Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 92 (21.11.1892)
- Date
- 1892-11-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1755 Schwester, in Wuchs, Haltung, Gestchtsbildung, in der Klangfarbe der Stimme, in Ihrem ganzen Wesen und Behüben! .... Deßhalb erschienen Sie mir schon beim ersten Anblick so sympatisch, deßhalb schien es, als wenn wir uns schon im Leben einmal begegnet wären!" Schon als Markbreiter zu sprechen begonnen, ertönte von der Schtldwache vor des Oberhoffaktors Palais, ein dreimaliges „Gewehr heraus!" und Trommelwirbel; jetzt riß ein Diener die Thüre des Kabinets auf und meldete: „Seine Durchlaucht der Herr Generalissimus Prinz von Savoyen ist soeben vorgefahren" und noch bevor der Oberhoffaktor seinem illuftren Besucher entgegeneilen konnte, übertrat dieser die Schwelle. Rafael Levi, der sich mittlerweile etwas gefaßt hatte und Perez Markbreiter wollten eiligst das Kabinet verlassen, aber der Prinz sprach: „Es braucht sich Niemand zu entfernen. Ich habe heute mit dem Herr Oberkriegssaktor keine Geheimnisse zn besprechen, im Gegentheil, ich wünschte ganz Europa könnte mich hören! „Herr Oberkriegsfaktor, ich komme Ihnen meinen herzlichsten Dank für den großen Dienst abzustatten, den Sie mir neuerlichst dadurch erwiesen, daß Sie mich in Ihrer oft bewährten Freundschaft und mit Ihrer gewohnten Klugheit und Energie, noch rechtzeitig von dem gegen mich geschmiedeten Comp! otte, bevor sich diese affreuse Affaire zu voller Unentwirrbarkeit verknoten konnte, in Kenntniß setzten. Die Angelegenheit hätte eine sehr ernste Wendung nehmen, mir den Abend meines Lebens verbittern, mich zwingen können, Oesterreich für immer zu verlassen, mehr als das, es hätte eine totale Zerrüttung des österreichischen Staatswesens zur Folge haben können. Auch seine Majestät anerkennt das hohe Verdienst, das Sie sich von Neuem erworben und hat sich, wie schon so oft, in günstigster Weise über Sie ausgesprochen. -- Ich habe mich auch noch eines Auftrages an Sie, Herr Oberkriegsfaktor zu entledigen. Auch ihre kaiserliche Hoheit die Frau Erzherzogin Maria Josefa, läßt Ihnen Ihren herzlichsten Dank für die Entdeckung des Comploites aussprechen und Ihnen versichern, daß es sie herzlich freuen würde, wenn sie Ihnen je nützlich werden könnte, und daß wenn Sie, Herr Oberkriegssaktor, je in die Lage kämen, eine erfüllbare Bitte an sie zu richten, Sie im Vorhinein von deren Gewährung überzeugt sein können" und als Wertheimer befremdet aufblickte, fuhr Eugen fort: „Die Erzherzogin, welche bis über ihre beiden kleinen rosige Ohren in den Prinz August von Sachsen-Polen verliebt ist und von ihm rasend wieder geliebt wird, glaubt, mit vollem Rechte, daß mit meinem Sturze, die Herren von der italienischen Partei diese Verbindung hintertrieben hätten, um ihre Hand an den sardinischen Kronprinzen zu vergeben. Die anmuthige huldvolle, aber etwas turbulente Prinzessin, die sich in ewiger Fehde mit den strengen Gesetzen der Etikette und mit ihrer Oberhofmeisterin befindet, hatte beabsichtigt bet Ihnen vorzufahren und Ihnen persönlich ihren Dank abzustatten. Alle Proteste ihrer Obersthofmeisterin wären vergeblich gewesen, wenn ich nicht der Frau Erzherzogin versichert hätte, Sie, Herr Oberkriegsfaktor, würden sich Ihren Dank selbst abholen. Ich hoffe", fuhr der Prinz lachend fort, „keine Fehlbitte an Sie zu richten, wenn ich Sie ersuche mein Wort zu lösen und sich an einem der nächsten Tage bei ihrer kaiserlichen Hoheit zur Audienz zu melden. Es thut mir wahrhaftig leid eigenmächtig über Ihre kostbare Zeit verfügt zu haben, aber man kann dem reizenden, neckischen Koboldchen, wenn es hartnäckig darauf besteht, gar nichts versagen!" „Euer Durchlaucht", erwiederte Wertheimer lächelnd, „es ist selbverständlich, daß ich höchst Ihrem Befehle gehorsame und mir von ihrer kaiserlichen Hoheit eine Audienz erbitten werde, — aber mein gnädigster Prinz", fuhr er nach kurzer Pause wieder mit tiefem Ernste fort, „ich erlaube mir ganz ergebenst zu bemerken, daß das geringe Verdienst, das ich mir bei der in Rede stehenden Angelegenheit erworben, allzugnädig beurtheilt, bei Weitem überschätzt wird. Ich habe die Ehre Ober- Hof- und Oberkriegfaktor seiner apostolischen Majestät unseres allergnädigsten Herrn und Kaisers zu sein und schon meine Hof-Charge legt mir die Pflicht auf, ein mir bekannt gewordenes, gegen den ersten Minister gerichtetes Complott, zur Kenntniß zu bringen, mir persönlich um so mehr, als mich sowohl an seine Majestät den Kaiser als an höchst Sie, Durchlaucht, die festen Bande der Dankbarkeit für überreiche mir zu Theil gewordene Huld und Gnade fesseln; ich selbst habe nur meine Pflicht erfüllt; allein zwei andere Männer, einer meiner Commis und Ropert, der Kammerdiener des Grafen Nimptsch haben sich bei dieser Entdeckung ein weit größeres Verdienst, als ich selbst erworben." „Ohne das Letztere einräumen zu wollen", fiel ihm der Prinz eifrig und wohlwollend ins Wort, „muß ich es aussprechen, daß Sie mit Ihren Mtttheilungen meinen eigenen Wünschen zuvorgekommen sind. Als Sie, der sonst so ruhige besonnene Mann, mir mitten in der Nacht, die Anzeige erstatteten, Sie selbst hätten mit Ihren eigenen Ohren, die gegen mich gerichteten Anschläge gehört und mir versicherten, es thäte höchste Eile noth, da hatte ich nicht Zeit, mich über die näheren Details zu erkundigen