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Der Israelit · 1892-11-17 · Heft 91 (17.11.1892) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 91 (17.11.1892)
Date
1892-11-17
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXIII. Jahrgang. Zweite Beilage ju M 91 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin, 13. November. Die Monarchie in Preußen ist gefährdet, denn eine ihrer Stützen, Herr Adolf Stöcker, hat sich von ihr losgesagt. In der vorgestrigen Versammlung seiner „Christlich- Sozialen" erklärte Herr Stöcker wörtlich: „Der König wollte unsere Arbeit nicht und verlangte von mir, daß ich mich von der Berliner Bewegung zurückziehen oder mein geistliches Amt aufgeben solle. Ich wählte das letztere; denn blos gegen die Wand rennen, um mir Löcher in den Kopf zu stoßen, das thue ich nicht. Wir können nicht monarchisch wirken, wenn der König es nicht will. Vor wenigen Wochen sandte der König eine Telegramm an Zelle, des Inhalts, daß die Stadt Berlin einen besseren Oberbürgermeister nicht haben könne. (Bewegung.) Ich nehme das Wort mit Ehrerbietung hin. Aber unter diesen Umständen kann man doch keine monarchische Agitation treiben. Wenn der König einen der Kirche abgeneigten, fortschrittlichen Mann für den besten, geeignetsten erklärt, dann wird Jeder sagen müssen, daß wir unter diesen Umständen keine monarchische Agitation treiben können." Beuten, O.-S. Der von hier gebürtigte, vor 7 Jahren in Amerika verstorbene Herr Benthner hat nach seinem in Köln hinterlegten, aber erst vor Kurzem eröffneten Testamente der hiesigen Synagogengemeinde 75,000 Mark zur Errichtung eines Waisen- oder Krankenhauses vermacht. Die Synagogen-Gemeinde wird, die landesherrliche Genehmigung vorausgesetzt, das Legat annehmen und im Sinne des Testators verwenden. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Bukarest, im November. Im kommenden Januar findet bekanntlich in Sigmaringen die Vermählung unseres Thronerben, des Prinzen Ferdinand von Hohcnzollern, mit der Prinzessin Mary, Tochter des Herzogs von Edinburgh, und somit einer Enkelin der Königin Victoria und andererseits wieder einer Nichte des Czaren, statt und wird das Neuvermählte Paar dann hier seinen feierlichen Einzug halten. Die Israeliten Rumäniens, die in ihrem patriotischen Denken und Handeln den anderen Bewohnern unseres Vaterlandes nicht im Geringsten nachstehen und die an allen Ereignissen in unserer königlichen Familie den innigsten Antheil nehmen, treffen schon jetzt Vorbereitungen, um dem Neuvermählten kronprinzlichen Paare Beweise ihrer treuen Ergebenheit und Anhänglichkeit liefern zu können. Das hohe Brautpaar wird sich dadurch überzeugen können, daß die Juden Rumäniens es wohl verstehen, ihre religiösen Anschauungen und Pflichten mit ihren patriotischen Obliegenheiten in Einklang zu bringen. Ich werde im „Israelit" seinerzeit Näheres über diese Festlichkeiten mittheilen. Am vergangenen Simchat-Thorafeste beging der Cantor der hiesigen deutsch-jüdischen Gemeinde, Herr Gerson Weiß, das 25jährige Jubiläum seiner Thätigkeit als Vorbeter und Scholiach-Zibur dieser Gemeinde, und wurde dieser Tag daher sowohl von dem Jubilar, als auch von der großen Schaar seiner Verehrer und Freunde hier festlich begangen. Die Hauptfeier fand jedoch erst am darauffolgenden Sonntag, 16. Oktober, und zwar im Gotteshause selbst, statt, der auch zahlreiche nichtisraelitische Notabilitäten, darunter der Flügeladjutant des Königs, General Robescu, der Präfect unserer Stadt, der Oberstaatsanwalt rc. anwohnten. Natürlich fehlte es auch nicht an kostbaren und werthvollen Geschenken für den Jubilar, unter denen das ihm von seiner Gemeinde gespendete massivsilberne Theeservice, das aus der Fabrik eines jüdisch-rumänischen Goldarbeiters hervorgegangen, den ersten Rang einnimmt. England. London, 14. Nov. Das Comite der unbeschäftigten Juden, welches beschlossen hat, einen Marsch von 30000 unbeschäftigten Juden des Ostendes durch die Straßen von London zu veranstalten (wobei alle barfuß auftreten sollen), hatte den Oberrabbiner Dr. Adler ersucht, eine Deputation zu empfangen. Dies geschah gestern. Die Deputation ersuchte den Oberrabbiner, seinen Einfluß gegen die Herabdrückung des Lohnes und gegen die überlange Arbeitszeit geltend zu machen. Dr. Adler antwortete, die Noth sei übertrieben und die vorgeschlagenen Mitteln wären schimmer als das Uebel selbst. Er warnte die Deputation, Drohungen zu erheben oder die Lehren des Nihilismus anzunehmen. Vermischtes. Beider Ausschußwahl innerhalb der Berliner Studentenschaft erlitt diesmal die antisemitische Partei eine vollständige Niederlage. In Gollub (Westpr.) ist während der Vakanz der Bürgermeisterstelle der Rathsmann B. Aronsohn zum Verwalter des Amtes ernannt worden. Derselbe fungirt auch als Amtsanwalt. Herr Nathaniel Levi in Melbourne, welcher vor Kurzem zum Mitgliede des gesetzgebenden Rathes für Victoria ge-

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