Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 52 (29.6.1893)
- Date
- 1893-06-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXIV. Jahrgang. Meile Beilage zu M 52 des „Israelit". Leitender Artikel. Die HeKupljotl). Von L. Cohen in Rees am Rhein. (Nachtrag zu diesem Artikel in Nr. 24, 27/28 u. 29 dss. Bl.) Viele Leser dieses geschätzten Blattes verlangen von mir Auskunft über den zu den „Tekuphoth" in Beziehung stehenden Volksglauben bezüglich der im Eingänge meines Artikels angedeuteren Blutstropfen, die zur Zeit der „Tekuphoth" niederfallen sollen. Gestatten Sie mir daher, geehrter Herr Redacteur, den Wunsch derselben nach Angaben der einschlägigen Literatur an dieser Stelle befriedigen zu dürfen. Die alten Kalendarien finden eine Andeutung der „Tekuphoth" in biblischen Ereignissen und die lebhafte Phantasie der Alten hatte leichte Mühe, auf Grund dieser Andeutung den Volksglauben in Betreff der Blutstropfen in Umlauf zu bringen. Wo und wann die merkwürdige Erscheinung zuerst zu Tage trat, ist nirgends angegeben; die Berichte schließen gewöhnlich mit den Worten: ’hnsd "p „So habe ich es gefunden", ohne aber irgendwo die Quelle anzugeben. Ohne mich daher in Bezug auf die Möglichkeit oder Glaubwürdigkeit dieser Erscheinung pro oder eoutra zu erklären, sei hier in Kurzem nur dasjenige mitgetheilt, was die einschlägigen Schriften über diesen Gegenstand berichten. Man sagte: In dem Augenblicke, als Gott beschloß, daß alles Wasser in Egypten sich in Blut verwandeln sollte, geschah daffelbe auch mit allem übrigen Wasser in der ganzen Welt; deßhalb zählen (beachten) wir die;d\j 'n. Als Gott dem Moses und Aron befahl, zum Felsen zu reden, daß er sein Wasser gebe und Moses auf den Felsen schlug, floß Wasser aus demselben. Es wird hierbei auf Ps. 78, 20 hingewiesen, wo dieses Ereigniß mit den Worten nsn D’D iw, „Er schlug den Felsen und es flössen Wasser heraus", berichtet wird. (Im Pentateuch heißt es d'b ins'i, 4. B. M., 20, 11.) Der Ausdruck m’i wird in der h. Schrift aber beim Blutfluß gebraucht, wie es heißt rtcn m? w? o ntcw (3. B. M. 15, 25.) Ju diesem Augenblicke verwandelten sich alle Wasser der Welt in Blut; deßhalb zählen (beachten) wir die nvn 'n. Als Abraham seinen Sohn Isaak opfern wollte und das Schlachtmesser an seinen Hals legte, floß Blut aus demselben und in dem nämlichen Augenblicke verwandelten sich auch alle Waffer der Welt in Blut; deßhalb zählen (beachten) wir die nttfn 'n. Als Jiphtach seine Tochter opfern wollte, verwandelten sich alle Wasser der Welt in Blut und zwar wegen der Schmerzensthränen, welche sie darüber vergoß, daß sie ihr jungfräuliches Leben so früh aufgeben sollte; deßhalb zählen (beachten) wir die nao 'n. — Bei Wiederkehr der rrs^pn verwandeln sich nun auch noch heute alle Wasser der Welt in Blut. Da uun zur Zeit der „Tekuphoth" das Trinken des Wassers den Tod zur Folge haben soll, so hütete man sich, in diesem Augenblicke überhaupt Wasser zu trinken. Man gab jedoch ein Mittel an, die schädliche Wirkung des Wassertrinkens zur Zeit der „Tekuphoth" zu paralysiren und fand eine Andeutung für die Wirksamkeit desselben ebenfalls in der heil. Schrift. Da es (2. B. M., 7, 19) nämlich heißt: D\32*01 QWP21 ll'-wv pK DT HMl, „Und es war Blut im ganzen Lande Egypten, sowohl in hölzernen, als in steinernen Gefäßen", so folgerte man aus dem Umstande, daß eiserne Gefäße hier nicht genannt seien, daß in solchen sich das Wasser nicht in Blut verwandelt hatte, das Eisen also ein Präservativ gegen das Blut sein müsse und legte deßhalb vor Eintritt der ns-pn auf alle Gefäße, welche Flüssigkeiten enthielten, ein Stück Eisen. Nach der Meinung Anderer hat das Enthalten vom Wassertrinken zur Zeit der „Tekuphoth" folgenden Grund: Das Jahr ist der Obhut von 4 himmlischen Wächtern anvertraut, deren jeder ein Quartal (von einernE»pn bis zur andern) seines Amtes waltet, um die Welt vor bösen Geistern zu bewahren. In dem Augenblicke der Ablösung nun, in welchem die Wächter ihr Amt wechseln, also beim Eintritte jeder nsipn, steht die Welt schutzlos da, der nno 2Dp herrscht über dem Wasser, die ppo treiben ihr Spiel und das Wassertrinken würde die Menschen in Todesgefahr bringen. Erfahrene Fischer behaupten sogar, daß alle in diesem Augenblicke ausgeworfenen Netze im Wasser verfaulten. Außer diesen Gründen werden noch andere angeführt und über das Eisen als Schutzmittel auch noch der, daß das Verdienst unserer frommen Mütter ,npn-i ,nn^2, deren Anfangsbuchstaben das Wort ergeben, gegen die schädlichen Wirkungen des Wassertrinkens zur Zeit der nvipr, schützen soll. Was nun von diesem Schreckbilde in Wirklichkeit zu halten sei, bleibe dahingestellt und sei an