Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 49 (21.6.1894)
- Date
- 1894-06-21
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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öi4 Nur seminaristisch gebildete Bewerber wollen sich melden! Man schreibt uns: Wer diese im negativen Sinne aufzufassende Aufschrift liest wird vielleicht glauben, ich wünsche die Zeit zurück, wo verkrachte Kaufleute u. Handwerker, welche Schiffbruch gelitten, die Brille auf die Nase setzten und sich den Gemeinden, zum Schaden derselben, als Lehrer präsentirten. Nein! diese Zeit wünsche ich im Interesse der Neligionsschule nicht zurück; auch ist dieselbe durch Errichtung orthodox geleiteter Lehrerbildungsanstalten glücklich überwunden. Etwas anderes ist es, das ich meine. Ich will nämlich von einer Species von Lehrern reden, welche weder zu den oben erwähnten gehört, noch eine der bezeichneten Lehranstalten besucht hat, zu deren Gunsten aber glaube ich, noch kein Wort gesprochen u. geschrieben wurde.*) Es gibt in Deutschland noch eine stattliche Anzahl von Lehrern in den besten Jahren, welchen es in ihrer Jugend an Gelegenheit fehlte, in einem Seminar sich auszubilden. Diese Männer, welche in vielen Fällen Jahre lang wirklich min „lernten", der deutschen Sprache in Schrift u. Wort mächtig sind n. den Religionslehrerberuf ausüben; diese sind es, die ich meine. Wie werden aber diese behandeltd Man darf wohl behaupten, daß sie gleichsam als die Parias des Lehrerstandes angesehen werden; von den seminaristisch gebildeten Herren Kollegen vielfach von oben herab betrachtet, bei Besetzung vakanter Stellen von den Gemeinden kaum in Betracht gezogen, werden ihnen meistens junge Leute vorgezogen, denen sie an Thorakenntniß weit überlegen sind. Ob diese Handlungsweise mit der schuldigen Ehre gegen unsere hl. Thora u. die, welche sich mit ihr befassen, im Einklang steht, will ich nicht untersuchen. Warum soll aber ein rmn p, welcher auch nkdjh nmn die nöthigen Kenntnisse besitzt, nicht Religi onslehrer sein könnend Vielleicht noch besser als ein Mann, welcher eine glänzende Elementarlehrerprüfung gemacht hat und dabei ein pan vp ist. Man betrachte nur mit ungetrübtem Blick den Wirkungskreis der beiden hier erwähnten Sorten von Lehrern und man wird finden, daß ich so Unrecht nicht habe. Man halte mir auch nicht entgegen, die Regierungen wollen nur seminaristisch gebildete Lehrer. In Bayern, Baden und Württemberg wurden in der jüngsten Zeit die Anstellung von Religionslehrern ohne Seminarbildung anstandslos genehmigt. Hessen mag vielleicht eine Ausnahme machen, wahrscheinlich aber ist auch nur die Agitation der dortigen Lehrer daran schuld. Ob aber den kleineren Gemeinden daselbst damit gedient ist, wage ich zu bezweifeln, trotzdem, wenn ich nicht irre, vor einigen Jahren in Darmstadt der Ausspruch gethan wurde, nur seminaristisch gebil¬ *) Doch, und zwar im Israelit. Red. dete Lehrer könnten religiösen Sinn in den Gemeinden pflegen. Dabei fallen mir unwillkürlich zwei Lehrer ein; der eine ein anerkannt tüchtiger Volksschullehrer konnte thatsächlich nicht das Wort pn« schreiben, der andere wußte als pn nicht, an welchen ü"’ ’my in der Synagoge kein r^N'p gemacht wird. Daraus geht hervor, daß man das Kind nicht mit dem Bade ausschütten darf. Bei Besetzung von Religionslehrerstellen sollte nicht immer die Seminarbildung maßgebend sein; es sollten vielmehr Männer mit Thorakenntniß und entsprechender Bildung in profanen Wissen, wenn diese auch nicht im Seminar geholt wurde, die gebührende Berücksichtigung finden. Allerlei. (Ein Vorschlag zur Güte.) Angehender Musiker: „Mensch, ich möchte etwas noch nie Dagewesenes, Originelles komponiren —" — Sein Freund Studiosus: „Nun, so setze doch einmal ein hebräisch-lateinisches Wörterbuch in Musik!" _ Nach dem Religionsbekenntnis? waren 1890 unter 10,000 ortsanwesendenPersonen 6277 Evangelische, 3575 Katholische, 29 sonstige Christen, 115 Israeliten und 2,7 anderer Religion oder ohne Angabe. Im Jahre 1880 war das Verhältniß 6263 Evangelische, 3589 Katholiken, 17 sonstigen Christen, 124 Israeliten und 6,8 anderer Religion oder ohne Angabe der Religion. Hiernach hat sich die Zahl der Israeliten nicht, wie gewöhnlich angenommen wird, verhältnißmäßig vermehrt, sondern vermindert. Der Beginn des Schuljahres ist an den bayerischen Mittelschulen einschließlich der Lehrerbildungsanstalten künftig auf den 18. September festgesetzt worden. (Verein zur Gründung (eiueSnicht fpez. jüdischen) Lehrer-Kurhauses in Karlsbad, Böhmen.) Nach dem Jahresbericht von 1893 zählt dieser Verein 296 beitragende, 455 ständige und 23 gründende Mitglieder und besitzt 10,483 fl. 74 Kr. Vermögen. Als ständiges Mitglied zahlt man einen einmaligen Beitrag von 10 fl. — (ea. 16 M 30Pf. Curs) oder falls man schon im ersten Jahr des Beitritts die Vereinsbegünstigungen beanspruchen will, 15 fl. Vereinsbegünstigungen sind, so lange die Mittel zum Bau eines Heims nicht ausreichen, unentgeltliche ärztliche Behandlung während einer Karlsbader Kur und Befreiung von Kur- und Musiktaxe: außerdem Freibäder auf Ansuchen. Lehrer und Lehrerinnen aller Kategorien, denen eine diesbezügliche Kur verordnet wird, seien hiemit auf diesen Verein aufmerksam gemacht. Einzahlungen in Postanweisungen direkt an die Herren Oberlehrer Lopala oder Kutzer in Karlsbad: Statuten ebenda oder beim Vertrauensmann für Bayern, Herrn Martin Baunach, Stadtlehrer in Würzburg. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.