser Ort seitens der Hohen Behörde laut Publication in der Neuen Freien Presse seitens des Hohen k. k. Ministeriums deS Innern als Seuchenherd erklärt. Demzufolge wurden die umfassendsten Ausfuhrverbote angeordnet, die' Wochenmärkte, welche bis nun die vornehmste, ja einzige Einnahmsquelle der Einwohnerschaft bildeten, auf unbestimmte Zeit geschlossen, ja svgar das Schlachthaus gesperrt. In Folge dieser gewiß nur zu billigenden behördlichen Verfügungen und prophylacktischen Maßregeln, sieht sich der größte Theil der Einwohnerschaft dieses Städtchens, der einzigen Einnahmsquelle entäußert und in der ganzen Stadt sieht man vor Kummer, Schreck und Entbehrung mit Todesblässe bedeckte Gesichter und vor Entkräftung und Schwäche zitternde und taumelnde Gestalten unsicher in der großen hier herrschenden Sonnengluth sich herumschlepprn. In dieser allgemeinen Noth und großen Bedrängmß sieht sich die Einwohnerschaft der Stadt derzeit vergebens nach irgend welcher Rettung und Hilfe um. Die wenigen besser situirten Einwohner der Stadt, die gerne nach Möglichkeit helfen wollten, sind bereits in ihren schwachen Kräften erschöpft. Der intellegentere Theil der Stadt hat sich nun zu einem Rettungs- und Uuterstützungs Comite coustituirt zu dem Zwecke, die nöthigen Mittel aufzutreiben, die geeignet wären, so viele Hunderte ja tausende Personen vor Noth, Hunger, Verzweiflung, ja sogar vor dem wahrscheinlichen Tode zu schützen. Da aus eigenen Kräften nicht mehr die erforderlichen Mitteln aufgetrieben werden können, indem auch die Gemeinde- und Cultuscasse bereits aller Fonde entblößt ist, so hat das gefertigte Eomite beschlossen, an die allgemein bekannte und gerühmte jüdische Mildthätigkeit und Mildherzigkeit zu appelliren. Juden! Brüder! Glaubensgenossen! Tie Noth ist hier unendlich groß, das Elend nicht zu beschreiben, darum rettet! helfet! und zwar rasch bevor es zu spät ist. Die Juden haben sich stets in ihrer Bedrängnis groß gezeigt. Wollen Sie auch jetzt, werthe Brüder und Glaubens genossen Ihren armen von Unglück verfolgten und von der Epidemie heimgesuchten Mitbrüdern helfend unter die Arme greifen; wollen Sie uns irgend welche Mittel einsenden, damit wir die armen, kranken und gebrochenen Gestalten vor Verzweiflung, Hunger und vor Kräfteverfall schützen. Die Beträge, die Eure Mildthätigkeit uns sicher zuwenden wird, werden gewiß hunderte von Familien am Leben erhalten und vor dem Bettelstab schützen und Eure edle Handlungsweise wird Euere Mitbrüder zum ewigen Danke veranlassen. Zeigt, Glaubensgenoss-n, daß Euch das Schicksal Eurer Brüder auch im entferntesten Osten des Reiches angeht und schickt gütigst Unterstützungsbeiträge und Spenden zu Händen unseres Präsidenten, Herrn Dr. Marek Kronik, Landes- und Gerichts-Advokaten in Tluste ein. Indem wir um die thunlichst rascheste Beschleunigung und Erledigung unserer ergebenen Bitte höflichst ansuchen, zeichnen wir Euere Mitbrüder und Glaubensgenossen, hochachtungsvoll für das Comite: Dr. Marek Kronik, Landes- und Gerichts-Advokat, Abraham Wolf Brecher, Präsidenten. Chaim Langenholz, Kassirer. Nathan Samuel Wolfram, Elo Platzker, Controlore. Jsak Platzker senior, Kasriel Streusand, Ausschußmänner. Elias Biener, k. k. Steueramtsadjunkt, Schriftführer. i Wiesbaden TED‘ X r x i x X X X Altrenommirtes Hotel und Restaurant 2720) mZhh Badischen Hof“, in der Nähe des Kochbrunneus und des Kurhauses. Besitzer: H. Hirschberger. Referenz: Sr. Ehrw. Herr Dr. Kahn, Rab. daselbst. Neubau sämmtlicher Lokalitäten mit modernsten Einrichtungen. Besonders zur Abhaltung von Hochzeiten und Festlichkeiten geeignet. Möblirte Zimmer mit ganzer Pension zu billigen Preisen. 7 Neroftraße 7. @4- 1. U. Eberhardt, Speyer a. Rhein. Königl. Bayer. & Grossb. Bad. Hoflieferant. Gross-Handlung in Flussu. Seelischen. 3 (2335 P w <K5 P < t- P P „ CT? P <t> *?* P a § 5* er B Htyeinkachs Ai scheret. Prompte, billige und gute Bedienung. Export von ff. Stangenspargel & Pfälzer Obst. Feinstes gemästetes franz. Heflügel als: Poularden, Kapaunen, Truthühner, Enten und Tauben. Knaben-Pensionat Direct. Berger Mainz. Das Institut ermöglicht seinen Pensionären, die hiesige höhere Schulen besuchen sollen, durch gewissenhafte Leitung in der Freizeit und sorgfältige Neberwachung der Schularbeiten ein regelmäßiges Aufsteigen in die höheren Klassen und Erreichung der Berechtigung zum Einjährig - Freiwilligendienst, ohne ein Examen oblegen zu müssen. Gründliche Vorbereitung für alle Gymnasial- und Realschulklassen, zur Prüfung für den Einjährig-Freiwilligendienst, sowie für den kaufmännischen Beruf durch rasch fördernden, den individuellen Bedürfnissen des Einzelnen genau angepaßten Einzel-Unterricht. — Feine Erziehung; beste Referenzen. Für Ausländer beste Gelegenheit zur raschen Erlernung der deutschen Sprache. ss Prospekte auf Wunsch gratis und franco, mm r. •f; :' i"