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Der Israelit · 1894-07-05 · Heft 53 (5.7.1894) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 53 (5.7.1894)
Date
1894-07-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Aus der Lehrerwelt. Ö86 Sprechsaal. (Für alle unter dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaction dem Leserkreise gegenüber keine andere als die preßgesetzliche Verantwortung.) ^Frankfurt a. M., 3. Juli. Geehrter Herr Redacteur! In der heute erschienenen Nr. 6 der Pädagog. Beilage Ihrer gesch. Zeitschrift befindet sich an erster Stelle ein Artikel, gezeichnet Veritas, — ich bin im Gegensatz zum Verfasser desselben nicht neugierig, wer und was dieser Herr ist —, der sich mit meinem, in Nr. 25 des „Israelit" enthaltenen Aufsatz: „Zur Frage des D. I. L. B." beschäftigt. Widerlegt ist in dem Artikel von Veritas keine einzige von meinen Ausführungen und ich würde daher auch keinen Anlaß genommen haben, auf denselben einzugehen, wenn sich darin nicht eine kühne Behauptung befände, die entschiedene Zurückweisung verdient. Veritas schreibt: jJn den allgemeinen Lehrervereinen und Versammlungen hat man kein Herz für den isr. Lehrer und kein Verständnis für den isr. Lehrer und kein Verständnis für die isr. Schule, ja man bekämpft sie, weil ste Confessionsschule ist. Woher, muß man sich fragen, kommt Veritas diese Wiffenschaft, da er sich nach seinen eigenen Ausführungen doch von den allgemeinen Vereinen und ihren Versammlungen grundsätzlich fern hält? Doch in dieser Frage liegt auch schon die Beantwortung. Nur wer sich grundsätzlich von den Bestrebungen der Lehrer vereine fern hält und das Heil nur in confessionellen Vereinigungen findet, kann eine solche Ansicht haben. Wer dagegen regelmäßig die Lehrerversammlungen besucht und die pädagogischen Zeitschriften liest, weiß, daß die weitaus größte Zahl der deutschen Lehrer, namentlich Volksschullehrer, durchaus liberal ist und daß vor allen Dingen der deutsche Lehrerveretn energisch die Rechte aller Mitglieder wahrt. Für die Behauptung, in den allgemeinen Lehrervereinen und Versammlungen habe man kein Herz für den isr. Lehrer wird es Veritas schwer fallen, auch nur eine einzige Thatsache als Beweis anzuführen, für das Gegentheil kann ich mit einer ganzen Reihe aufwarten. Ich führe nur an, daß fast überall da, wo sich die isr. Lehrer an den Beretnsangelegenheiten betheiligen, sie ihre Vertretung im Vorstande der betr. Vereine haben. So ist beispielsweise Herr Profeffor vr. Sulzbach seit vielen Jahren Vorstandsmitglied des Frankfurter Lehrervereins. Dieses ist.nicht etwa eine Ausnahme, sondern sogar in Kurhessen sind fast überall die jüdischen Lehrer als Schriftführer oder Kasstrer im Vorstande der Bezirksvereine des Provinzialverbands. Daß es auch hin und wieder christliche Lehrer gtebt, die Antisemiten sind, mag zugegeben werden. Allein den Antisemitismus dieser Leute bekämpft man nicht, indem man sich grollend abseits stellt und eigene Wege geht, sondern nur dadurch, daß man ihnen kräftig entgegentritt und durch Wiederlegung ihrer Ansichten die noch von der Seuche des Antisemitismus freigebliebenen Lehrer vor Ansteckung schützt. — Wenn der deutsche Lehrerverein die jüdische Schule deshalb bekämpfen wollte, weil ste Konfessionsschule ist, müßte er in der gleichen Weise auch die christliche Schule bekämpfen. Das liegt ihm durchaus fern. Wohl sieht er als sein Ideal, dessen Verwirklichung er anstrebt, die Simultanschulen an, und jeder vernünftige jüdische Lehrer muß ihm hierin beistimmen. Allein solange dieses Ideal noch nicht erreicht ist, ist er auf möglichste Hebung der jetzt bestehenden konfessionellen Schule, gleichviel welcher Konfession, bestrebt. Wenn zum Beweis.der geringen Judenfreundlichkeit des deutschen Lehrervereins auf die deutsche Lehrerzeitung hingewiesen wird, so ist dies geradezu lächerlich. Diese Zeitung, von Stöcker u. ähnlichen Leuten gegründet, ist alles andere, nur nicht Lehrerzeitung; sie bekämpft den deutschen Lehrerverein ebensosehr wie Veritas dies thut, sie ist nicht zu verwechseln mit der hochangesehenen: Allgemeinen deutschen Lehrerzeitung in Leipzig.*) Michael Elias. *) „Herr Veritas" Sie haben das Wort. Red. d. Isr. ür viele unserer geschätzten Leser mag es von Jntereffe sein, zu hören, daß auch in diesem Jahre in Harzburg unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Auerbach-Halberstadt das Restaurant Hecht in der Villa „Concordia" etabliert ist. Werda weiß, wie schwer es heutzutage für einen streng rituell lebenden Jehudi ist, auch auf der Reise seine Behaglichkeit zu finden, wird gewiß mit Freuden vernehmen, daß die Restauration Hecht selbst den verwöhntesten Ansprüchen auf Kost und Logis genügt. Ein schöner, luftiger Speisesaal gewährt Raum für ca. 80 gleichzeitig Speisende. Außerdem stehen Lesezimmer, Garten und Veranden Jedermann zur Verfügung. Wenn auch die Villa Concordia selbst nur ungefähr 40 Personen Wohnung bieten kann, so ist doch der Besitzer, Herr H. Hecht, auf Wunsch stets gerne bereit, für herrliches Logis aller bei ihm Speisenden event. außer seinem Hause zu sorgen. Ueber Harzburg's landschaftliche Schönheit ein Wort zu verlieren, hieße Eulen nach Athen tragen. Harzburg's Pracht zieht jährlich viele, viele Tausende in die herrlichen Gauen des Harzes; hoffen wir, daß die streng-koschere Restauration des Herrn Hecht auch viele orthodoxen Erholungsbedürftigen nach den schönen Bergen des Harzes lockt. Briefkasten der Redaction. Abennerrt in Frankfurt a. M. In beiden Fällen muß "nyyp gegeben werden._ Reu eingetretene Abonnenten erhalten die Anfänge der Erzählung „Esterka“ auf Wnufch in Buchform gratis nachgeliefert. Expedition des „Israelit.“

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