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Der Israelit · 1893-08-24 · Heft 68 (24.8.1893) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 68 (24.8.1893)
Date
1893-08-24
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. Mette Beilage ju M 68 des „Israelit“. Literarischer Bericht. Aus Vergangenheit und Gegenwart der isr. Gemeinde Worms von S. R o t h s ch i l d, Lehrer. Mainz. Druck und Verlag der Jo h. Wirth'schen Hofbuchdruckerei, 29 S. mit 4 Phototypien. (60 Pf.) „Wahrheit und Dichtung" könnte man das Büchlein betiteln, welches vor uns liegt. Die Dichtung ist in das Gewand der Sage gehüllt und nicht leicht dürfte eine jüdische Gemeinde geben, wo so viele Erinnerungen an die Vergangenheit anknüpfen, wie das sagenumwobene Worms. Herr Rothschild führt dem Leser in faßlicher, abgerundeter Redeform diese Legenden vor und versteht es, für dieselben lebhaftes Interesse zu erwecken. Die beiden Fremden, die Zaubergans, die Familie Dalberg, Raschi, R. Jehuda Hachasid, der Sohn des Bürgermeisters, der Name Worms — diese Ueberschriften beweisen allein schon, wie reichhaltig das „Maase-Nissim" Buch an derartigen Sagen ist, von denen der Vers, uns die spannendsten unter obigen Titeln erzählt. Voran geht eine Schilderung des Friedhofs und der Synagoge mit ihren alten Inschriften. Daß Vers, auch in diesen geschichtlichen Darstellungen das Material geschickt zu verwerten weiß, darf uns nicht Wunder nehmen, da derselbe hierin kein Neuling ist und, wie die Leser des „Israelit" wissen, seine Feder schon oft in den Dienst geschichtlicher Forschung gestellt hat. Die beigefügten Phototypien zeigen dieRaschikapelle, den Friedhof, sowie die äußere und innere Ansicht der Synagoge. Die Ausstattung des Büchleins ist eine sehr gefällige, wie wir sie von der bekannten Druckerei gewöhnt sind. Möge das hübsche Büchlein, das auch für Schüler bibliotheken sehr geeignet ist, viele Leser finden und der Vers, uns noch öfter von „Maase" und „Nisstm" von Geschichten und Legenden des alten „Garmisa" erzählen. L. ZeiturrgSrrachrichterr «rrd Correfporrderrze«. Deutschland. Hamburg, 13. August. Eine werthvolle Eroberung haben die Antisemiten gemacht. Viele unserer Leser werden sich noch entsinnen, daß bei der Wahl im Jahre 1890 die Nationalliberalen in ihren Versammlungen einen ausgeftopsten „Arbeiter" Namens „Wünsch" mit herumschleppten, der für Woerwann Propaganda machen mußte. Besagter Wünsch hat sich inzwischen vom ausgeftopsten „Arbeiter" zum „kleinen Beamten" entwickelt und treibt nun als solcher seine Allotria in den gegenwärtig stattfindenden Wählerversammlungen im ersten Wahlkreise. Mit der Umwandlung zum „kleinen Beamten", welche jedenfalls erfolgt ist in Anbetracht der unschätzbaren Verdienste, die der Wünsch Herrn Woermann geleistet, hat sich aber auch ein politischer Gesinungswechsel beim Woermann'schen Wünsch vollzogen. Wünsch ist jetzt Vollblut-Antisemit nnd verspeist Tag für Tag zum Frühstück einen Juden, und an Sonn- und Feiertagen aber eine ganze Judenfamtlie. Oester.-Ungar. Monarchie. Prag, 13. August. (Antisemitische Ausschreitungen in Rewnttz.) Wir lesen in der „Ceskä Politika": Im heurigen Jahre haben viele Prager in Rewnitz ihren Sommerausenthalt aufgeschlagen, und zwar über 400 Personen. Ein Dritthetl dieser Sommergäste sind Israeliten. Mit dieser Thatsache scheinen einige bis jetzt nicht näher bekannte Persönlichkeiten unzufrieden zu sein, welche Alles ausbieten, um den Israeliten den Aufenthalt zu verleiden. So wurden sie beim Baden attaqutrt, ohne daß man der Thäter bis jetzt habhaft werden konnte, auf den Gassen, im Walde und auf der Promenade wurden lithographirte Pamphlete ausgestreut und vergangenen Montag wurden dem Vtllenbesitzer Herrn Kersch zwei Fenster eingeschlagen. Obgleich der Beschädigte eine erhebliche Belohnung für die Ausforschung der Thäter zugesagt hat, sind dieselben bis jetzt nicht sichergeftellt worden. Frankreich. Paris, 4. August. Der Senator A. de la Berge schreibt im Siecle über die Rolle des Antisemitismus im Wahlfeldzuge: „Vor sechs Monaten wurde das Gerücht verbreitet, der Antisemitismus werde in Frankreich einen noch viel beträchtlicheren Sieg davontragen, als in Deutschland. Heute sieht man schon, wie übertrieben diese Hoffnungen waren. Sogar die Führer der Partei wagen sich nicht in das Kampfgewühl zu stürzen. Eduard Drumont, deffen Candidatur in mindestens einem halben Dutzend Departements geräuschvoll angekündigt worden war, scheint nirgends damit Ernst machen zu wollen. Der Marquis de Mores ist allzusehr von der gerichtlichen Curatel in Anspruch genommen, die sein Vater ihm hat bestellen lassen. Und der furchtbare Guerin, der Alles verschlingen sollte, ist aus dem dem Gesichtskreise verschwunden. Die Libre Parole muß sich damit begnügen, ihre Fahne eingeschmuggelten Antisemiten arMvertrauen, dem Boulangisten

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