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Der Israelit · 1893-01-26 · Heft 8 (26.1.1893) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 8 (26.1.1893)
Date
1893-01-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. Weite Beilage jii I 8 des „Israelis. Literarischer Mericht. — Barmizwah-Redeu von Elias Karpeles. Verlag von Bernhard Eppstein u. Co. in Brünn (Mähren). Obgleich auf diesem Gebiete bereits von namhaften Kanzelrednern Manches geschehen, so verdienen diese Reden von Karpeles gleichwohl mit in erster Linie volle Beachtung. Seit dem ersten Erscheinen dieser Reden im Jahre 1889 hat sich das Bedürfniß nach einer neuen Auflage fühlbar gemacht, welche nunmehr von dem Sohne des Verfassers, dem bekannten Gelehrten und Schriftsteller Dr. Gustav Karpeles, verbessert und vermehrt vorliegt. Als ein ganz besonderer Vorzug dieser Auflage muß das im Vorwort enthaltene Lebens- und Charakter-Bild des verewigten gelehrten Verfassers bezeichnet werden. Diese herrliche und willkommene Zugabe trägt wesentlich zum besseren Verständniß der Reden selbst bei. Der Stoff dieser Reden ist so mannigfaltig und so inhaltsreich, daß diese Reden in der Hand eines geschickten Lehrers sich auch zu „Sabbath-Reden" bei dem „Jugend-Gottesdienste" wie auch zu „Sabbath-Vorträgen" für Erwachsene beim „Schiur-Lernen" recht gut verwerthen ließen. Wir können diesem Schatze geistreicher Schriftauslegung nur wünschen, was Rabbi Abahu (Sota 40) dem frisch sprudelnden Agaddaguell verheißt, „daß eilen die Käufer, um es zu erwerben. Zeitrrngs«achrichterr und Correfpoudeuzen. Deutschland. Berlin, 19. Januar. „Die Lichtstrahlen des Talmud" von Rabbiner I. Stern dürften dem einen oder dem andern der verehrten Leser vielleicht schon zur Hand gekommen sein, und sie es wahrscheinlich auch schon höchst „originell" gefunden haben, daß es ein „Rabbiner" in der Vorrede für nöthig erachtet, zu versichern, daß er kein talmudgläubiger Jude sei. Nun hält sich ein Rabbiner schon so für genügend gebrandmarkt, so wollen auch wir nicht weiter mit ihm rechten, und es bei einem innigen Bedauern, des durch ihn wahrhaft in den Koth gezerrten Titels, eines Rabbiners, bewenden lassen. Aber, daß es der „Rabbiner" als eine Vertuschungsmethode der jüdischen Publizistik bezeichnet, die in dem Talmud schönes oder gar heute maßgebendes finden will, darauf erhielt er, wie weiland der Heerführer Sisra von der Prophetin Debora, am gestrigen Abend eine schlagende Antwort. Nicht die jüdische Publizistik, sondern eine Frau, die einer anderen Confession angehörig, auf dem Gebiete der Wissenschaft hervorragend ist, und die auch im Talmud in seinem Urtexte, eine vielleicht dem Lichtstrahlen suchenden Herrn Rabbiner mangelnde Bewandtniß besitzt, Frau Dr. Nahida Remy war es, die dem Talmud sein Lob sprach und die Lichtstrahlen nicht erst suchen mußte, weil sie, als Andergläubige, den Talmud ja nachahmungswürdig fand. Am 18. Januar l. I. Abends 8 Uhr hielt Frau Dr. Nahida Remy zum Besten des durch weit und breit berühmten Herrn Levi Stein, hiesigen Wein-Großhändlers, ehemaligen Rabbiners in Ungarn, gegründeten Vereins zur Unterstützung jüdischer Gelehrten einen fast 2stündigen Vortrag in der Aula des Friedrich-Realgymnasiums über das Thema „das jüdische Weib im Talmud". Ein sich aus den gebildetesten Kreisen aller Confessionen gruppirendes Publikum füllte den großen Saal bis auf das letzte Plätzchen und lauschte den gelungenen Ausführungen der trefflichen Rednerin auf das gespannteste. Wie herrlich wußte sie den Talmud vollkommen fehlerfrei in seinem Urtexte anzuführen und demselben aus jedem Worte ganze Sonnen scheinen zu lassen, während ein „Rabbiner" nach Lichtstrahlen tappt. Wie legte sie klar, daß der Talmud die Grundlage der Existenz des jüdischen Volkes bis heute bildet, durch seine würdige Beachtung der Frau im Hause, daß ihr der Talmud entgegen den anderen Katechismen volles Recht gewähre, da sie die kommende Generation tugendhaft heranbilde, und wie bitter bedauerte sie, die Andersgläubige, es, daß die heutigen Jüdinnen sich zur Copie herabwürdigen und in der Mißachtung des Talmuds die Basis ihres Bestandes rauben. Wie viele viele Stellen aus den verschiedenen Abschnitten des Talmuds wußte sie im Urtexte anzuführen, aus denen klar das Zartgefühl, das in ihm herrsche, zu Frage trat. Warm, mit vollendeter oratorischer Begabung, redete sie dem, wie sie selbst sagte, unschuldig und nur aus Unkenntniß übel beleumundetem Talmud das Wort, seine Nachahmungswürdigkeit für die Gegenwart hervorhebend. So originell es klingen mag, so wahr ist es, daß Frau Dr. Nahida Remy was seltenes geleistet hat und dankbar erkannten dies ihre Zuhörer in nicht endenwollenden Beifall am Schluffe an. Der hochverehrte Präses des Vereines, Herr Levi Stein, drückte dies auch der gefeierten Rednertn in gelungenen Worten aus, wobei er, in Anspielung ihres Namens, hervorhob, daß sie auf dem Talmudgebiete wohl keinem Rabbiner ein Schach-Matt, so

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