Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 41 (25.5.1894)
- Date
- 1894-05-25
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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ts zwischen S. 754/755 eingebunden 761 Stunde in Anspruch nehmen werde und schlägt vor, eine Pause nicht eintreten zu lassen. Die Versammlung ist damit einverstanden und zollt dem geistvollen Referate: „Die Engelslehre im alten Testament" lebhaften Beifall. Punkt 6 der Tagesordnung: „Etwaige Anträge aus der Mitte der Versammlung", giebt Singer-Tarnowitz Veranlassung, seine Verwunderung auszusprechen, daß in einer Lehrerversammlung so wenig pädagogische Anregung geboten werde. Herbst erwiedert, daß das Abhalten einer Probelektion geplant und alles schon dazu vorbereitet gewesen sei, es habe nur leider am Besten gefehlt. Die Tagung könne naturgemäß nur in den Ferien stattfinden und da sei es unausführbar, eine Anzahl Schüler zusammenzubrkngen. Auch Dr. Rosenthal Rogasen wünscht, daß mehr über pädagogische Angelegenheiten verhandelt werde. Bernhard-Tarnowitz will keinen Antrag stellen, giebt aber zu erwägen, indem er auf das Beispiel hinweist, welches Königsberg vor einigen Monaten gegeben, ob nicht Breslau seiner Lehrerversammlung etwas zu Nieten einigermaßen verpflichtet sei. Für die nächstjährige Versammlung melden Vorträge an die Herren: 1. Grünfeld-Schwersenz: „Wie erzieht man die Jugend zur Wahrheitsliebe?" 2. Dr. Louis Neustadt-Breslau: „Jüdisches Schulrecht in Preußen." 3. Dr. Ludwig Rosenthal-Rogasen: „Einiges Pädagogische über das Buch Esther." Schluß der Sitzung nach 2 Uhr. Folgi gemeinsames Mittagessen und später Ausflug nach Scheitnig. Der Schriftführer: Herbst. Dlus »irid fattt». Köln, 15 Mai. In den Pfingsttagen tagte Hierselbst der israelitische Lchrerverein von Rheinland und Westfalen im Hotel-Restaurant „Rheingold". Pfingstsonntag, Nachmittags 2‘/2 Uhr, fand die programmmäßige Eröffnung des Lehrertaaes durch den Vorsitzenden Herrn Blumenfeld aus Essen statt, worauf der Rabbiner der hiesigen Synagogengemeinde Herr Dr. Frank die zahlreichen Anwesenden herzlichst begrüßte. Zunächst erstattete der Vorsitzende den Jahresbericht über die Unterstützung? casse, die gegenwärtig über ein Vermögen von 77 275 M. verfügt, obgleich sie nur 74 Wttglieder hat. Die Einnahmen im abgelaufenen Geschäftsjahre betrug 7864 M. Von diesem Betrage kommen nach den Satzunqen im laufenden Geschäftsjahr an Unterstützungen 2/9 zur Verkeilung. Dem Cassenführer wurde Entlastung ertheilt. Es folgte ein Vortrag des Lehrers Brtsch-Mülheim über „die rechtliche Stellung des jüdischen Lehrers". Dasselbe Thema behandelte Lehrer Spier aus Bocholt. Beide führten Klage darüber, daß die jüdischen Schulen keine öffentlichen seien und die Stellung des Lehrers infolgedessen eine abhängige und unsichere sei. Die Versammlung beschloß die Ausarbeitung einer Denkschrift hierüber und die Ueberreichung derselben an die Gemeinden, um eine Oeffentlichkeitserklärung herbeizuführen. Die vorgeschlagene Resolution: „Es ist anzustreben, daß der jüdische Religionslehrer und der Lehrer an jüdischen Prlvatschulen nach einem Provisorium von drei Jahren lebenslänglich angestellt werde, daß ihm ein den Verhältnissen entsprechendes Gehalt gegeben werde, welches ihm ein sorgenfreies Leben ermöglicht, und daß er in dienstunfähiger Zeit pensionirt und die Zukunft seiner Wittwen und Waffen gesichert werde", fand allgemeine Zustimmung. Abends fand im Gasthof Kaufmann ein Festessen statt, wo bei vorzüglichen Speisen, zündenden Reden und gemeinschaftlichen Liedern bald eine fröhliche Feststimmung herrschte. Montag Morgen folgte die Fortsetzung der Verhandlungen. Lehrer Löb- Köln hielt den ersten Vortrag über das Thema: „das Gebetbuch als Religionsbuch". Er zeigte, welch herrlichen Schatz und was für ein vorzügliches Erziehungsmittel die Glaubensgenossen an diesem Buche hätten. Dr. Auerbach sprach über die Bestrebungen zur Förderung des Handwerks unter den Juden. Er erinnerte daran, daß nicht nur Bibel und Talmud die Arbeit hochschätzten, sondern daß auch das jüdische Volk ursprünglich ein Volk von Bauern war. Die geschichtliche Entwicklung schuf aus ihm ein Handelsvolk, und heute, wo die gesetzlichen Beschränkungen gefallen seien, sei es Aufgabe der Juden, auch das Handwerk mehr zu pssegen. Ein Mittel, Liebe zu demselben bei der Jugend zu erwecken, sei auch der Handfertigkeitsunterricht. Die Schlußrede hielt der Rabbiner Dr. Frank mit dem Wunsche, daß Gottes Segen auf der Arbeit der Lehrer ruhen möge. Lehrer Goldfchmidt von hier hatte eine Ausstellung von Lehrer- und Schülerarbeiten aus dem Handferttgkeitsunterrichte veranstaltet. Sie wurde eifrig besucht und fand vielen Beifall. Usch (Bromberg), 19. Mai. Aus Magdeburg erhalte ich heute eine Zuschrift, aus der zu ersehen ist, daß von dort die Gründung eines UnterstützungS- Vereins für Kultusbeamten geplant worden. Da Sie jedoch in der 1. Beitaae der Nr. 36 Ihres geschätzten Blattes eine Aufforderung zur Gründung eines ähnlichen Vereins bereits erließen, den zu letten der Herr Redacteur des „Israelit" in uneigennützigster Weise selbst übernehmen will, so kann die Gründung noch eines solchen Vereins nicht nur nichts nützen, sondern sogar der guten Sache sehr viel schaden. Ich wollte mir daher hierdurch erlauben, sowohl die Herren Gründer des Magdeburger Vereins Ahwos-Achim als auch die diesem Verein ev. beitretenden Beamten auf die s. Z. im „Israelit" angekündigte Gründung aufmerksam zu machen, damit einer Zersplitterung der Kräfte von vornherein vorgebeugt werde. Es sollten sich im Interesse der Sache beide Projekte vereinigen, um gemeinsam etwas Ersprießliches leisten zu können. G. Hopp.