Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 81 (12.10.1893)
- Date
- 1893-10-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1525 Berechtigung, sondern seine unerläßliche Notwendigkeit hat, so gewiß wird der Gottesgeist, der von Sem ausgeht, der Gott als Vater und die Menschen als seine verbrüderten Kinder ohne Unterschied der Farbe und Rasse lehrt, sich darin bewähren, daß kein Glied der Gesammtheit als welk und nutzlos zu Boden fällt. Deßhalb schaut Sem nicht neidisch auf die Geister und Herzen gewinnenden, Welt erobernden Erfolge Japhets. Und wenn alles gelingt, was Japhet unternimmt, so steht eben alles im Dienste der Wahrheit, die Sem gelebrt und die Gemeingut der Gesammtmenschheit zu werden berufen ist. Diese semitische Wahrheit hat bereits in ihrem ersten Träger eine Welt überdauert, die wegen ihrer sittlichen Entartung der Vernichtung anheim fiel, diese semitische Wahrheit ist siegreich aus einer Generation hervorgegangen, die in Sprache, Sitte und Lebensanschauung mit sich selber zerfallen war und wie sie geistig geschieden war auch räumlich auseinanderging. Sie ist in den Jahrtausenden, die sie hinter sich hat, doch zu mächtig erstarkt, als daß ihr eine Hand voll übelwollender Japhettten das Lebenslicht ausblasen könnte. Nicht schämen, stolz mögen wir darauf sein, daß wir Semiten sind. Und wenn auch Japhet mit seiner Bruderliebe knikkern sollte, die semitische Wahrheit wird sich stärker erweisen, als der künstlich gezüchtete arische Klassen- und Racenhaß. Dieser Zwiespalt wird nicht ewig dauern. Früh und spät, mit dem ersten Lallen bis zum letzten Hauche ruft sich daher der jüdische Mund unablässig die Wahrheit in's Bewußtsein, daß der Gott, der heute nur als Gott Israels erkannt wird, als der eine einzige Gott der ganzen Menschheit einst anerkannt wird. Das ist's was die semitische Wahrheit dem antisemitischen Trug entgegen hält: . "HIN 'n n vor Zeituugsuachrichteu rrrrd Ikorresporrdeuzerr. Deutschland. Darrnftadt. Bei den Erneuerungswahlen zu der zweiten hessischen Kammer haben die Antisemiten zum erstenmale drei Sitze erlangt. Berlin. In einer von 500 Personen besuchten, von dem „Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" am 27. September veranstalteten Versammlung wurden die nachstehenden vier Thesen angenommen: „1 Mir deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens stehen fest auf dem Boden der deutschen Nationalität. Unsere Gemeinschaft mit den Juden anderer Länder ist keine andere, als die der Katholiken und Protestanten Deutschlands mit den Katholiken und Protestanten anderer Länder. Wir erfüllen als Staatsbürger freudig unsere Pflichten und halten fest an unserem verfaffungsmäßigen Rechte. 2) Wir gehören als Juden zu keiner politischen Partei. Die politische Anschauung ist wie die religiöse, Sache des Einzelnen. 3) Wir haben keine andere Moral, als unsere andersgläubigen Mitglieder. Wir verdammen die unsittlichen Handlungen des Einzelnen, weß Glaubens er sei. 4) Wir verwahren uns gegen die leichtfertige oder böswillige Verallgemeinerung, mit der Vergehen einzelner Juden einer jüdischen Gemeinschaft zur Last gelegt werden.I" Berlin, 7. Oft. Es war vielfach als auffällig bezeichnet worden, daß der konservative Wahlaufruf für die Landtagswahlen kein Wort über die Judenfrage enthält. Das officielle Organ der Partei beeilt sich deshalb, darauf hinzuweisen, daß die etwa daran geknüpften Folgerungen durchaus irrig sind. Der Wahlaufruf weise ausdrücklich auf das neue Programm vom 9. December 1892 hin und damit sei alles Nöthige gesagt. Den Konservativen sei für den Landtag kein anders Programm maßgebend, als für den Reichstag. Schon bevor die Stellung der Konservativen zur Judenfrage durch das neue Programm präztsirt worden, sei gerade im preußischen Landtage der berechtigte konservative Antisemitismus zur Geltung gelangt. Die Konservativen würden auch in Zukunft aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen. Um den Beweis dafür nicht schuldig zu bleiben, macht sich das konservative Organ die Behauptung antisemitischer Blätter zu eigen, daß die Juden „Leipzig und Sachsen wegen des dort wachsenden Antisemitismus boykottiren zu wollen" schienen. Als Beweis dafür wird die Eingabe der zur Meffe in Lepzig weilenden Borstenhändler angeführt, worin die dortige Handelskammer um ihre Fürsprache ersucht wird, damit das im Königreich Sachsen seit einem Jahre bestehende Schächtverbot aufgehoben werde. Die Petenten weisen in ihrer Vorstellung darauf hin, daß, wenn jenes Verbot aufrecht erhalten werde, sie genöthigt seien, die Leipziger Messen zu meiden und ihr Geschäft alsdann in Berlin zu betreiben. Darin erblickt nun die „Kons. Korr." ein kleines Beispiel „jüdischer Unverfrorenheit", aus dem leicht zu ersehen fei, in welchem Maße die Juden herrschsüchtig auftreten würden, wenn sie erst — wie das Borstengeschäft — Handel und Industrie (womöglich auch Landwirtschaft) völlig monopolistrt hätten; es wäre indessen die richtige Antwort auf diese ungeheure jüdische Anmaßung, wenn von Reichswegen ein Schächtverbot erlassen würde. Auf diese Forderung läuft auch ein nicht minder unverfrorener Artikel der „Kreuzztg." hinaus. Es paßt durchaus zu dieser antisemitischen Hetze und ist eines